Dies & Das – Das perfekte Stuffing

Stuffing-Fantasien in die Realität umzusetzen klingt häufig leichter als es tatsächlich ist. Man sollte eigentlich meinen, dass dazu nicht viel mehr gehört als einfach möglichst große Mengen zu essen. Gerade beim ersten Mal ist das aber alles andere als leicht. Sicher gibt es Menschen, die einfach gerne essen, und denen es dementsprechend leichter fällt. Andererseits ist es so, dass gerade diejenigen, für die Stuffing erstmal nur eine Fantasie ist und die es nicht gewohnt sind, derartige Mengen zu essen, Probleme haben werden und womöglich am Ende enttäuscht sind.

Die meisten Kurzgeschichten, in denen es um Stuffing geht, erwecken den Eindruck, dass abgesehen von etwas Verfressenheit und vielleicht Willenskraft nicht viel mehr nötig ist. In der Tat sind das zwei wichtige Voraussetzungen, aber was viel wichtiger ist und in den meisten solcher Geschichten nicht erwähnt wird, ist das Training, das für ein perfektes Stuffing notwendig ist. Trainiert werden kann dabei entweder so, dass man sich regelmäßig der Vorliebe zur Völlerei hingibt. Ein möglicher Nachteil davon ist, dass man so gegebenenfalls deutlich zunehmen kann. Da das Training im Prinzip hauptsächlich darauf abzielt, den Magen zu dehnen und so an größere Essensmengen zu gewöhnen, kann man natürlich auch regelmäßig einfach große Mengen trinken. Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass so ein Training wirklich einige Zeit beansprucht, und die Ergebnisse oft geringer als erhofft ausfallen. Ganz davon abgesehen, dass man sich auf einen häufigen Gang zur Toilette gewöhnen müsste.

Nichtsdestotrotz gibt es einige Dinge, die man über Stuffing wissen sollte. Dazu gehören nicht nur manche Tricks, mit denen man dem Ziel vom perfekten Stuffing näher kommen kann, sondern auch einige Fakten, derer manche sich vielleicht gar nicht bewusst sind. Bevor es jetzt aber allzu schnell geht, möchte ich noch auf einige Punkte hinweisen: zum einen sind die hier gesammelten Informationen und Tipps nicht uneingeschränkt zur Nachahmung empfohlen. Wer sich also an diese "Anleitung" hier halten will, der tut das auf eigene Gefahr. Zum anderen ist alles Folgende gleichermaßen wahr und dennoch nicht ganz ernst gemeint. Immerhin handelt es sich bei Stuffing um eine Vorliebe und nicht um eine Wissenschaft.

Was also ist wichtig für ein perfektes Stuffing?

Zunächst mal ist wichtig, dass man eher schlank ist. Je schlanker man ist, desto mehr kann man essen. Klingt komisch? Ist aber so. Die Erklärung dafür ist folgende: bei einem Gelage wird so viel gegessen, dass der Magen sich mit der Zeit ausdehnt. Der menschliche Körper ist wirklich zu erstaunlichen Dingen fähig, gerade was die Dehnbarkeit angeht. Aber: nicht alles, was im oder am menschlichen Körper ist, kann sich gleich gut ausdehnen. Haut zB kann sich um ein vielfaches leichter und weiter dehnen als Fett. Der Magen selbst kann sich etwa ausdehnen, bis er mit maximal vier Litern gefüllt ist. Allerdings kann der Magen sich weniger weit ausdehnen, wenn eine mehr oder weniger dicke Speckschicht darüber liegt. Schlanke Menschen unterliegen dieser Beschränkung natürlich gerade nicht. Also: schlank sein heisst viel essen können.

Langsame Esser werden ihren Magen aber niemals so weit füllen können, es sei denn sie besitzen eine schier unglaubliche Willenskraft. Nach etwa zwanzig Minuten lässt der Magen uns nämlich wissen, ob bzw. dass wir satt sind. Bevor also das erste Sättigungsgefühl sich bemerkbar macht, hat man eben zwanzig Minuten Zeit, so viel wie möglich zu essen, danach fällt uns jeder weitere Bissen immer ein bisschen schwerer. Das bedeutet: gerade zu Beginn muss man so schnell essen, wie man kann. Also: abbeißen, kauen und schlucken und wieder von vorn. Und dazwischen das Luftholen nicht vergessen.

Bloss mit Geschwindigkeit allein kommt man aber nicht weit. Wir wollen ja schließlich sehen, was genau wir da in uns hinein schaufeln. Deswegen ist es wichtig, vor dem Essen das Licht einzuschalten. Je heller es ist, desto mehr essen wir. Ein romantisches Dinner bei Kerzenlicht eignet sich demnach nur bedingt, wenn man ein Gelage größeren Ausmaßes abhalten möchte. Also: Licht einschalten und bei Bedarf eine Flutlichtanlage installieren.

Flutlicht gibt es auch im Fußballstadion, genauso wie viele, viele Fußballfans. Je mehr Fans im Stadion sind, desto besser ist in aller Regel die Stimmung. Genauso ist es beim Essen. Sitzen viele Menschen beisammen, so ist die Stimmung eher ausgelassen als wenn wir alleine essen. Essen wir in Gesellschaft, so essen wir aufgrund der Ablenkung unbewusst mehr. Das selbe passiert auch, wenn wir beim Essen fernsehen oder lesen oder uns anderweitig ablenken. Also: niemals alleine ein Fressgelage starten, sondern immer in Gesellschaft. Ausserdem den Fernsehapparat mit an den Tisch stellen und anschalten. Und das Radio.

Wenn alles nichts hilft und man trotzdem irgendwann das Gefühl hat, satt zu sein, dann hat man den ersten Fehler vermutlich schon viel früher gemacht. Wahrscheinlich hat man dann vergessen, vor dem eigentlichen Gelage irgendeine der neuen Wunderdiäten aus einer der vielen Frauenzeitschriften zu beginnen. Wenn man heutzutage eines sicher weiß, dann ist es folgendes: langfristig funktionieren Diäten nicht, dafür bedingen sie den gefürchteten Jojo-Effekt und – Heisshunger. Schränkt man bei einer Diät die Kalorien- und damit auch Vitamin- und Ballaststoffzufuhr zu sehr ein, so wird unser Körper bald an verschiedenen Mangelerscheinungen zu nagen haben. Die Folge: es gelüstet uns nach etwas essbarem, das genau das enthält, was wir unserem Körper vorenthalten haben, zB Schokolade wegen des Zuckers. Also: zwei Wochen Nulldiät vor einem Gelage wirken Wunder.

Wenn man all das berücksichtigt, dann ist man schon einmal auf einem sehr guten Weg. Jetzt aber geht’s ans Eingemachte. Das Allerwichtigste bei einem perfekten Stuffing ist natürlich, was man isst. Und grundsätzlich gilt hier natürlich, dass man das essen sollte, was einem am besten schmeckt. Denn davon kann man erfahrungsgemäß mehr essen. Aber trotzdem gibt’s ein paar Dinge, die man wissen muss.

Erstens: Nahrungsmittel, die lange gekaut werden müssen, sind ungeeignet. Es soll ja schnell gehen, damit das Sättigungsgefühl ausgetrickst wird, also ist es überaus hinderlich, wenn man sich selbst das Leben dadurch schwer macht, dass man seinen Kiefer ermüdet. Eher ungeeignet ist daher zB Fleisch, auch weil Fleisch relativ lange im Magen verdaut werden muss und sozusagen dort liegen bleibt. Besser sind Nahrungsmittel, die man richtig in sich hinein schaufeln kann, zB Reis oder Nudeln.

Zweitens: je weniger Fett in den Speisen enthalten ist, desto weniger sättigend sind sie. Überaus praktisch, da ja das Hungergefühl möglichst lange anhalten soll. Insofern sind eigentlich Dinge wie Hamburger damit schon aus zwei Gründen nicht wirklich zu empfehlen.

Drittens: man muss auch die Ausnahmen kennen. Denn mit dem Hamburger gibt es zwar eine Scheibe fettes Fleisch. Dafür aber sind Hamburger in aller Regel ziemlich "weich". Weiches Essen ist sehr gut für Stuffing, da es praktisch nicht gekaut werden muss. Ein bisschen zusammen drücken, und schon kann man es runter schlucken. Deswegen ist auch Brei oder ähnliches ein sehr gutes Stopfmittel.

Viertens: ein ordentliches Völlegefühl nach dem Essen allein reicht nicht, der Bauch soll sich richtig schön runden? Bloss viel zu essen reicht dafür manchmal nicht aus, aber es gibt Speisen, die einen sich rundenden Bauch begünstigen. Dazu gehört zum Beispiel Reis. Reis neigt dazu, etwas aufzuquillen, wenn er mit Flüssigkeit in Berührung kommt. Ergo wird er nach dem Verzehr den Bauch etwas anschwellen lassen, wenn man ausreichend trinkt. Allerdings sollte man es nicht übertreiben, andernfalls kann das sehr unangenehme Folgen haben. Eine andere unangenehme Folge kann auftreten, wenn man sehr viel von solchen Speisen zu sich nimmt, die gemeinhin dafür bekannt sind, eine blähende Wirkung zu entfalten, also etwa Milch oder Bohnen oder beides zusammen. Beides zusammen gibt nicht nur einen schön aufgeblähten Bauch, sondern eben auch häufig ein wirklich unangenehmes Völlegefühl mit – wer hätte es erwartet? – Blähungen. Man könnte natürlich auch einfach eine Menge Kirschen essen und dazu viel Wasser trinken. Das hat aufgrund der sich auf der Haut der Kirschen befindlichen Hefepilze in etwa die gleiche, den Bauch aufblähende Wirkung, führt in aller Regel aber nicht zu Blähungen. Allerdings muss man dafür mit Bauchschmerzen rechnen, so dass dieses Menü als Alternative ausscheiden mag. Aber man sagt ja: wer schön (aufgebläht) sein will, muss leiden.

Fünftens: selbst wenn man irgendeine Sache noch so gerne isst, immer das Gleiche wird auf Dauer auch langweilig. Unser Gaumen liebt Abwechslung. Verschiedene Gerichte zur Auswahl zu haben ist viel besser als wenn man die ganze Völlerei über das selbe in sich hinein futtern muss. Ein ständig wechselnder Geschmack erweckt unser Hungergefühl gewissermaßen immer wieder neu, solange, bis eben wirklich nichts mehr reingeht. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, das ausgewählte Essen gut zu würzen. Vor allem scharfe Speisen wirken in vielen Fällen appetitfördernd.

Sechstens: das Trinken nicht vergessen! Trinken ist gut und gesund (solange es nicht Alkohol in übermäßigen Mengen ist) und auch beim Stuffing wichtig. Man muss sich vor Augen halten, dass Flüssigkeiten eigentlich das beste Stopfmittel überhaupt sind: sie müssen nicht gekaut werden, füllen den Magen und später auch die Blase, so dass man sich schnell einen ziemlich prallen Bauch ansaufen kann. Ausserdem kann man nach einer ordentlichen Mahlzeit denjenigen Platz im Magen, der noch nicht vom Essen eingenommen ist, gut mit Getränken ausfüllen. Aber, wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Da man überhaupt nicht Kauen muss, kann man es mit dem Hineinschütten sehr schnell übertreiben. Das Ergebnis: man muss sich übergeben und alles war umsonst. Ganz davon abgesehen, dass es bei Flüssigkeiten zu einem ganz anderen Problem kommen kann, das im Anschluss an den folgenden und letzten Tipp erörtert wird.

Denn um wirklich bis zur allerletzten Grenze vor zu stoßen empfiehlt es sich, ein Stuffing vor dem Stuffing durch zu führen. Idealerweise nimmt man sich dafür einen ganzen Tag Zeit. Man steht auf und isst bis etwa Mittag erstmal gar nichts. Dann trinkt man innerhalb von ein, zwei Stunden soviel Flüssigkeit, wie nur irgendwie möglich. Dieses Spiel beendet man erst dann, wenn man wirklich dringend auf die Toilette muss, um die Blase zu entleeren. Anschließend wird wieder bis zum Abend gefastet, also nicht einen Bissen essen oder einen weiteren Schluck trinken. Das Ergebnis: am Abend wird man einen solchen Bärenhunger haben, dass man unter Berücksichtigung auch aller übrigen Tipps womöglich das perfekte Gelage abhalten wird. Der Grund dafür ist ganz einfach: durch die viele Flüssigkeit sind Magen und Verdauungstrakt völlig überdehnt. Es dauert nun eine Weile, bis alles wieder auf den Normalzustand zusammen geschrumpft ist. Isst man nun zusätzlich den ganzen Tag nichts, so hat man am Abend wahrlich mehr als genug Platz in seinem Körper, zumal die getrunkene Flüssigkeit bis dahin aus dem Magen in die Blase und von dort vermutlich in die Toilette gewandert ist.

Aber, und das ist jetzt ganz wichtig: zu viel trinken kann tödlich sein! Insbesondere wenn man mehrere Liter Wasser zu sich nimmt, kann dies zu einer Art Wasservergiftung führen, die den Elektrolythaushalt gehörig durch einander bringt und schlussendlich aus dem geplanten perfekten Stuffing eine überaus dekadente Art, Selbstmord zu begehen, macht. Wer also keine Lust hat, vor dem eigentlichen Stuffing zu ertrinken, der sollte lieber auf die Sauferei verzichten.

Nun ja, das sind soweit die Tricks, um ein perfektes Stuffing zu arrangieren. Sie sind wie erwähnt nicht uneingeschränkt zur Nachahmung empfohlen und auch nicht ganz ernst gemeint. Wer sie aber beherzigt und es dabei nicht übertreibt – eine wahrlich interessante Herausforderung bei einer Völlerei! – kann der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ganz nahe kommen.

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