Dies & Das – Bis zum Platzen

"Noch ein Bissen und ich platze."

Fast jeder hat diesen Satz nach einem opulenten Essen schon einmal gehört oder vielleicht auch selbst gesagt. Gerade wenn man zu viel gegessen hat, dann mag man sich wohl tatsächlich fühlen, als könnte es jeden Augenblick so weit sein. Die Wenigsten werden sich aber schon einmal ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, ob das wirklich möglich ist.

Essen bis zum Platzen – geht das überhaupt?

Grundsätzlich muss man wissen, dass der Magen eines Menschen ziemlich dehnbar ist. Im Prinzip funktioniert er wie ein Ballon, und genau so wie ein Ballon sich erst dann ausdehnt, wenn man Luft in ihn hinein bläst, so dehnt sich auch unser Magen erst dann aus, sobald wir etwas essen. Nun weiß jeder, dass ein Ballon irgendwann platzt, wenn man zu viel Luft hinein geblasen hat. Aber funktioniert das auch bei einem Magen?

Selbstverständlich kann sich auch der Magen eines Menschen nicht unbegrenzt ausdehnen. Tatsächlich liegt das maximale Fassungsvermögen im Durchschnitt bei einem Volumen von etwa vier Litern. Bei einer normalen Mahlzeit wird man diese Menge aber kaum einmal erreichen, denn normalerweise genügen Portionen von einem halben bis maximal einem Liter Volumen, bis wir uns satt fühlen. Selbst bei einem Fressgelage werden nur die wenigstens mehr als eineinhalb Liter im Volumen schaffen.

Wenn der Magen aber bis zu vier Liter fassen kann, man aber in aller Regel nicht einmal die Hälfte davon hinein befördert, wie kommt es dann, dass man sagt: "Ich bin so voll, dass ich platzen könnte."?

In der Tat ist es schon vorgekommen, dass einigen wenigen Menschen tatsächlich der Magen geplatzt ist. Nur muss man dabei wissen, dass es sich hier um absolute Ausnahmen handelt, die zum einen deutlich mehr als "nur" vier Liter in ihren Magen befördert haben. Zudem haben sie das auch in einer sehr kurzen Zeit getan, und nahezu alle Fälle, die hierzu bekannt geworden sind, beziehen sich auf Menschen, die an einer Essstörung (zB Bulimie oder Binge Eating) gelitten haben. So ist beispielsweise der Fall einer bulimieerkrankten Frau – ein 23 Jahre altes Model aus England – bekannt geworden, die binnen weniger Stunden 19 Pfund (!) Nahrung in ihren Magen gestopft hat und schlussendlich verstorben ist. Allerdings ist auch ihr nicht der Magen geplatzt, sondern sie ist offenbar erstickt, nachdem der Magen sich so weit ausgedehnt hatte, dass er ihr schließlich das Atmen in die Lunge unmöglich gemacht hat.

Zum einen wird dadurch klar, dass es nicht ganz einfach ist, zu platzen, andererseits aber eben auch nicht unmöglich. Nur ist es so, dass es so gut wie ausgeschlossen ist, tatsächlich zu platzen wie ein Ballon. Wenn man darüber nachdenkt, so wird auch relativ schnell klar, warum das so ist. Man muss sich nur die Frage stellen, warum Gegenstände überhaupt platzen. Um beim Beispiel des Luftballons zu bleiben: er platzt, weil sich seine Oberfläche irgendwann nicht weiter ausdehnen kann und der Druck einen Weg sucht, um zu entweichen. Dies tut er dadurch, dass er die Oberfläche schließlich aufreissen lässt. Würde man aufhören, Luft in den Ballon zu blasen oder vielleicht sogar wieder heraus saugen, dann würde der Ballon nicht platzen, weil der Druck eben anderweitig entweichen kann. Platzen können also normalerweise nur Gegenstände, die geschlossen sind und aus denen der zunehmende Druck nicht anderweitig entweichen kann.

Genau das ist der springende Punkt: unser Magen ist nicht geschlossen, sondern hat zwei Ein- bzw. Ausgänge: über die Speiseröhre in den Magen und hinaus in den Darm. Damit unser Magen also platzen kann, müsste man diese so verschließen, dass der Magen zwar weiter befüllt wird, gleichzeitig aber das, was in den Magen befördert wird, ihn nicht über einen dieser beiden Wege wieder verlassen kann. Tatsächlich gab es schon im Mittelalter Methoden hierfür, die zum Beispiel bei der sog. Wasserfolter eingesetzt wurden, auf die ich hier aber weder weiter eingehen kann noch will.

Fakt ist jedenfalls, dass es aufgrund dieser Tatsache nahezu ausgeschlossen ist, zu platzen. Selbst wenn wir wirklich so viel in unseren Magen befördern, dass er "kurz vor dem Platzen" ist, dann hat unser Körper dafür ausserdem einen zusätzlichen Schutzmechanismus parat: uns wird schlecht, und wir müssen uns übergeben. Ganz strenggenommen müsste es also nicht heissen: "Noch ein Bissen und ich platze", sondern: "Noch ein Bissen und ich kotze."

Und jetzt mal ehrlich, wenn man mit jemandem am Tisch sitzt, vielleicht auch noch für diesen Jemand gekocht hat und dieser nach dem Essen kund tun würde, das er gleich kotzen müsse – ich bezweifle, dass wir mit ihm oder ihr noch einmal gemeinsam essen wollten oder für ihn bzw. sie noch einmal kochen würden.

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