kinjiro – Mia & Sarah – 5 – Wehe dem, der wettet

Sarah lag auf der Couch und blätterte gelangweilt durch die Fernsehzeitung. Das Abendprogramm bot wieder einmal nichts wirklich Interessantes. Überhaupt schien das Fernsehprogramm sich nur an die Vergesslichen oder Hartgesottenen zu richten: entweder konnte man sich die x-te Wiederholung eines sog. Hollywoodblockbusters auf einem der Privatsender angucken, oder man unterzog sich der öffentlich-rechtlichen Behandlung mit den üblichen volkstümlichen Musiksendungen. Beides Alternativen, die Sarah nicht wirklich in Erwägung zog. Sarah warf die Zeitung achtlos auf den Tisch und seufzte. Ihr stand also ein ziemlich eintöniger Freitagabend bevor – wie so oft in den letzten drei Monaten.

Vor etwa drei Monaten hatte ihre Schwester Marc kennen gelernt. Die beiden waren inzwischen ein Paar, und so sehr sich Sarah für ihre Schwester freute, so sehr beneidete sie Mia auch. Natürlich verstand Sarah, dass Mia ihre Zeit gern mit ihrem Freund verbrachte. Sie selbst hätte es wohl nicht anders gemacht. Wenn sie einen Freund gehabt hätte. Aber seit der Trennung von ihrem letzten Freund hatte sich die Gelegenheit dazu einfach noch nicht ergeben. Wobei das so nicht ganz stimmte. Zum einen wusste Sarah von einer Kommilitonin, dass einer ihrer Mitstudenten ziemlich in sie verschossen war. Nur leider war der überhaupt nicht Sarah’s Typ: er war Sarah viel zu sportlich und ausserdem recht arrogant. Zum anderen bekam Sarah regelmäßig "Fanpost". Ja, so konnte man es sicherlich nennen. Ihre im Internet zur Schau gestellte Vorliebe hatte ihr einige Bewunderer eingebracht, und so mancher darunter hatte sie schon um ein reales Treffen gebeten. Zugegeben, es hatte einige interessante Offerten gegeben, die nicht nur auf "das Eine" aus waren (wobei es an dieser Stelle dahinstehen konnte, ob "das Eine" ein Fressgelage oder ein One Night Stand war). Doch schon ganz zu Beginn ihrer Zeit als Photomodell hatte Sarah sich geschworen, derartige Anfragen strikt abzulehnen. Es gab einfach zu viele Verrückte, und gerade als Frau musste man aufpassen, mit wem man sich verabredete – insbesondere, wenn es sich um eine Verabredung über das Internet handelte. Und dennoch: gerade weil Mia nun einen Freund und Sarah keinen hatte, waren Sarah’s Abende in den letzten drei Monaten gerade an den Wochenenden recht langweilig gewesen. Es war fast so wie in der Zeit, nachdem sich Sarah von ihrem Freund getrennt hatte und bevor ihre Schwester von ihrem Geheimnis erfahren hatte. Mit dem kleinen Unterschied, dass Sarah zu dieser Zeit regelmäßig ihrer Vorliebe nachgegangen war, vor allem, weil sie sie damals endlich ungestört ausleben konnte. In den letzten drei Monaten aber war Sarah kein einziges Mal ihrer Vorliebe nachgegangen, wenn sie allein gewesen war, und die gemeinsamen Photosessions mit Mia waren auch wieder weniger geworden. Zwar gab es sie nach wie vor noch einmal pro Woche, aber meistens war es jetzt Mia, die futterte, während Sarah die Photos machte. Sarah hingegen hatte in den letzten drei Monaten nur zwei kleine Photosets gemacht.

Die letzten drei Monate hatten aber auch erfreuliche Auswirkungen gehabt. Da Sarah nun schon seit einiger Zeit nicht mehr wie eine Verrückte Essen in sich hinein schaufelte, hatte sie ganz ohne Diät fünf Kilo abgenommen. Sie wog jetzt wieder unter 70 Kilo, so wenig wie schon lange nicht mehr. Zwar hatte Sarah es nicht darauf angelegt gehabt, abzunehmen, aber wenigstens passte sie jetzt wieder in alle ihre Klamotten. Die Sache mit dem Minirock war doch ein kleiner Schock gewesen, der Sarah eindrucksvoll in Erinnerung gerufen hatte, dass man mit dieser Vorliebe aufpassen musste. Hätte sie danach so weiter gefuttert, wie sie es sich bis dahin angewöhnt hatte, so hätte sie heute wohl nicht nur die fünf Kilo nicht abgenommen, sondern zudem noch einige mehr auf ihre Rippen gepackt. Sarah hatte immer geglaubt, dass ihr das nichts ausmachen würde, doch auch sie hatte Grenzen, die sie nicht überschreiten wollte. Vor drei Monaten war sie dieser Grenze schon sehr nahe gewesen, und sie war sich nicht sicher, wie sie reagiert hätte, wenn sie sie tatsächlich überschritten hätte. Wenn überhaupt, so sagte sie sich, dann wollte sie diese Grenze gemeinsam mit jemand anderem überschreiten.

Sarah blickte auf die Uhr. Es war kurz vor acht, und Mia war seit zwanzig Minuten fort. Marc hatte sie abgeholt, und die beiden waren in irgendeine Bar gegangen. Zwar hatten die beiden gemeint, dass Sarah gern mitkommen könnte, doch sie schlug das Angebot dankend aus. Früher oder später hätte sie die beiden nur gestört, so war das nun mal bei Verliebten. Nun, da sie zu Hause war, konnte sie genauso gut etwas sinnvolles machen, zB ihre E-Mails beantworten. Sie stand auf, ging in ihr Zimmer und setzte sich an den PC. Eine Minute später war der PC hochgefahren. Nachdem in der Taskleiste die kleinen Symbole des Firewall- und des Antivirenprogramms erschienen waren, wählte Sarah sich ins Internet ein. Dann startete Sarah ihr Instant Messaging-Programm und ihr E-Mail-Programm.

Wie beinahe jeden Tag war ihr Postfach randvoll mit E-Mails. Sarah löschte schnell diejenigen, die nur irgendwelchen Spam enthielten und trotz der Filter den Weg in ihr Postfach gefunden hatten, dann las und beantwortete sie die übrigen Mails. Der Inhalt der Mails war der Übliche, den sie von früher schon zu Hauf kannte: hier dankte jemand für ihre Bilder, dort wurde darum gebeten, ganz bestimmte Bilder zu machen. Und dann gab es noch diejenigen Mails, die nur irgendwelche obszönen Bemerkungen enthielten. Sarah mochte diese Mails nicht, aber auch die gehörten mit dazu. Es dauerte nicht lange, bis Sarah sich um alle Mails gekümmert hatte. Sarah wollte gerade die Verbindung zum Internet trennen, als plötzlich im linken unteren Eck auf dem Bildschirm ein Nachrichtenfenster des Instant Messengers erschien.

>>cjprus1979<<: Hey skinny girl. Lange nicht gesehen. Wie geht es dir?

Sarah musste lächeln. Sie hatte cjprus1979 – oder Sean Price, wie er wirklich hieß – vor rund einem Jahr über die Website, auf der sie ihre Bilder veröffentlichte, kennengelernt, und chattete seitdem mehr oder weniger regelmäßig mit ihm. Sean kam aus den Vereinigten Staaten, lebte aber seit drei Jahren in Deutschland, weil er hier eine gut bezahlte Stelle als Ingenieur angenommen hatte. Er war eine der wenigen Internetbekanntschaften, die Sarah pflegte, da er neben der gemeinsamen Vorliebe fürs Stuffing auch viele andere Interessen mit ihr teilte. Und anders als die meisten ihrer Bewunderer – zu denen Sean zweifellos zählte, wie er Sarah immer wieder durch seine Komplimente bewies – war er keineswegs aufdringlich, sondern immer angemessen zurückhaltend. Zwar erlaubte er sich hin und wieder den einen oder anderen Scherz in Bezug auf ihre gemeinsame Vorliebe, doch er wusste genau, wie weit er gehen konnte, ohne dass es anzüglich wurde oder dass er Sarah kränkte. Sie war ihm dafür sehr dankbar, denn es war gut, jemanden zu haben, mit dem man sich über alles inklusive der eigenen Vorlieben unterhalten konnte. Sie war ihm deswegen auch nicht böse, dass er sie immer noch skinny girl – also dünnes Mädchen – nannte. Als sie ihn kennen lernte, da hatte dieser Spitzname auch beinahe zu ihr gepasst, zumindest aus Sean’s Sicht. Sean, so wusste Sarah, stand auf mollige Frauen. Und als Sarah mit den Photos angefangen hatte, da war sie… nun ja, zwar nicht dünn, aber doch ein wenig schlanker als heute gewesen. Sean hatte sie damals gerne damit aufgezogen, und irgendwann war der Spitzname zur Gewohnheit geworden.

>>baeuchlein86<<: Hi Sean. Gut, danke der Nachfrage. Und selbst?

>>cjprus1979<<: Mir geht es gut, danke. Ein wenig Stress im Moment. Bei dir?

>>baeuchlein86<<: Genau das Gegenteil. Ich hab’ gar nichts zu tun, leider.

>>cjprus1979<<: Gut, gut. Das spart Kalorien 😉

>>baeuchlein86<< *gg*

>>baeuchlein86<<: Aber ich hab’ sowieso ein wenig abgenommen.

>>cjprus1979<<: *eek*

>>baeuchlein86<<: Keine Sorge, es sind nur 5 Kilo.

>>cjprus1979<<: *eek*

>>baeuchlein86<<: Nun hör’ schon auf, so viel ist das wirklich nicht.

>>cjprus1986<<: Und wie kommt das? Machst du eine Diät? Oder warst du krank?

>>baeuchlein86<<: Nein, gar nicht. Ist einfach so passiert.

>>cjprus1979<<: Hmm.

>>baeuchlein86<<: Ich hab’ mich einfach ein bisschen zurückgehalten mit dem Essen.

>>cjprus1979<<: Warum das? Hattest du Angst, dass du zu dick geworden wärst?

>>baeuchlein86<<: Nein. Doch, schon irgendwie. Aber ich hatte auch keine Lust zu essen.

>>cjprus1979<<: Keine Lust zu essen? Geht das denn?

>>baeuchlein86<<: Wenn ich’s dir doch sage. Und ausserdem…

>>cjprus1979<<: Ja?

>>baeuchlein86<<: Naja, seit Mia ihren Freund hat macht es irgendwie keinen Spaß mehr… alleine zu essen, verstehst du?

>>cjprus1979<<: Verstehe. Und wenn du dir auch einen Freund suchst?

>>baeuchlein86<<: Du hast leicht reden. Ausserdem muss man erstmal einen finden, der das mitmacht.

>>cjprus1979<<: Also ich würde es mitmachen 😉

>>baeuchlein86<<: Das glaub’ ich dir sofort 🙂

Sarah wusste, dass Sean scherzte. Genau so wie er wusste, dass sie auf dieses indirekte Angebot kaum eingehen würde. Natürlich, wenn sie sich je zu einem Treffen mit einem ihrer Bewunderer überwinden würde, dann hätte Sean gute Chancen, dass er derjenige sein würde, mit dem sie sich verabreden würde. Er war zwar gut sieben Jahre älter als sie, doch das würde sicher kein Hindernis sein. Schon eher, dass er fast zweihundert Kilometer entfernt wohnte. Erst jetzt bemerkte Sarah, dass sie gerade dabei war, in Gedanken die Argumente für und gegen ein Treffen mit Sean abzuwägen. Sie wunderte sich über sich selbst, normalerweise würde sie einen solchen Gedanken schnell beiseite schieben können. Jetzt aber gelang es ihr nicht. Vielleicht lag es einfach daran, dass sie schon so lange keinen Freund mehr gehabt hatte, vielleicht auch nur daran, dass sie sich gerade letzten Monat während der Feiertage so richtig einsam gefühlt hatte. Während ihre Schwester die Weihnachtsfeiertage mit Marc verbracht hatte, war sie alleine zu Hause gesessen, bis sie schließlich vor Langeweile und Einsamkeit in den Zug gestiegen war und nach Hause zu ihren Eltern gefahren war. Damit war sie zwar nicht mehr alleine gewesen, doch richtig glücklich war sie danach trotzdem nicht. Selbstverständlich würde ein Treffen mit Sean daran nicht viel ändern können. Ein Blinddate war kein Ersatz für eine Beziehung. Und dennoch fand Sarah den Gedanken mit einem Mal sehr interessant. Ein Blinddate mit jemandem, der ihre Vorliebe teilte, das konnte etwas wirklich Aufregendes sein.

Sean hatte inzwischen eine neue Nachricht geschickt, er schien das Thema wechseln zu wollen.

>>cjprus1979<<: Hast du eigentlich schon die Bilder von meinem Urlaub in Australien gesehen? Ich könnte sie dir schnell mailen, falls sie dich interessieren.

Was für eine Frage, natürlich wollte Sarah die Bilder sehen, sie interessierte sich brennend für Australien und wollte spätestens nach ihrem Studium endlich einmal den fünften Kontinent bereisen.

>>baeuchlein86<<: Klar, schick sie mir.

Sarah wartete den Bestätigungsdialog ab und speicherte die Bilder in einen Ordner. Die Datenübertragung startete, und wenige Minuten später konnte Sarah die Bilder betrachten. Sean war auf keinem der Bilder zu sehen, dafür wunderschöne Steppenlandschaften und Gebirgsketten.

>>baeuchlein86<<: Das sind echt tolle Bilder. Ich hoffe, ich komme auch mal nach Australien.

>>cjprus1979<<: Das solltest du. Es ist ein tolles Land. Sogar in den USA haben wir nur wenige Gebiete, die man damit vergleichen könnte.

>>baeuchlein86<<: Kann ich dir mal eine Frage stellen, Sean?

>>cjprus1979<<: Aber natürlich.

Sarah war ziemlich nervös, als sie den nächsten Satz eintippte, und es fiel ihr schwer, die Enter-Taste zu betätigen, um die Nachricht abzuschicken. Schließlich fasste sie sich ein Herz, und ihre Nachricht ging an Sean.

>>baeuchlein86<<: Glaubst du, wir könnten uns mal persönlich kennen lernen?

* * *

Mia stieg erschöpft die Treppen zu ihrer Wohnung hinauf. Es war noch nicht einmal 23.00 Uhr. Marc hatte sich nicht wohl gefühlt und sie waren nicht lange in der Bar geblieben. Knapp zweieinhalb Stunden hatten sie es dort ausgehalten, dann hatte Marc gemeint, dass es wohl besser wäre, wenn sie gingen. Marc hatte wirklich nicht gut ausgesehen, womöglich hatte er sich erkältet. Das war ja auch kein Wunder. Bei allem Verständnis, das Mia für Marc’s Sportbegeisterung aufbrachte, im Januar sollte man eben nicht Joggen. Oder man sollte es zumindest nicht nur mit Trainingshose und T-Shirt bekleidet tun. Das hatte er nun davon, jetzt musste er das Wochenende wohl oder übel im Bett verbringen und sich ausruhen.

Ehrlich gesagt war aber Mia selbst auch recht müde. Die letzten beiden Wochen waren sehr anstrengend gewesen, nicht zuletzt wegen der Klausuren, die üblicherweise kurz vor Ende des Semesters geschrieben wurden. Diesmal hatte Mia sich mehr als ausreichend vorbereitet, und die Klausuren waren ihr dementsprechend leicht gefallen. Dafür wusste sie bereits jetzt, dass sie diesmal in den Semesterferien richtig ausspannen würde können.

Mia schloss die Tür, trat ein und schaltete das Licht im Flur ein. Dann warf sie die Tür zurück in die Angeln und entledigte sich schnell ihres Mantels. Aus Sarah’s Zimmer konnte sie Musik hören. Ihre Schwester war also wieder mal nicht ausgegangen. Nun, wenn es ihr so gefiel. Immerhin hatten sie ihr angeboten, dass sie mitkommen könnte. Mia ging an Sarah’s Zimmer vorbei, rief ihr dabei ein flüchtiges "Hallo" zu und ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu trinken. Sie hörte, wie die Musik in Sarah’s Zimmer leiser gestellt wurde.

"Schon zurück heute? Ist irgendwas los?" hörte sie ihre Schwester rufen.

"Nein, Marc hat sich wohl erkältet. Da sind wir nicht so lange geblieben. Der wird wohl das ganze Wochenende flachliegen." rief Mia zurück.

"Ah ja, verstehe." antwortete Sarah, dann wurde die Musik wieder lauter gedreht.

Mia leerte ihr Glas und ging dann in ihr Zimmer, wo sie sich bis auf ihren Slip und BH auszog. Ihre Kleider stanken nach dem Barbesuch fürchterlich nach Zigarettenrauch, und Mia würde sie erstmal zum Lüften hinaus hängen müssen. Dann ging sie ins Bad um sich ab zuschminken und um die Zähne zu putzen. Nachdem auch das erledigt war, kehrte sie in ihr Zimmer zurück. Bevor sie ihren Schlafanzug anzog, betrachtete sie sich wie jeden Abend im Wandspiegel.

Ihr Projekt war in den letzten drei Monaten nicht sonderlich voran geschritten. Seit sie den Entschluss gefasst hatte, Rundungen zu bekommen, hatte sie gerade einmal zwei Kilo zugelegt. Und das, obwohl sie nach dem ersten Mal befürchtet hatte, dass es schneller als erwartet gehen könnte. In den letzten drei Monaten hatte sie wann immer möglich ein wenig mehr gegessen und auch regelmäßig ihre Fressgelage abgehalten. Große Auswirkungen zeigten sich aber bislang nicht. Mia wusste natürlich, woran das lag. Nur viel zu essen hieß nicht, dass man Rundungen bekam. Man durfte die überflüssigen Kalorien auch nicht verbrauchen. Genau das aber tat Mia. Seit sie mit Marc zusammen war, hatte sie mehr Sport gemacht als jemals zuvor. Marc war geradezu versessen auf beinahe jede Sportart. Wahrscheinlich brauchte er das als Ausgleich zu seinem Studium. Im Gegensatz zu Mia musste er viel Zeit in der Bibliothek verbringen, und wenn man viel saß, dann hatte man wohl einfach das Bedürfnis, sich anschließend körperlich zu betätigen. Oft waren die beiden gemeinsam ins Schwimmbad oder Fitnesscenter gegangen. Mia sagte sich, dass ein wenig Sport ja nicht schaden konnte, insbesondere wenn sie dabei mit Marc zusammen war. Nur ihr Ziel würde sie so nicht erreichen können. Mia seufzte und strich sich sanft mit den Fingern der linken Hand über ihren Bauch. Die winzige Speckschicht, die sich hier ganz langsam bildete, war kaum fühlbar.

"Irgendwann…" dachte sie, dann ging sie zu Bett.

* * *

Am nächsten morgen wachte Mia auf, weil ihr jemand vorsichtig die Bettdecke wegzog. Mia blinzelte und erkannte Sarah, die auf der Bettkante saß. Sarah grinste sie an.

"Guten Morgen."

"Morgen." erwiderte Mia noch etwas schläfrig. Sie rieb sich müde die Augen. "Wie spät ist es denn?" gähnte sie.

"Halb acht." antwortete Sarah.

"Halb acht? Warum weckst du mich denn so früh?" fragte Mia überrascht.

"Naja, ich hab mir gedacht, dass es langsam mal Zeit wird, meine Wette einzulösen." grinste Sarah ihre Schwester an. "Und wo Marc doch jetzt krank ist und du demnach heute wohl nix vorhaben wirst…"

Ach ja, die Wette! Mia hatte sich schon gefragt, wann Sarah darauf zurückkommen würde. Es hatte in den letzten Wochen keine Gelegenheit dazu gegeben. Und Sarah hatte Recht, sie hatte heute nichts geplant, so dass auch nichts dagegen sprach, die Wette endlich einzulösen.

"Na gut. Aber lass’ mich noch ein paar Minuten weiter schlafen."

"Kein Problem, Schwesterherz. Ich muss’ eh noch zum Bäcker und ein wenig einkaufen. Ruh’ du dich ruhig noch ein wenig aus, das wird heute anstrengend für dich." warnte Sarah ihre Schwester. Dann stand sie auf und verließ erst Mia’s Zimmer, nahm dann Geldbeutel und Einkaufstasche und ging dann aus der Wohnung.

Mia zog die Bettdecke wieder hoch und drehte sich zur Seite. Ein paar Minuten würde sie noch die Wärme des Bettes genießen, dann würde sie sich waschen und anziehen. "Anstrengend?" überlegte Mia. Was Sarah damit wohl gemeint hatte. Offenbar hatte sie vergessen, dass Mia mittlerweile auch so einiges essen konnte. Mit ihrer Schwester konnte sie leicht mithalten, aber sie war ja auch ein wenig größer. Dafür war Sarah ein wenig dicker. Mia drehte sich erneut auf die andere Seite. Sie seufzte. Wo sie ohnehin schon wach war, da konnte sie genauso gut gleich aufstehen. Sie schob die Bettdecke beiseite, dann stieg sie aus dem Bett und streckte sich erstmal ordentlich. Dann ging sie ins Bad, wusch sich und frisierte ihr Haar. Anschließend ging sie zurück in ihr Zimmer und nahm eine Jeans und ein T-Shirt aus dem Schrank. Mia schlüpfte rasch in die Sachen und ging dann in die Küche, um den Tisch zu decken. In der Spüle war noch das benutzte Geschirr vom Vortag, das darauf wartete, abgespült zu werden. Mia machte sich sogleich daran. Noch bevor sie fertig war, hörte sie wie Sarah zurück und in die Küche kam.

"Heh! So geht das aber nicht!" rief Sarah und stellte die eingekauften Sachen auf dem Tisch ab.

"Was geht nicht?" fragte Mia. Sie hatte keine Ahnung, was Sarah meinte.

"Na das da." antwortete Sarah und deutete auf ihre Schwester. Sie machte einen Schritt auf Mia zu und blickte ihr ernst in die Augen, dann nahm Sarah ihr das Tuch aus der Hand, mit dem Mia das Geschirr gerade hatte abtrocknen wollen. "Heute tust du gar nichts. Ich hab’ doch gesagt, dass ich dich heute bekoche. Und der Koch sorgt auch dafür, dass der Tisch gedeckt ist. Und ausserdem möchte ich gerne, dass du was anderes anziehst."

"Was anderes anziehen? Und was?" entgegnete Mia.

"Am besten einen Bikini oder was ähnliches."

"Einen Bikini? Wozu denn?" fragte Mia.

"Mach’s einfach. Ich hab’ mir schon was dabei gedacht." gab Sarah zur Antwort. Was sie damit beabsichtigte, erklärte sie nicht.

"Na gut." meinte Mia und ging in ihr Zimmer um sich wie geheißen um zuziehen. Ihre Schwester würde schon einen Grund haben. Mia nahm einen schwarzen Bikini aus dem Schubkasten neben ihrem Bett und wechselte ihr Outfit. Dann ging sie zurück in die Küche. Sarah hatte den Tisch bereits gedeckt. Als sie ihre Schwester hereinkommen sah, deutete sie ihr an, dass sie Platz nehmen solle. Mia tat es. Sarah setzte sich auf den Stuhl gegenüber.

"Und jetzt?" fragte Mia.

"Jetzt essen wir. Was möchtest du?"

Mia ließ ihren Blick über den Tisch schweifen. Sarah hatte frische Brötchen besorgt, die jetzt in einem kleinen Korb auf ihren Verzehr warteten. Auch Wurst, Käse, Marmelade und ein Frühstücksei hatte Sarah bereitgestellt. Der Duft von frischem Tee hing in der Luft. Mia hatte Appetit auf ein Käsebrötchen. Gerade als sie sich bedienen wollte, schlug Sarah ihrer Schwester sanft auf die Hand.

"Hast du mir nicht zugehört? Ich mach’ das alles!" erklärte Sarah.

"Na gut. Ich möchte eine Käsesemmel."

Sarah nickte, nahm ein Brötchen und schnitt es auf, dann bestrich sie es mit Butter und belegte es mit zwei dicken Scheiben Käse. Dann reichte sie es ihrer Schwester. Während Mia begann zu frühstücken, bediente sich auch Sarah. Sie entschied sich für ein Marmeladenbrötchen.

"Kann ich noch so eines haben?" fragte Mia, als sie mit ihrem ersten Brötchen fertig war.

"Aber klar doch." meinte Sarah und servierte nur wenige Augenblicke später den von Mia gewünschten zweiten Frühstückshappen. "Soll ich auch das Ei aufschlagen?" fragte Sarah. Mia nickte, und Sarah schlug vorsichtig die Schale auf.

"Weißt du," meinte Mia kauend, "das ist gar nicht mal so schlecht. So bedient zu werden, meine ich."

Sarah lächelte und nahm sich selbst auch noch ein zweites Brötchen. "Mal sehen, ob du das heute Abend immer noch so siehst," dachte Sarah.

Wenig später hatte Mia sowohl Ei als auch ihre zweite Käsesemmel verzehrt. Sarah war noch nicht ganz so weit wie ihre Schwester, aber sie hatte ja auch darauf zu achten, dass Mia selbst nichts zu tun brauchte. "Noch Hunger?" fragte Sarah.

Mia überlegte. Sie war zwar eigentlich satt, denn normalerweise frühstückte sie nicht viel. Mehr als ein Brötchen aß sie selten – nicht einmal seitdem sie sich entschieden hatte, runder zu werden. Aber Mia wusste längst, dass zwischen satt sein und voll sein ein großer Unterschied lag. Wenn sie heute schon einen Fresstag abhalten sollte, dann aber auch richtig.

"Ein Marmeladenbrötchen vielleicht?" blickte Mia ihre Schwester fragend an.

"Kommt sofort." bestätigte Sarah.

Wenige Sekunden später reichte Sarah ihrer Schwester das Gewünschte, bevor sie sich zurücklehnte und ihre Schwester beobachtete.

"Isst du nichts mehr?" fragte Mia?

"Nein, ich hab’ nicht so viel Hunger. Ausserdem muss ich mich heute um dich kümmern."

Das Marmeladenbrötchen schmeckte lecker, und es dauerte nicht lange, bis Mia es gegessen hatte.

"Noch eines?" fragte Sarah.

Mia wollte bereits "Ja" sagen, erinnerte sich dann aber daran, was Sarah heute morgen gesagt hatte. Anstrengend würde es werden. Mia konnte nur raten, was Sarah vorhatte. Aber sie wusste, dass Sarah immer wieder auf neue Ideen kam, was ihre gemeinsame Vorliebe anging. Wenn Sarah ihre Warnung heute morgen wirklich ernst gemeint hatte, dann sollte sie sich nicht jetzt schon verausgaben. Sarah würde sicherlich darauf bestehen, dass Mia die Wette auch wirklich einlöste. Ausserdem wollte Mia ihrer Schwester nicht die Schadenfreude gönnen, dass sie aufgeben würde müssen. Natürlich hätte sie im Moment leicht noch mehr geschafft, aber Mia lehnte dann doch ab. Womöglich spielte ihre Schwester nur mit ihr, und es war klüger, für später Reserven zu haben.

Nach dem Frühstück wollte Mia erstmal ein wenig Ordnung in ihrem Zimmer schaffen. Bedingt durch die Lernerei der letzten Wochen war so manches einfach liegen geblieben, und es war an der Zeit dem nachzukommen. Vor allem wollte sie ein paar alte Klamotten aussortieren. Da es ohnehin noch recht früh war, konnte sie die Arbeit jetzt gleich verrichten. Wie üblich trödelte Mia jedoch ziemlich herum, und gegen 10 Uhr betrat Sarah ihr Zimmer. Sarah hatte bis jetzt in der Küche gestanden und einige Vorbereitungen für die Gerichte getroffen, die am heutigen Tage noch auf Mia zukommen würden.

"Stör’ ich gerade?" fragte Sarah.

"Nein, gar nicht. Was ist denn?" entgegnete Mia.

"Ich hab’ einen kleinen Snack vorbereitet." erklärte Sarah.

"Einen kleinen Snack? Wir haben doch gerade erst gefrühstückt." stellte Mia verwundert fest.

"Macht doch nix." grinste Sarah. "Komm einfach mit, geht auch ganz schnell."

Mia folgte ihrer Schwester wieder in die Küche. Alles war aufgeräumt, und nirgends waren irgendwelche Hinweise darauf zu sehen, was Sarah heute noch für Mia vorsah. Sarah deutete ihrer Schwester, sich an den Tisch zu setzen, dann ging sie zum Kühlschrank und nahm etwas heraus. Als sie sich wieder umdrehte, konnte Mia erkennen, was es war: ein Glaskrug, in dem sich eine milchfarbene Flüssigkeit befand.

"Was ist das? fragte Mia, als Sarah den Krug vor ihr abstellte.

"Ein Milchshake. Mit Banane, hab’ ich selbst gemacht."

"Und das soll der Snack sein?" fragte Mia. weiter.

Sarah nickte. "Ja. Trink, schmeckt wirklich gut. Und bis zum Mittagessen hält der dich auch satt." Sie blinzelte ihr verschwörerisch zu, und Mia griff nach dem Krug. Er fasste knapp einen Liter. Sie nahm ihn mit beiden Händen, dann setzte sie ihn an ihre Lippen und probierte einen kleinen Schluck. Sarah hatte recht, der Shake schmeckte gut. Zwar sehr süß und sehr dickflüssig, aber gut. Mia trank ein paar große Schlucke, dann stellte sie den bereits halbleeren Krug wieder ab.

"Wirklich nicht schlecht. Und du meinst wirklich, dass man davon satt wird?"

"Das wirst du gleich merken." grinste Sarah. "Und jetzt trink aus." befahl sie.

Mia setzte ein weiteres Mal an, und schüttete die leckere Milch hinunter. Dann stellte sie den Krug ab, wischte sich mit der Hand über den Mund und blickte dann ihre Schwester triumphierend an.

"Bitte, war doch leicht." meinte Mia. Sarah grinste immer noch, und mit einem Mal wurde Mia klar, warum. Ihr Magen fühlte sich von einer Sekunde zur anderen plötzlich unglaublich schwer und voll an, und Mia machte ein schmerzverzerrtes Gesicht. "Was hast du denn da rein?" stöhnte sie, dann hielt sie sich die Hand vor den Mund und rülpste hinein.

"Viel Milch, drei Bananen, 300 Gramm Zucker, zwölf Tütchen Vanillepulver und noch…." begann Sarah ihre Erklärung, doch Mia unterbrach sie. "Ist das dein ernst? Da krieg’ ich ja einen Zuckerschock!" beschwerte sie sich. "Warum hast du denn nichts gesagt?"

"Ich find’s lustiger so." lachte Sarah. Mia hielt sich ihren Bauch, der trotz der eigentlich geringen Menge ziemlich spannte. "Du bist gemein…" stöhnte Mia leise.

"Ach was," meinte Sarah beschwichtigend, "so schlimm ist das nun auch wieder nicht. Sieh’s mal so: bis Mittag hast du jetzt bestimmt keinen Hunger mehr. Und die Bauchschmerzen gehen auch schnell vorbei."

Da hatte Sarah sicherlich recht. Milch alleine war ja schon recht sättigend, aber zusammen mit den Bananen und all dem Zucker hatte dieser kleine Snack wahrscheinlich mehr Kalorien, als Mia normalerweise an einem ganzen Tag essen dürfte. Mia atmete einige Male tief ein und aus, dann stand sie langsam auf.

"Was wird das jetzt?" fragte Sarah.

"Ich geh’ mich ausruhen, wenn’s recht ist." antwortete Mia etwas gereizt, dann verließ sie die Küche in Richtung Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch legte und erstmal ausstreckte. Sarah machte also wirklich ernst. Wenn dieser Snack Mia schon so schaffte, was würde das dann erst für das zweifellos noch viel üppigere Mittagessen heissen? Mia massierte vorsichtig ihren prallen Magen. Hoffentlich hatte Sarah nicht noch mehr solcher Überraschungen parat. Eigentlich hatte Mia sich nur auf ein großes Mittag- und Abendessen eingestellt. Offenbar hatte sie unterschätzt, was Sarah unter einem Masttag verstand.

Mia merkte, wie die Massage ganz langsam half, ihren Magen zu entspannen. Sie fühlte sich immer noch ziemlich satt, aber das unangenehme Völlegefühl von vorhin war beinahe verflogen – wie es ihre Schwester versprochen hatte. Mia wunderte sich einmal mehr, woher Sarah das alles wusste. Sicher hatte Sarah vieles schon selbst probiert, aber dennoch überraschte sie Mia immer wieder. Mia schaltete den Fernseher ein und zappte ein wenig durch die Programme, fand aber nichts interessantes. Vielleicht sollte sie sich ein Verdauungsschläfchen genehmigen, denn im Moment hatte sie keine große Lust, in ihrem Zimmer weiter zu machen. Mia schaltete den Fernseher aus und drehte sich zur Seite, dann schloss sie die Augen und döste ein.

Um 12 Uhr kam Sarah ins Wohnzimmer, um ihre Schwester zum Mittagessen zu holen. Sie hatte bis vor wenigen Minuten in der Küche gestanden und gekocht. Mia würde sich bestimmt wieder beschweren, wenn sie wüsste, was Sarah noch so alles für ihre Schwester geplant hatte. Aber Mia wusste es ja nicht, und noch würde Sarah ihr nichts von dem Blech Pizza sagen, das sich bereits im Ofen befand, und nur noch gebacken werden musste. Oder von dem Schokoladenpudding. Oder von den Erdbeertörtchen. Jetzt war es erstmal Zeit für das Mittagessen. Sarah beugte sich über ihre Schwester und rüttelte sie vorsichtig wach.

"Zeit für’s Mittagessen." erklärte Sarah, als Mia sie etwas müde anblickte.

"Schon so spät?" fragte Mia und setzte sich langsam auf.

"Ja. Ich wette, du hast Hunger." meinte Sarah.

Mia bemerkte, dass Sarah recht hatte. Von dem Sättigungsgefühl nach dem Michshake war nichts mehr übrig, statt dessen knurrte ihr Magen hörbar. "Ich hoffe, diesmal gibt’s keine Überraschungen." mahnte Mia ihre Schwester.

"Keine Angst. Ab sofort warne ich dich vor. Und jetzt komm’, nicht dass es kalt wird."

Mia erhob sich von der Couch und ging ihrer Schwester nach in die Küche. Der Tisch war gedeckt, und es duftete nach … Mia konnte den Geruch nicht einordnen. Vielleicht hatte Sarah ihrer Kreativität mal wieder freien Lauf gelassen. Mia setzte sich, und dann wartete sie neugierig darauf, was ihre Schwester wohl servieren würde. Sarah ging zum Herd und nahm einen der beiden Töpfe von der Platte, dann trug sie ihn zum Tisch und hob den Deckel ab. Der Geruch verstärkte sich schlagartig.

"Was ist das?" fragte Mia neugierig.

"Eine Thai-Suppe." sagte Sarah, und sie begann, eine gelbliche Flüssigkeit mit dem Schöpflöffel in die Suppenteller von ihrer Schwester und sich selbst zu füllen. "Das ist aber nur die Vorspeise." grinste Sarah.

Mia nahm ihren Löffel und kostete die Suppe, nachdem Sarah sich ebenfalls gesetzt hatte. Die Suppe war auf eine seltsame Art und Weise schaumig, und Sarah hatte sie fast ein bisschen zu scharf gewürzt. Trotzdem schmeckte sie sehr gut, und Mia begann, hungrig ihren Teller leer zu löffeln. "Schmeckt gut." lobte Mia ihre Schwester.

"Danke, das Rezept hab ich mir selbst ausgedacht." freute Sarah sich, die selbst auch begonnen hatte, ihre Suppe zu essen.

Die Suppe hatte gerade für die beiden Portionen gereicht, und es dauerte nicht lange, bis beide Schwestern fertig waren. Mia und Sarah legten beinahe gleichzeitig die Löffel in die jetzt leeren Teller, und Sarah stand auf und brachte sie rasch zur Spüle. Dann nahm sie den zweiten Topf vom Herd und brachte ihn zurück zum Tisch. Der Topf war deutlich größer als der erste, und Mia fragte sich, was wohl das Hauptgericht sein würde. Abermals deckte Sarah den Topf ab, und Mia warf einen Blick hinein. Sarah hatte sich wiederum für ein asiatisches Gericht entschieden, der Topf war randvoll gefüllt mit Reis, den Sarah mit einer farbigen Soße, etwas Gemüse und kleinen Fleischstückchen vermischt hatte. Das alles duftete sogar noch besser, als es die Suppe getan hatte. Trotzdem war Mia’s Blick besorgt: es war nicht gerade wenig.

"Meinst du nicht, dass das ein bisschen viel ist?" fragte sie ihre Schwester.

"Nein, das schaffst du schon. Ausserdem hab’ ich ja auch Hunger." winkte Sarah ab, dann begann sie, auf den Tellern von Mia und sich selbst zwei recht große Portionen aufzuhäufen.

"Wenn du meinst…" murmelte Mia, denn auch nachdem Sarah ihrer Schwester den Teller reichte, war der Topf noch gut zur Hälfte gefüllt.

Sarah setzte sich wieder, und Mia wollte schon zu essen beginnen, als ihre Schwester ihr mit der Hand Einhalt gebot.

"Wollen wir um die Wette essen?" fragte Sarah. "Wer schneller fertig ist?" schob sie eine zweite Frage hinterher.

"Und was ist der Einsatz?" fragte Mia.

Sarah überlegte kurz. "Wenn du gewinnst, dann darfst du dich irgendwann mal revanchieren. Und wenn ich gewinne, dann musst du den Tag heute ganz durchziehen. Ohne zu jammern!" meinte sie schließlich.

"Gut." sagte Mia zu. Mia wusste, dass sie schneller als ihre Schwester essen konnte. Die Portionen der beiden Schwestern waren genau gleich groß, und auch Sarah hatte schon eine Vorspeise gehabt. Mia hatte also gute Chancen, zu gewinnen.

"Gut, dann gilt die Wette." sagte Sarah und nahm ihre Gabel. Mia tat es ihr gleich. "3 – 2 – 1 – los!" gab Sarah das Wettessen frei.

Mia und Sarah schaufelten das Essen förmlich in sich hinein. Kaum waren die Gabeln mit etwas Reis, Soße und Fleisch beladen, so führten die beiden Schwestern sie auch schon wieder zum Mund. Es war fast schade um das gute Essen, denn auch dieses Gericht hatte Sarah sehr lecker hinbekommen. Eigentlich hätten sie das genießen sollen, dachte Mia. Andererseits war ja noch genug übrig, genießen konnten sie also später auch noch.

Kurze Zeit später waren die Teller der beiden schon bis zur Hälfte geleert, und sowohl Mia als auch Sarah begannen langsam, sich satt zu fühlen. Mia vergewisserte sich mit einem Blick, dass Sarah nicht unbemerkt in Führung gehen würde. Zufrieden stellte sie fest, dass Sarah sogar ein wenig im Rückstand war. Entweder hatte Sarah sich überschätzt, oder sie war die Wette bewusst eingegangen, obwohl sie wusste, dass sie verlieren würde. Wie dem auch war, jetzt galt es, die Wette erstmal zu gewinnen, also verlor Mia keine Zeit und aß weiter.

Auch Sarah war nicht verborgen geblieben, dass Mia in Führung lag. Sie hatte eigentlich erwartet, dass Mia nach dem Frühstück, dem Milchshake und der Suppe etwas langsamer als sie sein würde, doch da hatte sie sich offensichtlich getäuscht. Mia aß deutlich schneller als sie, und Sarah wurde bewusst, dass sie die Wette tatsächlich verlieren könnte. Etwas besorgt dachte sie an den Wetteinsatz. Wenn Mia wirklich gewinnen sollte, dann würde ihre Revanche sicher ordentlich ausfallen – insbesondere, wenn Sarah daran dachte, was sie selbst Mia heute noch alles zumuten wollte. Sarah versuchte daher, ihr Esstempo zu erhöhen. Doch es half nichts und wenige Minuten später legte Mia triumphierend die Gabel beiseite. Sarah hatte noch ein kleines bisschen übrig.

"Gewonnen." grinste Mia ihre Schwester an, dann lehnte sie sich zurück und legte die Hand auf ihren Bauch. Er war mittlerweile gut gefüllt und begann, sich leicht nach vorne zu wölben.

Sarah war kurz nach ihrer Schwester fertig. Sie legte die Gabel neben ihren Teller und seufzte enttäuscht. "Na gut, du hast gewonnen." murmelte sie.

"Das hab’ ich. Bist du jetzt enttäuscht?" fragte Mia. Sarah antwortete nicht, und Mia meinte nach kurzem Überlegen: "Doppelt oder nichts?"

Sarah verstand erst nicht, was ihre Schwester damit meinte. Mia deutete auf den Rest des Essens im Topf, und Sarah war klar, was Mia vorhatte. Zwar war der Rest ursprünglich allein für ihre Schwester bestimmt gewesen, aber wenn sie ihr schon diese Chance gab… ausserdem hatte Mia ja auch so noch einiges vor sich.

"Na gut." meinte Sarah, dann stand sie auf, um die Teller erneut zu füllen. Etwas überrascht stellte sie fest, dass ihre Jeans schon ziemlich eng saß, und sie rückte den Hosenbund mit der freien Hand zurecht, während sie mit dem Schöpflöffel zwei ebenso große Portionen wie zuvor auf die Teller gab. Dann setzte sie sich wieder und gab abermals das Startsignal.

Dieses Mal aßen beide Schwestern langsamer. Nach der ersten, doch recht großen Portion mussten ihre Mägen nun nochmal die gleiche Menge aufnehmen. Sarah bemerkte, dass ihr Bauch mittlerweile schon recht voll war, und bereits nach den ersten Bissen begann sie zu zweifeln, ob die zweite Wette nicht ein noch größerer Fehler gewesen war. Sarah stellte zu ihrer eigenen Verwunderung fest, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes Trainingsrückstand hatte. Das war aber auch kein Wunder, denn im Gegensatz zu ihrer Schwester hatte sie in den letzten Wochen weit weniger solcher Gelage abgehalten. Als die Portion zu etwa einem Drittel geschafft war, kaute Sarah nurmehr lustlos das eigentlich leckere Essen, und sie hatte das Gefühl, dass ihr Bauch wohl bald rebellieren würde, wenn sie weiter aß. Schließlich musste Sarah ihre Jeans aufknöpfen, um ihrem sich füllenden Bauch etwas mehr Platz zu verschaffen.

"Probleme?" neckte Mia ihre jüngere Schwester. Sarah lächelte nur ein wenig gequält und verneinte dann, wohl wissend, dass das nicht stimmte. Aber ihre Schwester hatte ja leicht reden, saß sie doch nur im Bikini da. Da war kein enger Hosenbund, der sie einengte.

Mia tat sich sichtbar leichter als ihre Schwester, und entgegen Sarah’s Erwartung, dass sie zumindest jetzt eine Chance haben würde, aß Mia scheinbar mühelos weiter. Mia’s Vorsprung war mittlerweile groß genug, und schon jetzt war absehbar, dass Sarah auch diesmal verlieren würde. Mia bewunderte ihre Schwester, die nicht aufgeben wollte, obwohl sie sich richtiggehend zwingen musste, weiter zu essen. Ehrgeiz hatte sie.

Auch Mia näherte sich allmählich der Grenze, bei der das Sättigungsgefühl in das teils angenehme, teils anstrengende Völlegefühl umschlug. Sie hatte mittlerweile gelernt, damit umzugehen, und sie mochte dieses Gefühl der absoluten Sattheit. Lange würde es nicht mehr dauern, bis sie es erreichen würde. Ihr Magen fühlte sich bereits steinhart an, und noch war ein bisschen von dem Reis und dem Fleisch auf ihrem Teller. Wenn Mia daran dachte, dass sie ohne die zweite Wette eine weitere solche Portion hätte verdrücken müssen, dann wurde ihr beinahe schlecht. Zwar konnte sie jetzt viel mehr essen als noch vor wenigen Monaten, doch auch sie hatte Grenzen. Entweder kannte Sarah diese nicht, oder ihre Schwester hatte es darauf angelegt, dieselben heute zu übertreten.

Fünf Minuten später entschied Mia auch die zweite Wette für sich, und als sie sich diesmal in ihrem Stuhl satt zurücklehnte, schob sich ihr doch recht ordentlicher, praller Bauch kugelrund nach vorne. Ungeniert öffnete Mia den Mund und rülpste laut. Sarah warf ihr einen anerkennenden Blick zu, dann wandte sie sich wieder dem Rest ihrer eigenen, ehemals riesigen Portion zu. Entmutigt seufzte sie. Zwar war es nicht mehr sehr viel, und früher hätte sie das leicht geschafft. Heute aber war die Herausforderung beinahe zu groß für sie gewesen. Auch Sarah’s Bauch war mittlerweile mehr als nur gut gefüllt und wölbte sich prall aus ihrer geöffneten Hose. Selbst ihre dünne Speckschicht schien über dem vollen Magen zu spannen. Ausserdem hatte sie seit einigen Minuten mit einem unangenehmen Schluckauf zu kämpfen, der ihr warnend vor Augen hielt, dass ihr Bauch gerne auf noch mehr Nachschub verzichten würde. Sarah brauchte dementsprechend lange, bis sie endlich den letzten Bissen hinunterschlucken konnte.

"Puh…" meinte Sarah und schob einen leisen Rülpser hinterher, "das war wohl doch ein bisschen zu viel." Sie musste mit sich kämpfen, damit nicht alles wieder hoch kam. Ihr Magen drückte ziemlich, und sie begann, vorsichtig mit ihren Fingern ihren prallen Bauch zu massieren.

"Das habe ich dir ja gleich gesagt." antwortete Mia, die selbst noch ein wenig erschöpft von diesem Wettessen war. Im Gegensatz zu ihrer Schwester zahlte sich Mia’s Training aus, und sie fühlte sich trotz – oder wegen? – ihres überladenen Magens ziemlich gut. Mia warf ihrer Schwester einen prüfenden Blick zu, und sie war fast ein wenig schadenfroh, als sie erkannte, dass Sarah es offensichtlich übertrieben hatte. "Das war nun die Strafe für den Milchshake", dachte Mia.

Die beiden blieben noch einige Minuten sitzen, bis sich Sarah schließlich erholt hatte und als erste aufstand. Ihr kugeliger Bauch schob sich sogar jetzt im Stehen noch deutlich aus der geöffneten Jeans, und Mia musste kichern. Sarah schien es weniger lustig zu finden, denn sie machte nur ein mürrisches Gesicht und begann den Tisch abzudecken. Mia stand ebenfalls auf und half Sarah damit, und diesmal ließ Sarah sie sogar gewähren. Offenbar war ihr die Hilfe im Moment recht.

"Du solltest langsam wieder anfangen zu trainieren." schlug Mia vor, während sie das Geschirr in die Spüle stellte.

"Hmm ja. Und das am besten bald" meinte Sarah. Mia fragte sich, was Sarah damit meinte, aber sie stellte die Frage nicht. Statt dessen verließ sie die Küche und ging wieder zurück ins Wohnzimmer, wo sie sich in den Sessel fallen ließ. Dann schaltete sie den Fernseher ein, und wenige Minuten später kam auch Sarah nach. Sie hatte sich inzwischen etwas bequemere Klamotten – einen Jogginganzug – angezogen und setzte sich gegenüber ihrer Schwester auf die Couch.

Die nächsten beiden Stunden liessen Mia und Sarah sich mit dem Wochenendprogramm berieseln. Beide erholten sich langsam von dem Wettessen, und insbesondere Sarah schien es jetzt wieder deutlich besser zu gehen. Sie war vorhin doch recht blass gewesen, nachdem sie zum ersten Mal seit Wochen beim Essen wieder richtig zugelangt hatte. Aber auch Mia fühlte, wie ihr Magen die Unmengen an Reis fast verdaut hatte, und er schob sich jetzt auch wieder etwas weniger nach vorn als kurz nach dem Essen. Wobei das so nicht ganz stimmte: das Essen war nun zum Teil einfach weiter in den Verdauungstrakt gewandert, so dass ihr Bauch sich nun dafür unterhalb des Bauchnabels etwas mehr als üblich nach vorne wölbte. Mia kannte das mittlerweile und sie wusste, dass manche Leute dieses Spiel – essen, verdauen, weiter essen – so lange wiederholten, bis Magen und Verdauungstrakt bis zum Zerreissen gefüllt waren. Sie selbst hatte es bislang noch nie so weit getrieben, aber mit dem Abendessen, dass ihr ja noch bevorstand, würde sie bald wissen, wie sich das anfühlte. Aber daran wollte sie im Moment noch keine Gedanken verschwenden, denn sie war nach wie vor satt von dem reichhaltigen Mittagessen. Umso mehr besorgte es sie, als Sarah kurz vor drei Uhr aufstand, ihr verschwörerisch zulächelte und dann aus dem Wohnzimmer in die Küche verschwand. Als Sarah zurück kam, hielt sie in der einen Hand ein Glas Milch, in der anderen einen Teller, auf dem sich irgendwelches Gebäck zu befinden schien.

"Ich dachte, ich werde ab jetzt vor gewarnt?" fragte Mia vorwurfsvoll.

"Nur bei anstrengenden Snacks. Das ist jetzt wirklich nicht viel." antwortete Sarah. Sie stellte das Glas und den Teller ab, und jetzt erkannte Mia auch, was sie jetzt essen sollte – zwei etwas mehr als handgroße Erdbeertörtchen.

"Du bist wirklich gemein, weißt du das?" fragte Mia. "Du weißt doch genau, dass ich bei Erdbeeren nicht nein sagen kann."

"Eben." grinste Sarah. "Und darum war eine Warnung eh unnötig."

Mia widersprach ihrer Schwester nicht. Stattdessen nahm sie sich eines der Erdbeertörtchen und biss ab. Es schmeckte einfach traumhaft, genau wie erwartet. Für Erdbeeren, egal in welcher Form, hätte Mia sterben können. Obwohl sie eigentlich keinen Hunger hatte, fiel es ihr deswegen auch relativ leicht, erst das eine und dann das andere Erdbeertörtchen zu essen. Mia ließ sich aber – anders als noch beim Mittagswettessen – jetzt richtig lange Zeit, damit sie den Geschmack auskosten konnte. Ausserdem schien ihr Magen doch noch nicht ganz so leer zu sein, wie sie vorhin vermutet hatte. Nachdem beide Erdbeertörtchen gegessen waren, spülte Mia den Geschmack mit einem ordentlichen Schluck Milch hinunter. Dann stellte sie das Glas ab, lehnte sich im Sessel zurück und streichelte sanft mit der Hand über ihren Bauch. Ihr Magen fühlte sich jetzt wieder etwas voller an, und Mia musste erneut aufstoßen.

"Das sollte jetzt bis zum Abendessen halten." meinte Sarah. Mia nickte nur. "Und es wäre gut, wenn du bis dahin wieder Hunger hättest." Sie blinzelte ihrer Schwester zu.

"Was gibt es denn?" erkundigte sich Mia.

"Das wirst du schon sehen." antwortete Sarah. "Und dass du’s gleich weisst: Diesmal gibt’s kein Wettessen, also ruh’ dich jetzt besser aus." Nachdem Sarah ihre Warnung ausgesprochen hatte, ging sie in ihr Zimmer, wo sie für den Rest des Nachmittages auch blieb. Mia hingegen zappte noch ein wenig durch das TV-Programm, bis sie schließlich aufstand und sich auf die Couch legte. Mia streckte sich aus und machte es sich bequem, dann gähnte sie. Die Schlemmerei schaffte sie ganz schön, und nachdem sie ohnehin nichts zu tun hatte, konnte sie genauso gut ein Verdauungsschläfchen halten.

Es war bereits kurz vor sieben, als Mia wieder aufwachte. Sie konnte hören, wie Sarah in der Küche mit Geschirr herumhantierte. Offenbar war ihre Schwester gerade dabei, den Tisch zu decken. Sarah würde sie sicher gleich holen kommen. Eigentlich war Mia noch gar nicht hungrig. Das Mittagessen allein war gut genug für eine Tagesration gewesen, aber daneben hatte es ja auch noch ein nicht ganz kleines Frühstück sowie zwei weitere Snacks gegeben. Das Abendessen würde sicher nicht weniger üppig ausfallen, und wenn Mia ihre Schwester richtig einschätzte, so war das sogar noch zurückhaltend formuliert. Mia drehte sich zur Seite und stand auf, dann streckte sie sich. Dann ging sie in die Küche.

Als Mia den Raum betrat, nahm Sarah gerade das Backblech aus dem Ofen. Der Geruch von zerlaufener Tomatensauce stieg Mia in die Nase, und als Sarah sich umdrehte, da erkannte sie, dass er von der Pizza stammte.

"Huch, hast du mich erschreckt!" sagte Sarah. "Ich hab’ dich gar nicht kommen hören." Sie stellte das Blech in der Mitte des Tisches ab. "Du kannst dich schon mal setzen." wies sie ihre Schwester an, und Mia tat wie ihr geheissen.

Mia bemerkte, dass nur ein Teller aufgedeckt war. "Hast du keinen Hunger?" fragte sie.

"Ich? Nein, ich bin noch satt vom Mittagessen." erklärte Sarah. "Ausserdem ist das jetzt ganz alleine für dich."

"Die ganze Pizza?" fragte Mia ungläubig.

"Ja. Und dann noch…" sprach Sarah weiter und öffnete gleichzeitig den Kühlschrank, um etwas herauszunehmen, "diese kleine Nachspeise hier." Sie hielt eine recht große Schüssel in der Hand, in der sich gut ein Kilo Schokoladenpudding befinden musste. Sarah stellte sie ebenfalls auf dem Tisch ab.

"Das ist hoffentlich nicht dein Ernst, oder? Soviel kann ich nie im Leben essen." beschwerte Mia sich.

"Hörst du jetzt mal auf zu jammern?" entgegnete Sarah unbeeindruckt. "Den ganzen Tag höre ich nur "Das schaffe ich nicht…" und "Ich kann nicht mehr…" von dir. Schon vergessen, was der Wetteinsatz war? Dass ich dich einen Tag lang bekochen darf? Also hast du noch fünf Stunden, das hier alles zu essen."

Mia blickte besorgt auf das, was Sarah soeben als "das hier alles" bezeichnet hatte. Ein ganzes Blech Pizza und eine Schüssel Schokoladenpudding waren nach allem, was sie heute schon gegessen hatte, einfach zu viel. Trotzdem würde sie es zumindest versuchen, schon alleine, weil sie ihrer Schwester nicht die Schadenfreude gönnen wollte, dass sie hatte aufgeben müssen. Mia seufzte, dann bat sie ihre Schwester, die Pizza in Stücke zu zerteilen. Sarah schnitt die Pizza in insgesamt 16 etwa handgroße Stücke, dann reichte sie ihrer Schwester das erste.

Mia biss von dem Stück ab. Es war noch heiss, aber es schmeckte gut. Sarah hatte die Pizza gleichmäßig mit Pilzen und Schinken belegt und auch nicht an Käse gespart, der geschmolzen war und die Pizza jetzt mit einer dicken gelben Schicht überzog. Mia hatte das erste Stück ziemlich schnell gegessen, und sie ließ sich sogleich ihr zweites geben.

"Du kannst dir ruhig Zeit lassen." meinte Sarah, die ihr gegenüber saß. Sarah aß nichts, statt dessen saß sie einfach nur da und beobachtete ihre Schwester. "Schmeckt’s denn?"

"Ja, sehr gut." schmatzte Mia.

Nach dem zweiten Stück folgten drei weitere, ehe Mia das erste leichte Sättigungsgefühl spürte. Mia hatte gehofft, dass es etwas länger dauern würde, denn noch waren elf Stücke übrig und auch der Pudding wartete noch darauf, gegessen zu werden. Vielleicht half es, den Geschmack der Pizza mit einem Schluck Cola hinuter zuspülen, und Mia griff nach dem Glas und trank. In der Tat dankte ihr Gaumen ihr die kurze Abwechslung, und nachdem Mia leise gerülpst hatte, machte sie sich an das sechste Stück.

"Du bist echt gut in Form." meinte Sarah anerkennend, als Mia damit fertig war. Mia gab keine Antwort, statt dessen griff sie sogleich nach einem weiteren Stück Pizza. Auch dieses verschwand scheinbar mühelos in Mia’s Bauch. Erst, als auch das achte Stück schon fast ganz gegessen war, musste Mia ihre Geschwindigkeit verringern. Sie atmete einige Male schwer aus und ein, bevor sie sich zurücklehnte um ihren Magen mit einer Massage ein wenig zu entspannen. Er war mittlerweile wieder gut gefüllt und wölbte sich etwas mehr als noch zu Beginn nach vorne, und er drückte auch ziemlich wegen der nun schon gut halbstündigen Völlerei. So recht wollte die Massage aber nicht wirken. Sarah bemerkte es, und sie stand auf, ging zu ihrer Schwester und stellte sich hinter sie. Dann legte sie beide Arme um den Körper ihrer Schwester, um anschließend die Hände auf Mia’s Bauch zu legen. Sarah begann, mit ihren Handflächen über Mia’s gefüllten Magen zu streicheln, erst sanft, dann mit jedem Zug ein wenig stärker. Schließlich stöhnte Mia auf, als Sarah fast ein wenig zu fest drückte.

"Vorsichtig, oder willst du, dass alles wieder hoch kommt?" fragte sie.

"Keine Angst, ich weiß schon, was ich tu’." meinte Sarah nur und fuhr mit ihrer ungewöhnlichen Massagetechnik fort. Wenige Handgriffe später hatte Mia tatsächlich das Gefühl, dass das Völlegefühl etwas zurückgegangen war. Sarah setzte sich wieder, und Mia aß weiter.

In der Tat hatte Sarah’s Massage ihr gut getan. Zwar brauchte Mia recht lang für die nächsten beiden Pizzastücke, aber sie fühlte sich nicht mehr so pappsatt wie zuvor. Erst beim elften Stück meldete ihr Magen wieder Protest an, und als Mia den letzten Bissen davon hinunterschluckte, da riss sie erschrocken die Hand vor den Mund. Beinahe hatte sie sich verschluckt, und dann hätte sie sich wohl wirklich noch übergeben müssen. Erschöpft lehnte sie sich zurück. Ihr Magen schmerzte jetzt fast, und sie brauchte eine Pause. Sarah stand erneut auf und wiederholte ihre Massagetechnik von vorhin, diesmal aber war sie sehr viel vorsichtiger als beim ersten Mal.

"Wow, du bist echt schon ganz schon voll." meinte sie. "Bin mal gespannt, ob du alles schaffst…"

"Hab’ ich nicht schon genug gegessen?" fragte Mia vorsichtig und schob einen Rülpser hinterher.

Sarah schüttelte den Kopf. "Nein, heute gehst du mal bis zu deinem Limit. Ich weiß, dass du noch mehr schaffst. Und ausserdem: ich darf dich den ganzen…"

"…Tag lang bekochen." vollendete Mia den Satz ihrer Schwester. "Weiß ich. Aber ich glaube nicht, dass ich noch viel schaffe."

"Keine Angst. Es ist ja erst neun. Du hast also noch drei Stunden für die restliche Pizza und die Nachspeise." wischte Sarah Mias Bedenken beiseite.

Ganz überzeugt hatte Sarah ihre Schwester nicht, aber nach ein paar Minuten war das ärgste Völlegefühl verflogen und Mia aß langsam weiter. Das Kauen fiel ihr immer schwerer, und sie brauchte immer längere Pausen zwischen den einzelnen Stücken. Ihr Magen gurgelte jetzt hin und wieder bedrohlich, und ein paar Mal stand Mia kurz davor, aufzugeben und auf die Toilette zu laufen. Kurz vor zehn Uhr aber verschwand tatsächlich der letzte Bissen der Pizza in Mia’s Mund. Als sie sich pappsatt und erschöpft zurücklehnte, wölbte sich ihr aufgeblähter Bauch prall nach vorne. Mia war ziemlich heiss geworden von dem anstrengenden Gelage, und auf ihrer Stirn hatten sich feine Schweißperlen gebildet. Sie wischte vorsichtig mit ihrem Handrücken über die Stirn.

"Oh… mein… Gott…" meinte Mia schwach, und sie musste erneut rülpsen. "Ich glaube, ich platze gleich…" stöhnte sie.

Sarah kicherte. "Du siehst auch fast so aus." Sie stand auf und ging um den Tisch herum, so dass sie drei Schritte entfernt von Mia stand. Dann musterte sie ihre Schwester von oben bis unten. "Wow. Du müsstest dich mal sehen."

"Ja? Wie sieht’s denn aus?" fragte Mia.

"Warte, ich helf’ dir hoch, dann kannst du dich in deinem Spiegel ansehen gehen." meinte Sarah und trat an ihre Schwester heran. Sie reichte ihr die Hand und wollte sie hochziehen, doch Mia hob abwehrend die Hand. "Lass mich noch ein paar Minuten ausruhen…"

"Ok, dann räume ich derweil den Tisch ab und spül’ das Geschirr." sagte Sarah und machte sich sogleich an die Arbeit. Als sie damit fertig war, hatte Mia sich soweit erholt, dass Sarah ihr hoch helfen und sie in ihr Zimmer führen konnte. Dort angekommen stellte Mia sich vor ihren Spiegel – und musste ebenfalls kichern.

"Du hast recht, ich seh’ wirklich aus, als würde ich gleich platzen. Oder ein Kind bekommen."

Jetzt, da sie so vor dem Spiegel stand, fiel ihr kugeliger Bauch noch mehr auf als zuvor in der Küche. Direkt unter ihren Brüsten begann ihr Magen sich prall nach vorne zu schieben, und ihre sonst so flache Körpermitte wölbte sich in Form einer Halkugel bis weit unter ihren Bauchnabel nach vorn. Es fiel Mia gar nicht so leicht, vor dem Spiegel zu posieren, da der überfüllte Magen sie ziemlich in ihrer Bewegungsfreiheit einschränkte. Schnelle Bewegungen waren nahezu unmöglich, und wenn sie sich vornüber beugte, dann spürte sie schlagartig ein Pochen in ihrem vollgestopften Bauch und musste sich wieder aufrichten, um den Druck davon zu nehmen. Allmählich verstand Mia auch, warum Sarah ihr schon heute Morgen befohlen hatte, nur einen Bikini zu tragen: keines ihrer Kleidungsstücke hätte ihr jetzt noch gepasst, da bestand kein Zweifel. Ganz davon abgesehen, dass Sarah offenbar selbst gerne sah, wie Mia sich überfraß und welche Folgen das hatte.

"Was meinst du, wie der nach dem Dessert aussieht?" fragte sie in Richtung ihrer Schwester.

Sarah’s Augen blitzten auf. "Heisst das, du willst weitermachen?"

"Ja. Und wenn ich platze, aber ich will jetzt wissen, wie viel da noch reingeht." Während Mia das sagte, strich sie mit ihrer Hand vorsichtig über ihren Bauch.

"Ok, dann lass uns anfangen. Zwei Stunden sind noch übrig, mal sehen, ob du das schaffst." drängte Sarah.

Die beiden gingen zurück in die Küche, wo Mia sich zurück in ihren Stuhl fallen ließ. Sarah nahm den Schokoladenpudding wieder aus dem Kühlschrank, wo sie ihn zwischenzeitlich noch mal zum Kühlen abgestellt hatte, und stellte ihn ihrer Schwester hin. Dann reichte sie ihr einen Löffel.

"Na dann los. Nur damit du’s weißt: wenn du den Pudding ganz schaffst, dann hast du mehr gegessen, als ich bisher jemals geschafft habe." erklärte Sarah.

Daher wehte also der Wind. Ihre Schwester wollte einfach sehen, ob Mia mittlerweile schon mehr verdrücken konnte, als Sarah selbst zu ihrer besten Zeit geschafft hatte. Jetzt war Mia auch klar, warum Sarah so darauf gedrängt hatte, dass sie bis zum Schluss durchhalten solle. Der Gedanke daran, dass sie ihre Schwester in ihrer eigenen Disziplin übertrumpfen würde können, gab Mia nur einen weiteren Grund, auch noch diese Schüssel Pudding bis zum letzten Happs in sich hinein zuschaufeln.

"Also gut, packen wir’s an." sprach sie sich selbst Mut zu, und dann fuhr sie fort mit der letzten Runde ihrer Völlerei.

In den nächsten beiden Stunden schaufelte Mia unermüdlich die süße Masse in sich hinein. Sie konnte es selbst kaum glauben, doch irgendwie fand sie immer wieder die Kraft, den Löffel ein weiteres Mal zur Schüssel und von dort in ihren Mund zu führen. Ein paar mal stand sie kurz davor, sich zu übergeben, und sie musste dann jedes Mal eine kurze Pause einlegen. Nicht zuletzt durch die Hilfe ihrer Schwester, die ihr immer wieder den Bauch massierte und gut zuredete, schaffte sie am Ende aber tatsächlich auch noch den Pudding. Ihr Magen hatte sich schon lange zuvor nur noch voll angefühlt und Mia hatte sich sogar an die Bauchschmerzen, die irgendwann gekommen waren, gewöhnt. Jetzt saß sie völlig erschöpft in ihrem Stuhl und atmete schwer, und nur das Gurgeln aus ihrem Bauch, das mit der Zeit immer lauter geworden war, unterbrach das Schweigen zwischen ihr und Sarah. Sarah selbst hatte ihren Stuhl hinter den von Mia gezogen und saß darauf. Sie hatte wieder ihre Arme um ihre Schwester gelegt und massierte vorsichtig Mia’s aufgeblähten Wanst.

"Weißt du, das hätte ich dir ehrlich gesagt nicht zugetraut…" gestand Sarah nach einer Weile. Noch immer versuchte sie, das unangenehme Völlegefühl aus Mia’s Bauch zu streicheln. "Ich glaube, ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so überfressen hat. Eigentlich hätten wir das filmen sollen. Oder zumindest Photos machen."

"Tja, da hättest du vorher dran denken sollen…" meinte Mia schwach. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, so erschöpft war sie.

"Beim nächsten Mal wissen wir’s." kicherte Sarah.

"Beim nächsten Mal? Beim nächsten Mal bist du diejenige, die den ganzen Tag futtern muss." entgegnete Mia.

* * *

Es war schon fast eine Stunde nach Mitternacht, als Mia sich endlich vom Stuhl erheben konnte und in ihr Zimmer watschelte. So voll wie heute hatte sie sich in ihrem ganzen Leben noch nicht gefühlt. Ihr Kiefer schien taub zu sein, und ein Blick in den Wandspiegel ließ keinen Zweifel aufkommen, warum dem so war. Schon vorher hätte ihr Bauch als der einer Schwangeren durchgehen können, jetzt aber sprengte er alles, was Mia sich jemals hätte vorstellen können. Noch gestern Abend hatte sie in den Spiegel geblickt und sich ein paar Rundungen mehr gewünscht. Sie versuchte angestrengt, sich gerade hinzustellen, damit sie sich selbst im Profil betrachten würde können, doch es gelang ihr nicht. Der prall gefüllte Bauch wehrte sich standhaft, und schließlich gab Mia den Versuch auf. Völlig erschöpft fiel sie in ihr Bett, und sie wollte nur noch schlafen. Das Einschlafen fiel ihr jedoch gar nicht so leicht: noch immer drückte ihr Magen ziemlich, und sie musste sich mehrmals hin- und her wälzen, ehe sie endlich eine bequeme Position fand. Irgendwann schließlich schlief Mia ein.

Am Sonntag tat Mia kaum mehr als sich den ganzen Tag von der Völlerei des Vortages zu erholen. Anders als sonst hatte sie diesmal keinen Hunger danach, was aber auch kein Wunder war. Gestern hatte sie für drei gegessen, und sie hatte danach nicht das Gefühl gehabt, jemals überhaupt wieder etwas essen zu können.

Allerdings – und das wusste Mia auch – wenn sie wirklich dauerhaft Rundungen haben wollte, so würde sie nicht drum herum kommen, in Zukunft noch öfter solche Gelage abzuhalten als bisher. Zwar nicht ganz in diesem Ausmaß, aber bislang hatten sich ihre Erfolge in Grenzen gehalten. Vielleicht würde sich das mit den in weniger als zwei Wochen anstehenden Semesterferien aber ohnehin von selbst erledigen. Marc stand ein dreimonatiges Auslandspraktikum bevor, was auch bedeutete, dass Mia in den nächsten drei Monaten kein Fitnesscenter von innen sehen würde. Zwar hatte Mia ihre Schwester nach wie vor nicht in ihren Entschluss eingeweiht, dicker zu werden, aber Mia war sich sicher, dass Sarah ihr auch so tatkräftig zu Hilfe kommen würde.

Umso erstaunter war Mia dann, als Sarah am ersten Samstag der Semesterferien, für den sie eigentlich eine gemeinsame Photosession geplant hatten, plötzlich absagte und gegen Mittag aus der Wohnung verschwand. Bis zuletzt hatte sie Mia nicht sagen wollen, wo sie hin ging, und nur gemeint, dass sie eventuell ziemlich spät nach Hause kommen würde. Und obwohl Sarah ziemlich freudig gewirkt hatte, war Mia auch nicht die Nervosität ihrer Schwester entgangen. Irgendwas hatte Sarah vor. Nur was? Darüber wollte sich Mia im Moment keine weiteren Gedanken machen. Heute war der erste Tag ihres Dreimonats-Projekts. Mia blickte auf die Uhr.

"Zeit, etwas zu kochen," dachte sie, dann ging sie in die Küche.

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