kinjiro – Mia & Sarah – 4 – Die Diät

Es war zwanzig vor acht am Samstagabend. Mia und Karin saßen rechts von der Theke an einem kleinen Tisch, an dem noch Platz für zwei weitere Personen war. Von hier aus konnten sie den Eingang gut beobachten. Im Hintergrund spielte leise italienische Musik, und während die beiden jungen Frauen warteten, unterhielten sie sich.

Karin hatte Mia gestern Abend angerufen und ihr "unbedingt etwas erzählen müssen". Und wie überrascht war Mia gewesen, als sie hörte, um was es ging. Karin hatte gemeint, dass ein "ziemlich gut aussehender Typ von der Uni" sich nach ihr erkundigt hatte und sie kennen lernen wollte. Karin hatte die Gelegenheit sofort ausgenutzt und sich seine Nummer geben lassen, um anschließend ein Treffen zu arrangieren. Das war reichlich ungewöhnlich, denn bislang hatte Karin sich mit ihren Verkuppelungsspielchen von Mia ferngehalten. Zwischen den beiden gab es eine unausgesprochene Abmachung, dass das auch so bleiben sollte. Zwar war Mia jetzt schon fast ein Jahr lang Single und sehnte sich wieder nach einer Beziehung, aber sie kam sich komisch dabei vor, verkuppelt zu werden – selbst wenn es eigentlich ganz normal gewesen wäre. dass Karin nun aber ihre Abmachung missachtet hatte, konnte nur zwei Dinge bedeuten: entweder hatte der Typ sich nicht abwimmeln lassen – oder er war wirklich interessant.

Mia blickte ungeduldig auf die Uhr. Sie wusste zwar, dass ihr Blinddate keinesfalls vor acht Uhr auftauchen würde, aber das war es auch nicht, was sie ungeduldig werden ließ. Mia hatte Hunger. Nach dem gestrigen Abend war sie ziemlich überfressen ins Bett gegangen und hatte einen recht ausgiebigen Verdauungsschlaf gehalten. Sie war heute erst am späten Nachmittag aufgestanden und hatte nur wenig gegessen. Hauptsächlich, weil die Waage nach dem gestrigen Fressgelage fast ein Kilo mehr anzeigte. Natürlich wusste Mia, dass sie keine Kurven haben würde, wenn sie nicht zunahm, aber deswegen brauchte sie es ja nicht zu übertreiben. Ein Kilo mehr von einem Tag auf den anderen, das war etwas das sie so nicht kannte, weil sie bisher eigentlich immer versucht hatte, es zu vermeiden. Mia hatte sich daher entschlossen, es heute etwas leichter anzugehen. Langsam kam man schließlich auch ans Ziel. Ihre Schwester hatte zwar gemeint, dass Mia nach dem Gelage erst so richtig Hunger haben würde, doch Mia konnte sich nicht vorstellen, wie das gehen sollte. Sarah hatte nur gegrinst und irgendetwas wie "Du wirst schon sehen…" gemurmelt und war dann wieder in ihrem Zimmer verschwunden. Offenbar war ihre Schwester ihr noch um einiges voraus, denn sie hatte auch hiermit Recht gehabt. Im Moment fühlte sich Mia so hungrig, als hätte sie seit Tagen nichts gegessen, und ihr Magen knurrte hörbar. Sogar Karin bemerkte es und scherzte darüber.

Kurz vor acht schließlich stieß Karin Mia an und deutete in Richtung der Eingangstür. Zwei junge Männer traten ein, und Karin gab Mia zu verstehen, dass der Rechte von beiden derjenige war, der sich nach ihr erkundigt hatte. Der andere war Karins eigenes Blinddate. Karin hob die Hand und winkte ihnen zu. Die beiden erblickten die Mädchen an ihrem Tisch und nickten ihnen kurz zu. Während sie näher kamen, musterte Mia ihr Blinddate. Er war etwa 1,85 groß, schlank und wirkte ziemlich sportlich. Die enge Jeans und das elegante Hemd betonten seinen V-förmigen Körper noch mehr. Sein dunkelblondes Haar war modisch kurz geschnitten und frisiert, so dass es perfekt zu seinem kantigen Gesicht passte. Karin hatte nicht gelogen, der Typ war gut aussehend. Er stellte sich als Marc vor, sein Begleiter als Julian. Nachdem sich die vier bekannt gemacht hatten konnte der Abend beginnen.

Zu Mia’s großer Erleichterung wollten auch Marc und Julian nicht nur etwas trinken. Statt dessen luden sie die beiden Mädchen zum Essen ein. Das wäre zwar eigentlich nicht nötig gewesen, denn Mia und Karin hätten problemlos selbst für sich zahlen können, aber natürlich schlugen sie das Angebot nicht aus. Während Karin sich wie üblich mit einem großen, gemischten Salat begnügte, bestellte Mia sich eine normal große Salamipizza. Normalerweise aß auch sie selten mehr als einen Salat, doch heute würde ihr der sicher nicht reichen. Karin warf Mia einen etwas verwunderten Blick zu, sagte aber nichts. Julian und Marc bestellten sich ebenfalls jeweils eine Pizza, im Gegensatz zu Mia bestanden sie aber auf die größere Variante.

Bis das Essen gebracht wurde, begannen die vier sich kennen zulernen. Mia fand Marc recht sympathisch. Er hatte eine offene Art und schaffte es schnell, Mia mit seiner sonoren Stimme in seinen Bann zu ziehen. Aber auch Marc schien Gefallen an Mia zu finden, und so war es kein Wunder, dass die beiden bereits so ins Gespräch vertieft waren, dass sie beinahe erschraken, als der Kellner kurze Zeit später die Pizzen brachte. Karin hatte mit Julian nicht ganz so viel Glück, wie es schien. Deren Gespräch verlief eher stockend, und Mia merkte Karin an, dass sie ganz froh war, als ihr Salat gebracht wurde.

Die vier begannen zu essen und unterhielten sich derweil darüber, was man an diesem Abend noch unternehmen könnte. Julian schlug vor, später ins Kino zu gehen. Karin war damit einverstanden, was wohl hauptsächlich daran lag, dass sie nicht wirklich einen Draht zu Julian fand. Die beiden hatten offensichtlich zu unterschiedliche Interessen, und im Kino würden sie sich nicht unterhalten müssen. Nach dem Film könnten sie sich dann ohne große Peinlichkeiten verabschieden. Mia selbst hatte keine Lust auf Kino, und auch Marc schien hiervon wenig begeistert zu sein. Er meinte, er würde lieber in eine Tanzbar gehen, und auch Mia fand die Idee nicht schlecht. Nach dem Essen würde also jedes der Blinddates einen anderen Verlauf nehmen.

Die Pizzen hier schmeckten wirklich hervorragend. Eigentlich eine Schande, dass Mia bisher noch nie eine bestellt hatte. Man verzichtete wirklich auf vieles, nur um irgendwelchen Trends entsprechen zu können. Doch damit war jetzt Schluss. Mia schnitt sich erneut ein Stück von ihrer Pizza herunter. Sie hatte bereits ein wenig mehr als die Hälfte davon verzehrt und gar nicht gemerkt, wie hastig sie gegessen hatte. Julian und Marc hatten je erst ein knappes Drittel ihrer Pizzen gegessen, und Karin stocherte mehr oder weniger lustlos in ihrem Salat herum. Normalerweise aß Mia nicht so schnell, doch sie war einfach zu hungrig gewesen. Als sie wenige Minuten später fertig war, hatte sie ehrlich gesagt immer noch Hunger. Sarah hatte wirklich Recht gehabt: die Fressorgie gestern schien nur der Anfang gewesen zu sein. Mia überlegte, ob sie sich später wohl noch einen Nachtisch bestellen konnte. Sie wollte ja keinen schlechten Eindruck auf die anderen machen.

"Möchtest du noch ein Stück von mir?" fragte Marc und riss Mia damit aus ihren Gedanken. "Ich glaube ich schaffe die nicht ganz." Marc hatte erst knapp die Hälfte seiner Pizza gegessen, auch Julian hatte ihn schon überholt.

"Gern. Wenn’s dir nichts ausmacht." Mia lächelte und hielt Marc ihren Teller hin. Der schnitt seine Pizza in zwei gleich große Hälften und legte eine davon auf Mia’s Teller. Karin schaute ihre Freundin verwundert an, sagte aber auch jetzt nichts.

Mia machte sich daran, auch dieses Stück noch zu essen. Es war etwa halb so groß wie ihre erste Pizza gewesen war, und dennoch schaffte sie es mühelos. Und obwohl sie danach eigentlich hätte pappsatt sein müssen, war Mia beinahe enttäuscht, als sie den letzten Bissen verzehrt hatte. Sie war zwar nicht mehr wirklich hungrig, aber irgendwie wusste Mia, dass sie leicht noch etwas geschafft hätte. Natürlich ließ sie sich das nicht anmerken, aber Mia beschloss, ihre Schwester zu fragen, woran dieser Bärenhunger lag. Sicher würde Sarah auch hierauf eine Antwort haben.

"Du kannst ganz schön essen." meinte Marc anerkennend, als er wenig später selbst fertig war. Er schien so satt zu sein, wie Mia eigentlich hätte sein sollen. Trotzdem scherzte Marc: "Noch jemand Nachtisch?"

Julian und Karin verneinten dankend. Mia hingegen überlegte kurz. "Irgendetwas Süßes zum Schluss wäre vielleicht ganz nett…" meinte sie schließlich und merkte, dass sie den Gedanken laut ausgesprochen hatte. Karin drehte ihren Kopf zu Mia und warf ihr einen seltsamen – vorwurfsvollen? – Blick zu. Marc hingegen lachte kurz, dann sagte er: "Und an was hast du gedacht?"

* * *

Marc und Mia standen in der U-Bahn Station und warteten auf den nächsten Zug. Vor wenigen Minuten hatten sie das Restaurant verlassen und sich von Karin und Julian getrennt, natürlich nicht, ohne vorher die Rechnung zu begleichen. Dank Mia’s tatkräftiger Mithilfe war diese ein wenig höher als erwartet ausgefallen, doch Marc und Julian zahlten anstandslos. Karin hingegen hatte Mia zuvor einen schmerzhaften Fußtritt unter dem Tisch verpasst, als Mia sich tatsächlich noch eine Portion Mousse au Chocolat bestellt hatte. Vielleicht hatte Mia es wirklich übertrieben, aber wenigstens war sie jetzt satt.

"Möchtest du immer noch tanzen gehen?" fragte Marc, der gerade zwei Tickets löste.

"Aber klar, warum denn nicht." antwortete Mia.

"Naja, ich dachte, vielleicht hast du… so kurz nach dem Essen gar keine Lust dazu."

Mia wusste, wie Marc das meinte. Er hatte es nur sehr zurückhaltend formuliert, ganz Gentleman-like eben. Er hatte auch gar nicht mal so Unrecht, denn Mia’s Bauch war im Moment noch zu voll als dass sie sich jetzt sportlich betätigen wollte. Aber sie würden eine gute Viertelstunde mit der U-Bahn fahren müssen und noch etwa fünf Minuten Fußweg bewältigen müssen, bevor sie an der von Marc vorgeschlagenen Tanzbar ankommen würden. Bis dahin würde sie sich soweit ausgeruht haben, dass sie noch ein paar lustige Stunden dort verbringen könnten.

"Schön." freute sich Marc. "Wäre auch irgendwie blöd gewesen, wenn wir auch ins Kino hätten gehen müssen." Marc blinzelte Mia zu. Auch ihm war nicht entgangen, dass Julian und Karin wohl nicht zusammenpassten.

"Nein," lachte Mia, "das müssen wir nicht. Tanzen ist absolut ok."

Die U-Bahn kam, und etwas mehr als zwanzig Minuten später betraten Mia und Marc die Tanzbar. Sie hieß "El Araia" und war im orientalischen Stil gehalten. Trotz der relativ frühen Stunde war es bereits ziemlich voll. Dennoch fanden Mia und Marc einen freien Platz an der Theke, wo sie sich zunächst einen Drink genehmigten, bevor sie sich etwas später auf die Tanzfläche begaben. Es zeigte sich, dass Marc ein wirklich hervorragender Tänzer war, und so hatten die beiden viel Spaß. Der Abend entwickelte sich viel besser, als Mia erwartet hatte, und es war schon fast halb sechs am nächsten Morgen, als Marc und Mia an der Haltestelle unweit Mia’s Wohnung aus dem Bus stiegen. Marc begleitete Mia bis zur Tür, wo sich die beiden verabschiedeten – nicht jedoch, ohne die Telefonnummern getauscht zu haben.

* * *

Das Sonnenlicht schien durch die nur halb geschlossenen Jalousien. Mia kniff die Augen zusammen und blickte auf die Digitalanzeige ihres Weckers. 12:34 Uhr. Sie hatte nicht gut geschlafen, aber wenn sie nicht den ganzen Sonntag verpassen wollte, dann musste sie jetzt wohl oder übel aufstehen. Mia trottete langsam Richtung Badezimmer und rieb sich müde die Augen. Sie wusch sich und zog sich an, dann ging sie in die Küche. Sarah saß am Küchentisch und aß eine Nudelsuppe.

"Na, du Langschläferin? Auch schon wach?" begrüsste sie Mia.

"Ja, ist spät geworden gestern." meinte Mia und ging an den Herd. Es war noch ein wenig Nudelsuppe im Topf. "Kann ich mir da was nehmen?" fragte Mia.

"Klar." antwortete Sarah knapp.

Mia nahm sich einen Teller und füllte ihn, dann setzte sie sich zu Sarah an den Tisch und begann zu essen.

"Und? Wie war’s dann gestern?" fragte Sarah.

Mia erzählte ihrer Schwester von Marc, dem Essen im Restaurant und dem anschließenden Tanzabend. Sarah hörte interessiert zu, und nachdem Mia fertig war, meinte Sarah: "Klingt ja fast so als wär der Typ ein Traummann. Sieht gut aus, tanzt, lädt dich zum Essen ein – was will man mehr?"

"Ja, und er hat nicht mal was gesagt, als ich noch eine Nachspeise wollte."

"Nachspeise?" horchte Sarah auf.

"Ja. Das heisst, nachdem er mir seine halbe Pizza abgegeben hatte."

Sarah grinste von einem Ohr zum anderen. "Damit ich das richtig verstehe: du hast erst deine eigene Pizza gegessen, dann seine halbe und dann auch noch eine Nachspeise?"

"Ja." gab Mia etwas verlegen zu. "Aber es war nicht wirklich eine ganze Halbe…"

Sarah schüttelte ungläubig den Kopf und kicherte: "Du traust dich ganz schön was, sich gleich beim ersten Date so voll zufressen – das würde nicht mal ich machen!"

"Das Komische ist: ich war wirklich hungrig gestern. Ich hätte sogar noch mehr essen können." murmelte Mia.

"Das hab’ ich dir ja gesagt. Ist bei mir auch immer so, immer nach einem Fressgelage."

"Und wie kommt das?" fragte Mia neugierig.

"Naja, wenn man soviel gegessen hat, dann ist der Magen überdehnt. Normalerweise verdaut man aber das Essen, bevor der Magen sich wieder… entdehnt. Das heisst, dein Magen ist dann groß und leer." Sarah grinste. "Das dauert ein, zwei Tage, dann ist’s wieder normal und man hat auch nicht mehr soviel Hunger."

"Und dagegen kann man nichts machen?" fragte Mia weiter.

"Was willst du denn dagegen machen? So ist es halt." meinte Sarah. "Oder hast du Angst, dass du zunimmst?"

Ihre Schwester wusste ja noch nichts von Mia’s Entschluss, aber wenn Sarah’s Erklärung zu traf, dann würden die beiden Tage nach einem stuffing mehr Folgen hinterlassen als das Fressgelage selbst. Natürlich hätte Mia nichts dagegen, wenn sie ein paar Rundungen bekäme. Aber sie hielt es für besser, wenn das langsam passierte. Mia musste sich erst einmal an den Gedanken gewöhnen, nicht mehr dauernd Diät zu halten. Das war schon ungewohnt genug. Ganz abgesehen davon war es sicher nicht gesund, wenn man zu schnell zunahm.

"Weisst du," antwortete Mia schließlich, "für mich ist das noch alles neu. Da muss ich mich erstmal dran gewöhnen."

Sarah nickte. Sie hatte ihren Teller leer gelöffelt und schob ihn von sich, dann lehnte sie sich zurück. "Das war bei mir so ähnlich, und jetzt schau mich an." Während sie es sagte, klatschte sie sich mit der flachen Hand auf ihren Bauch. "Glaub mir, man gewöhnt sich schnell dran." kicherte sie.

Es war erstaunlich, wie gelassen Sarah das Ganze sah. Mia erinnerte sich, dass Sarah mal gemeint hatte, es würde ihr nichts ausmachen, wenn sie zunehmen würde. Damit hatte sie offenbar nicht gelogen. Sie fühlte sich sichtlich wohl mit ihren Pfunden. Wieder einmal ertappte Mia sich dabei, wie sie ihre Schwester diesbezüglich beneidete. Ihre kleine Schwester gab überhaupt nichts auf den Schlankheitswahn, der unentwegt durch die Medien geisterte. Vielmehr hatte sie genug Selbstbewusstsein, als dass sie Mia womöglich noch ein Stückchen davon hätte abgeben können.

"Hast du heute schon was vor?" fragte Sarah unvermittelt.

"Nein, eigentlich nicht."

"Dann kannst du mir ja heute Nachmittag helfen – ich hab’ auch schon eine ganz tolle Idee…"

"Du willst jetzt dann ein Fressgelage abhalten?" unterbrach Mia ihre Schwester, ehe diese ihre Idee erklären konnte.

"Ja. Warum denn nicht?" meinte Sarah unschuldig.

"Na weil schon gleich Nachmittag ist und du eben erst gegessen hast." antwortete Mia.

"Ach, das bisschen Suppe war doch kein Essen. Also, ich hab’ mir gedacht, ich zieh’ heute mal ein paar alte Klamotten an und dann futtere ich mich aus denen raus. Was meinst du?"

Mia blickte ihre Schwester ungläubig an. Die grinste von einem Ohr zum anderen. Sarah hatte wirklich seltsame Ideen. Mia musste allerdings zugeben, dass diese wirklich Spaß machen könnte. Allerdings bezweifelte Mia, dass Sarah sich noch in ihre alten Klamotten passte.

"Na gut. Und wann willst du anfangen?" willigte Mia ein.

"Ich muss mich noch umziehen, und dann kann’s auch schon fast losgehen."

"Fast?"

"Ja, ich muss ja noch was kochen. Ich dachte an Pfannkuchen, wenn du magst, dann kannst du schon mal den Teig dafür anrühren."

"Gut." antwortete Mia. Pfannkuchen waren eines der wenigen Gerichte, das Mia wirklich gut zustande brachte. Sarah wusste das, genauso wie Mia wusste, dass Sarah Pfannkuchen liebte.

Sarah stand auf und deckte noch schnell den Tisch ab, bevor sie aus der Küche in ihr Zimmer verschwand. Auch Mia stand auf und suchte die einzelnen Zutaten zusammen. Wie viel würde sie brauchen? Normalerweise – also wenn Sarah keine Fressorgie abhielt – dann aß sie drei Pfannkuchen. Da sie bereits eine Nudelsuppe gegessen hatte, würde sie wohl nicht so hungrig sein. Ausserdem waren Pfannkuchen recht sättigend, und wenn Sarah Milch dazu trinken würde… mehr als 12 Stück würde sie keinesfalls schaffen. Mia rechnete die Mengen im Kopf durch und machte sich daran, alles zusammen zumischen.

* * *

Sarah stand vor ihrem Schrank, die Schranktüren waren geöffnet. Wo hatte sie die Sachen nur hin getan? Ziellos wühlte sie sich durch ihr Sortiment, doch die helle Jeans, nach der sie suchte, schien sich vor ihr zu verstecken. Es war beinahe, als wüsste die Hose, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Die weiße, kurzärmelige Bluse hatte sie doch auch gleich gefunden. Wo war nur diese verdammte Jeans? Sarah trat einen Schritt zurück und stemmte die Arme in die Hüften. Dann blickte sie auf ihr Bett, auf dem der Minirock lag, den sie vor wenigen Augenblicken enttäuscht dort abgelegt hatte. Eigentlich hatte sie den tragen wollen, doch er schien irgendwie… eingelaufen zu sein. So sehr sie sich auch bemühte, sie bekam ihn einfach nicht über ihren Po. Dabei hatte sie doch gar nicht so viel zugenommen, seitdem sie ihn zuletzt getragen hatte. Sie trat ans Bett und griff nach dem Rock. "Einmal noch," dachte Sarah. Erneut stieg sie in den Rock und versuchte, ihn nach oben zu ziehen. Sie zog ihren Bauch ein und hielt die Luft an, dann legte sie sich auf’s Bett und zog mit aller Kraft. Ganz langsam schob der Rock sich nach oben. "Nur noch… die Knöpfe… schließen…" dachte Sarah und machte sich an die Aufgabe. Sie musste sich unglaublich anstrengen, und sie merkte, wie sich kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn bildeten. "Ha! Geschafft!" freute Sarah sich, als sie tatsächlich Erfolg hatte. Die Freude währte jedoch nicht lange, denn der Rock schnürte sie derart ein, dass sie kaum atmen konnte. Und als sie sich aufsetzen wollte, platzten die beiden obersten Knöpfe einfach ab, und ihr Bauchspeck schob sich frech nach vorne. Wütend stand Sarah auf. "So ein verdammter Mist…" ärgerte sie sich. "Ich kann doch gar nicht so viel zugenommen haben…"

Sarah blickte kritisch in den großen Spiegel, der rechts neben der Zimmertür an der Wand angebracht war. Darin sah sie ein ziemlich rundliches Mädchen, das sich verzweifelt in einen viel zu engen Rock hatte quetschen wollen. Sie wusste ja selbst, dass sie ein wenig dicker geworden war, und eigentlich machte ihr das auch nichts aus. Nein, sie mochte den Speck, er fühlte sich wunderbar weich an. Aber dass sie partout nicht mehr in ihre alten Sachen zu passen schien, das war doch etwas mehr, als sie erwartet hatte. Immerhin hieß das, dass sie vor wenigen Monaten bedeutend weniger… umfangreich gewesen war. Dabei war sie eigentlich gar nicht so dick – zwar weit entfernt von Modelmaßen, aber doch noch in einem akzeptablen Rahmen. Allerdings würde sie in der nächsten Zeit etwas mehr auf ihr Gewicht achten müssen, andernfalls könnte sich das schnell ändern. Die zusätzlichen Pfunde machten sich jetzt schon recht häufig bemerkbar, und leider nicht nur positiv. Sarah war nie eine große Sportlerin gewesen, doch in letzter Zeit war sie schon ausser Atem, wenn sie die Treppen zu ihrer Wohnung hinaufgestiegen war. Vielleicht… ja, vielleicht musste sie einfach mal eine kleine Pause einlegen. Diät halten. Missmutig verzog Sarah ihr Gesicht. Allein der Gedanke an eine Diät war demotivierend. Für’s erste würde sie sich einfach mit ihren Fressorgien zurückhalten. Seit gut zwei Monaten hatte sie jeden zweiten Tag eine solche abgehalten, da war es ja kein Wunder, dass sie so aus dem Leim ging.

Sarah zog den Rock ganz aus und legte ihn auf den Stuhl am Schreibtisch. Über dessen Rückenlehne hing die helle Jeans. Offenbar hatte Sarah sie vorhin mit aus dem Schrank genommen und nach dem Schreck mit dem Minirock völlig vergessen, wo sie die Jeans hingelegt hatte. "Mal sehen, ob du mir noch passt…" dachte Sarah und griff sich die Hose. Sarah schlüpfte mehr oder weniger problemlos in die Jeans und zog den Reissverschluss nach oben. Sie konnte sogar den Knopf schließen. Wirklich bequem saß die Jeans nicht, aber sie passte. Sarah setzte sich vorsichtig auf die Bettkante, was ihren Bauchspeck sofort dazu nötigte, sich ringsherum über den Hosenbund zu schieben. Lange würde die Jeans das nicht aushalten, insbesondere, wenn Sarah in wenigen Minuten zur Tat schreiten würde.

Sarah stand wieder auf und zog rasch die Bluse an, dann ging sie zurück in die Küche.

* * *

Mia gab gerade ein wenig Teig in die Pfanne, als sie hinter sich Schritte hörte. Sie drehte sich um – und begann zu grinsen, als sie ihre Schwester sah. Sarah hatte sich in eine viel zu eng sitzende Jeans gequetscht und auch die Bluse hätte ein wenig weiter sein dürfen. Rings um den Bund der Jeans schob sich ein kleines Speckröllchen, und die Knöpfe der Bluse hatten Mühe, sie zusammen zuhalten. Nein, diese Klamotten passten Sarah definitiv nicht mehr.

"Wo warst du denn so lange? Ich hab schon fast alle Pfannkuchen fertig." erklärte Mia.

"Ich hab die Jeans nicht finden können." Sarah verschwieg das Malheur mit dem Minirock.

"Du warst fast zwanzig Minuten weg… du solltest wirklich etwas mehr Ordnung halten." meinte Mia.

"Ja ja, ich weiß." murmelte Sarah. "Wie lange dauert’s denn noch?"

"Ein paar Minuten. Du kannst ja schon mal den Tisch decken." Mia wendete den Pfannkuchen schnell.

Sarah tat wie ihr geheißen. Sie nahm einen Teller aus dem Regal sowie ein Messer aus der Schublade. "Haben wir noch genügend Marmelade?" fragte sie.

"Kirsch und Erdbeere, beides im Kühlschrank."

Sarah öffnete den Kühlschrank und nahm auch noch die beiden Gläser heraus, dann stellte sie alles auf dem Tisch ab. Mia bemerkte, dass der Jeansstoff mit jedem Schritt, den Sarah machte, leise knirschte. Sarah’s Idee könnte tatsächlich funktionieren. Mia hob vorsichtig den fertigen Pfannkuchen aus der Pfanne und legte ihn auf die übrigen, die sie auf einem Teller übereinander gestapelt hatte. Dann brachte sie den Teller zum Tisch. Sarah hatte sich schon auf den Stuhl gesetzt und wartete bereits auf ihr Mahl. Mia kam nicht umhin zu bemerken, wie sehr der Jeansbund Sarah’s Speckbäuchlein einschnürte. Sarah’s Idee würde funktionieren.

Mia ging und holte noch rasch die Kamera, dann konnte es auch schon losgehen. Mittlerweile war Mia recht geübt darin, gute Photos von Sarah’s Fressgelagen zu machen, und Sarah musste so gut wie gar keine Anweisungen geben. Statt dessen konnte sie sich ganz auf sich selbst konzentrieren. Nur ab und zu, etwa dann wenn Sarah irgendein besonderes Photo wünschte, würde sie Mia Bescheid geben. Die meiste Zeit aber würden die beiden Schwestern sich einfach über dieses oder jenes unterhalten. Eigentlich kamen Mia die Photosessions seit einiger Zeit wie ein Kaffeekränzchen vor. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass es meistens nicht Kaffee und Kuchen gab, sondern eben andere Leckereien – und die in Unmengen.

So auch heute. Während Mia die ersten Aufnahmen machte, bestrich Sarah den ersten Pfannkuchen mit Erdbeermarmelade. Dann rollte sie ihn zusammen und biss genüsslich davon ab.

"Die schmecken echt herrlich." schmatze sie. "Du könntest die ruhig öfter machen."

"Immer nur Pfannkuchen ist doch auch langweilig." entgegnete Mia.

"Nicht, wenn sie so gut sind."

Sarah aß ziemlich schnell und hatte den ersten Pfannkuchen schon geschafft. Sie griff sogleich nach dem zweiten, den sie wiederum mit Erdbeermarmelade bestrich. Beim dritten hingegen entschied sie sich zur Abwechslung für Kirschgeschmack. Sie hatte für die drei Pfannkuchen nicht einmal fünf Minuten gebraucht, und Mia begann sich zu fragen, ob die zwölf Pfannkuchen wirklich ausreichen würden. Hoffentlich hatte sie nicht zu gering kalkuliert. Sarah konnte ja einiges verdrücken. Die hatte unterdessen den vierten Pfannkuchen schon zur Hälfte verzehrt. Wenige Bissen später war auch er in Sarah’s Magen gelandet. Sarah hielt sich die Hand vor den Mund und rülpste leise hinein.

"Mach mal ein bisschen langsam, Sarah. Nicht, dass dir schlecht wird." mahnte Mia.

"Ach was. Ausserdem muss man Pfannkuchen schnell essen, sonst schafft man nicht so viele." meinte ihre Schwester nur.

"Trotzdem… ausserdem komm’ ich mit dem photographieren gar nicht mit."

Sarah nickte, dann rutschte sie ihren Stuhl ein wenig zurück. "Dann mach aber gleich mal ein paar Aufnahmen von meinem Bauch. Ich weiß nicht, ob die Hose das hier noch lange mitmacht."

Mia ging um den Tisch herum und sah sofort, was Sarah meinte. Obwohl Sarah gerade ein Drittel der Pfannkuchen gegessen hatte, drückte ihr Bauch sich kräftig gegen den Hosenbund. Zwar hatte sich Sarah’s Magen noch nicht sichtlich gerundet, aber Mia war sicher, dass das nicht mehr lange dauern würde. Mia ging in die Hocke und machte ein paar Bilder, dann rutschte Sarah den Stuhl wieder nach vorne. Bevor sie begann, den fünften Pfannkuchen – abermals mit Erdbeermarmelade – zu bestreichen, zerrte sie ein wenig an ihrem Hosenbund. Dann machte sie sich daran, den Pfannkuchen zu verspeisen. Mia merkte, dass Sarah ihre Geschwindigkeit ein wenig verringert hatte, zwar nicht viel, aber doch so, dass Mia’s Rechnung aufgehen könnte.

Sarah ließ sich jetzt Zeit. Sie kaute langsamer, und sie zupfte immer wieder an ihrer Hose, so dass diese wenigstens halbwegs bequem saß. Als Sarah den fünften Pfannkuchen geschafft hatte, lehnte sie sich zurück und rülpste leise, diesmal jedoch hielt sie sich nicht die Hand vor. Statt dessen begann sie, ihre Bluse auf zuknöpfen. Ihre Finger waren ein wenig mit Marmelade verschmiert, und so war es kein Wunder, dass ein bisschen was davon an den Stoff der Bluse kam. Sarah warf Mia einen entschuldigenden Blick zu und meinte: "Die passt mir ja sowieso nicht mehr."

Sarah zog die Bluse aus und warf sie achtlos beiseite. Sie saß jetzt nur noch mit BH und Jeans bekleidet am Tisch und griff nach dem nächsten Pfannkuchen. Allmählich setzte die sättigende Wirkung ein, und Sarah aß immer langsamer. Das lag allerdings auch daran, dass der Jeansbund Sarah’s Bauch mittlerweile schmerzhaft einschnürte. Mia fand es ziemlich witzig, welche Mühe Sarah sich dabei gab, aus der Hose zu platzen. Doch die leistete erbitterten Widerstand. Sechs Pfannkuchen hatten bisher nicht gereicht, dafür aber begann sich Sarah’s Magen allmählich sichtbar zu runden. Lange würde es also nicht mehr dauern.

Mittlerweile bestrich Sarah den siebten Pfannkuchen (zur Abwechslung mal wieder mit Kirschmarmelade). Mia konnte ihrer Schwester ansehen, dass sie sich in der engen Jeans so gar nicht wohl fühlte. Jede ihrer Bewegungen wirkte steif. Doch auch nachdem Sarah den siebten Pfannkuchen gegessen hatte, wollte die Jeans einfach nicht nachgeben. Sarah lehnte sich im Stuhl zurück und seufzte. Ihr Bauch war inzwischen doch ziemlich prall gefüllt, und Sarah schien wirklich satt zu sein.

"Gibst du schon auf?" neckte Mia ihre Schwester.

Die schenkte ihr nur ein erschöpftes Lächeln. "Keine Sorge, ich schaff’ das schon."

"Mal sehen. Ich glaube ja nicht, dass du aus der Hose platzen kannst." forderte Mia ihre Schwester heraus. Sie wusste von früheren Photosessions, dass sie Sarah so neu motivieren konnte.

"Wenn du wüsstest…" dachte Sarah und erinnerte sich an den Minirock. Laut sagte sie: "Wir können ja wetten, wenn du willst."

"Gut. Und was ist der Einsatz?"

Sarah überlegte kurz. Dann sagte sie: "Wenn ich gewinne, dann darf ich dich einen Tag lang bekochen. Und wenn ich verliere, dann brauchst du mir in nächster Zeit erstmal keine Pfannkuchen mehr machen."

Das war zwar ein recht ungewöhnlicher Einsatz, insbesondere hatte Mia nicht viel davon, wenn sie die Wette gewann. Trotzdem willigte sie ein. "Na gut. Aber die Wette gilt nur, wenn du alle Pfannkuchen schaffst."

Sarah war einverstanden und machte sich sogleich daran, die Wette zu gewinnen. So schnell sie konnte futterte sie den achten und gleich darauf neunten Pfannkuchen. Mia hatte das Gefühl, dass sie richtiggehend sehen konnte, wie Sarah’s Bauch jedesmal ein bisschen praller wurde, wenn sie wieder einen Bissen runter schluckte. Wahrscheinlich bildete Mia sich das nur ein, aber es war offensichtlich, dass Sarah wirklich mit sich kämpfen musste. Nachdem Sarah den zehnten Pfannkuchen zur Hälfte gegessen hatte, legte sie ihn zurück auf den Teller.

"Ich brauch’ ‘ne Pause." meinte sie erschöpft und schob einen lauten Rülpser hinterher. Sie legte ihre Hände auf ihren aufgeblähten Bauch und begann, diesen sanft zu massieren. Die Speckrolle schob sich jetzt dank Sarah’s prall gefülltem Magen fast 3cm über den Bund der Jeans.

Nach einer Weile stand Sarah auf. Mia blickte sie fragend an, denn sie glaubte, ihre Schwester würde im nächsten Moment ins Bad laufen, um sich zu übergeben. Statt dessen ging Sarah zum Kühlschrank und nahm die Milch heraus. Dann griff sie sich noch eine Tasse aus dem Regal und füllte sie.

"Die Pfannkuchen sind ja gut, aber ich muss jetzt mal was trinken." erklärte sie. Sarah trank in kleinen Schlucken und füllte die Tasse ein zweites Mal. Nachdem sie auch diese geleert hatte, verzog sie ihr Gesicht zu eine Grimasse und hielt sich den Bauch.

"Was ist? Ist dir schlecht?" fragte Mia ehrlich besorgt.

"Nein, aber ich… muss mich setzen…" meinte Sarah schwach.

Sarah ging langsam wieder zu ihrem Stuhl, und wieder hörte Mia, wie der Jeansstoff knirschte. Erstaunlich, wie viel das Material aushielt. Als Sarah sich jedoch in den Stuhl sinken ließ, gab die Jeans endlich nach. Es gab ein kurzes, ratschendes Geräusch und sowohl Sarah als auch Mia sahen sich verwundert an. Sie hatten beide erwartet, dass der Knopf der Jeans abspringen würde. Statt dessen war die Jeans einfach am Po aufgerissen. Die beiden Schwestern mussten laut loslachen.

"Komm, mach’ ein paar Photos davon." wies Sarah ihre Schwester an, als sie sich wieder beruhigt hatten. Sarah erhob sich schwerfällig und posierte, während Mia die gewünschten Aufnahmen machte. Danach setzte Sarah sich wieder hin. Sie öffnete den Knopf ihrer Hose, um ihrem Bauch endlich die verdiente Freiheit zu gewähren.

"Die Wette hast du aber noch nicht gewonnen." merkte Mia an.

"Ich weiß." antwortete Sarah. "Aber die letzten zweieinhalb Pfannkuchen schaff’ ich jetzt auch noch." sprach sie sich selbst Mut zu.

Und Sarah behielt Recht. Zwar brauchte sie fast zwanzig Minuten für die verbliebenen Pfannkuchen, doch sie schaffte sie. Als sie den letzten Bissen runter schluckte, ballte sie siegesgewiss ihre Faust zusammen. Mit der anderen Hand hielt sie sich den aufgeblähten, schmerzenden Bauch. Mia zollte ihr anerkennend Beifall. Sie konnte sich nicht erinnern, dass sie Sarah jemals so überfressen gesehen hatte. Ihre kleine Schwester hing jetzt mehr im Stuhl als dass sie saß, und ihre Bauch machte wieder diese gurgelnden Laute, die auf die abnormale Füllung hinwiesen. Sarah hatte die Wette tatsächlich gewonnen.

Mia machte rasch noch einige Bilder, dann verstaute sie die Kamera wieder in der dazugehörigen Tasche. Diese brachte sie anschließend in Sarah’s Zimmer. Sarah hingegen blieb noch eine Weile sitzen. Sie hatte die Augen geschlossen und rieb sich ihren prallen Bauch. Erst, als sie sich einigermaßen von ihrem Gelage erholt hatte, erhob sie sich und ging in ihr Zimmer, um sich ein paar bequemere Sachen anzuziehen. Mia begann unterdessen, die Küche aufzuräumen. Als sie damit fertig war, ging sie ins Wohnzimmer, wo sie sich auf die Couch fallen ließ und den Fernseher einschaltete. Es war mittlerweile kurz vor vier, die Photosession hatte also etwas länger gedauert wie üblich.

Wenig später kam auch Sarah ins Wohnzimmer. Sie hatte sich einen bequemen Jogginganzug angezogen und ließ sich in den Sessel plumpsen. Obwohl der Pullover und die Hose relativ weit waren, formte Sarah’s praller Bauch eine sichtbare Kugel darunter. Heute hatte sie sich wirklich selbst übertroffen. Mia zappte ein wenig durch das Programm, bis sie schließlich eine Sendung fand, die sie interessierte. Sarah saß im Sessel und verdaute ihre Mahlzeit, und Mia’s Aufmerksamkeit wurde nur von dem gelegentlichen Gurgeln aus Sarah’s Bauch von der Sendung abgelenkt.

Es war etwa fünf Uhr, als die Türklingel schellte.

"Erwartest du jemanden?" fragte Mia ihre Schwester.

"Nein, du etwa?" konterte die mit einer Gegenfrage.

"Eigentlich nicht. Ich geh mal sehen, wer es ist." Mia stand auf und begab sich zur Wohnungstür. Draussen stand…

"Karin! Was machst du denn hier?" begrüsste Mia ihre Freundin.

"Ich bring dir dein Handy. Du hast es gestern beim Italiener liegen gelassen und ich wollte es dir vorbeibringen. Du weisst doch, nächste Woche bin ich doch nicht da und ich hab gedacht, so lange willst du bestimmt nicht drauf warten." Sie reichte Mia ihr Handy.

"Oh, das hab ich gar nicht gemerkt. Danke. Willst du vielleicht reinkommen?" fragte Mia.

"Ich hab gehofft, dass du mich das fragen würdest. Ich hab nämlich noch was mitgebracht." sagte Karin und deutete auf eine Papiertüte, die sie in der anderen Hand hielt. Mia trat beiseite und Karin kam herein. Sie stellte die Tüte ab und zog ihren Mantel sowie die Schuhe aus.

"Und was hast du da in der Tüte?" fragte Mia neugierig.

"Ich hab mir gedacht, es ist noch früh, und ihr habt sicher noch nicht zu Abend gegessen. Also hab ich was vom Chinesen mitgebracht. Wenn du und deine Schwester mögen, dann lad’ ich euch ein."

Erst jetzt bemerkte Mia den Geruch von chinesischem Essen. Sie aß gern chinesisch, und Karin hatte Recht, zu Abend gegessen hatten sie noch nicht. Im Moment gab es nur ein Problem: Sarah, die sich vor etwas mehr als einer Stunde völlig überfressen hatte und jetzt im Wohnzimmer saß.

"Also ich ess’ gern was mit, bei Sarah weiß ich nicht…" meinte Mia.

"Ach was, du kannst deiner Schwester ruhig auch mal was gönnen. So wie du gestern rein gehauen hast. Was war denn da mit dir los? Ich dachte schon, der Heisshunger hat dich gepackt." lachte Karin.

"Naja, sowas ähnliches…" murmelte Mia.

"Ist ja auch egal. Wo ist Sarah denn?"

"Die sitzt im Wohnzimmer, aber ich…" begann Mia, aber Karin fiel ihr ins Wort.

"Gut, ich geh’ sie fragen ob sie auch was mag." Damit marschierte sie an Mia vorbei und in Richtung Wohnzimmer.

Mia wollte noch etwas sagen, aber Karin war manchmal ein wenig hektisch. Wenn Karin einmal in Fahrt war, dann ließ sie sich nicht so leicht bremsen. Dann redete und redete sie und man selbst kam gar nicht zu Wort. Mia nahm die Tüte, dann folgte sie Karin ins Wohnzimmer. Als sie dort ankam, versuchte Karin bereits, Sarah zum Essen einzuladen bzw. zu überreden. Sie konnte ja nicht wissen, das Sarah im Moment gar keinen Hunger haben konnte.

"Ich hab’ eigentlich keinen großen Hunger…" erklärte Sarah und warf ihrer Schwester einen hilfesuchenden Blick zu.

"Ach was," wischte Karin Sarah’s Antwort beiseite, "du weisst doch: der Appetit kommt beim Essen." Sie nahm Mia die Tüte aus der Hand und begann, das mitgebrachte Essen auf dem Tisch zu platzieren. "Ich hab’ Huhn oder Ente, jeweils mit Reis. Wer mag was?"

Mia lief das Wasser im Mund zusammen, die Sachen dufteten wirklich herrlich. Und sie selbst hatte ja seit Mittag nichts mehr gegessen. "Für mich Huhn, bitte." sagte sie und merkte, wie Sarah ihr einen teils wütenden, teils flehenden Blick zuwarf.

"Und du?" wandte Karin sich an Sarah. Die machte eine ablehnende Geste.

"Danke, aber ich hab’ echt keinen großen Hunger." wiederholte sie sich.

"Wie ich schon sagte, der Appetit kommt beim Essen. Nun komm’, du kannst es doch vertragen. Nimm dir mal ein Beispiel an deiner Schwester, wenn du die gestern gesehen hättest. Ausserdem hab’ ich dich auch eingeladen."

Sarah erkannte, dass sie nicht mit Karin diskutieren konnte. "Na gut, dann nehm ich Huhn. Aber nicht soviel, bitte…"

"Da ist überall gleich viel drin." meinte Karin knapp und reichte Sarah eines der Schälchen. Sarah nahm es und bedankte sich höflich. Ihr Blick jedoch verriet, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie das Essen hinunterbringen sollte. Die Portionen waren zwar nicht sehr groß, eben gerade so, dass man davon satt wurde. Aber wenn man so wie Sarah bereits vorher mehr als satt war, dann sah die Sache anders aus. Mia und Karin setzten sich auf die Couch und begannen zu essen. Es schmeckte tatsächlich so gut wie es roch. Sarah hingegen stocherte eher lustlos in ihrem Schälchen.

"Und? Wie war denn dein Abend mit Marc dann noch?" erkundigte sich Karin neugierig.

Mia erzählte zum zweiten Mal am heutigen Tage von ihrem Date, doch diesmal begann sie gleich mit dem, was nach dem Essen beim Italiener passiert war. Das andere wusste Karin ja schon. Es fiel Mia allerdings schwer, nichts zu vergessen, denn immer wieder musste sie ihre Schwester beobachten. Mia machte sich ernsthaft Sorgen um Sarah. Mal ganz abgesehen davon, dass sie sich womöglich übergeben müsste, was sicher zu einer peinlichen Situation geführt hätte, es konnte auch böse ausgehen, wenn man es übertrieb. Mia hatte schon von Leuten gehört, die tatsächlich geplatzt waren. Zwar waren das Einzelfälle gewesen, aber so viel wie Sarah heute schon gefuttert hatte…

"Du hast wirklich Glück gehabt mit Marc." stellte Karin fest, als Mia mit ihren Ausführungen fertig war. "Meiner hingegen… naja, ich sag’s mal so: wenigstens hat der Film nicht so lange gedauert."

"Was habt ihr euch denn angesehen?" erkundigte sich Mia. Karin beantwortete die Frage und beschrieb den Film ziemlich genau, doch Mia hörte gar nicht richtig zu. Immer wieder blickte sie zu ihrer Schwester.

Sarah gab sich alle Mühe, ihr Schälchen leer zu essen, damit Karin nicht gekränkt wäre. Aber so lustlos wie Sarah jetzt aß, hatte Mia sie noch nie gesehen. Sarah hatte ihren Pulli ein wenig zurecht gezogen, damit ihr praller Bauch nicht auffiel. Mia konnte sehen, wie schwer es ihrer Schwester fiel, so zu tun, als würde sie mit Freude essen. Sarah hatte mittlerweile einen leichten Schluckauf, ihr Magen begann sich gegen die übermäßige Nahrungszufuhr zu wehren.

"Ist dir nicht gut?" fragte Karin schließlich. "Du siehst irgendwie grün um die Nase aus." Sie blickte Sarah ernst an.

"Nein nein, es geht schon." murmelte die zur Antwort. "Ich glaub, ich vertrag diese chinesische Soße nicht…" suchte Sarah nach einer Ausrede. Sie streckte sich ein wenig in ihrem Sessel, und musste plötzlich laut rülpsen. Erschrocken riss sie die Hand an den Mund. "…’tschuldigung."

"Schon ok. Lass es stehen, wenn du die Soße nicht verträgst. Geht mir auch ab und zu so." sagte Karin mitfühlend.

Mia merkte Sarah an, wie froh sie war, als sie endlich ihr Schälchen wegstellen konnte. Das Schälchen war gut zur Hälfte geleert. Normalerweise hätte Sarah eine solche Portion mit links aufgegessen. Sarah lehnte sich zurück und legte die Hände auf ihren Bauch, bemüht, Karin nicht zu zeigen, wie vollgefressen sie tatsächlich war. Das war gar nicht so leicht, den Sarah’s Bauch gurgelte jetzt wieder gelegentlich, und das ziemlich laut.

Karin blieb noch eine Weile, bevor sie sich kurz vor sechs auf den Weg machen wollte. Sie hatte noch zu tun, und so reichte sie Sarah, die immer noch erschöpft im Stuhl saß die Hand und verabschiedete sich. Mia begleitete Karin zur Tür.

"Mach’ deiner Schwester vielleicht einen Tee – der hilft gegen die Magenverstimmung." riet Karin.

"Werde ich tun. Rufst du mich an, wenn du wieder da bist?"

"Aber sicher doch. Jetzt muss ich aber los – ich muss noch packen. Also, bis dann."

"Bis dann." erwiderte Mia. Die beiden umarmten sich, dann ging Karin.

Mia ging zurück ins Wohnzimmer, wo Sarah sich inzwischen auf die Couch gelegt hatte. Sie hatte ihren Pulli hoch geschoben und massierte ihren prallen, aufgeblähten Bauch. Sie wirkte wirklich unglaublich überfressen. Als sie bemerkte, wie Mia ins Zimmer kam, drehte sie den Kopf in ihre Richtung.

"Wehe, du machst mir jetzt einen Tee. Dann platze ich nämlich wirklich." meinte sie.

"Das hab’ ich vorhin schon befürchtet." antwortete Mia. Sie kniete sich vor Sarah auf den Boden und begann, Sarah’s Bauch zu massieren. Sarah hatte ihr vor einiger Zeit gezeigt, welche Griffe halfen und wie sie ihre Finger bewegen musste.

"Mann – so hart war dein Bauch noch nie." staunte Mia. "Du bist total vollgefressen!"

"Sag’ bloss!" spiele Sarah die Unschuldige. "Aber eins sag’ ich dir: wenn ich jemals dazu komme, Karin zu mästen, dann kann die sich auf was gefasst machen."

Mia musste lachen. "Das möchte ich sehen. Die ist doch ständig auf Diät."

"So wie ich heute." entgegnete Sarah. Mia blickte ihre Schwester fragend an. Die grinste nur.

"Auf Fress-Diät."

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