kinjiro – Mia & Sarah – 3 – Aus Eins mach Zwei

Es war erstaunlich warm für einen Tag im letzten Drittel des Oktobers. Die Sonne schien, und ein leichter Wind versuchte den Bäumen ihre letzten bunten Blätter zu entreissen. Das Studentencafe nahe der Universität war jetzt am späten Dienstagnachmittag gut gefüllt mit Gästen, unter denen auch Mia und Karin waren. Sie saßen seit etwa einer halben Stunde etwas abseits eines großen Tisches, an dem mehrere Jurastudenten lebhaft über irgendwelche Gesetze diskutierten, und ruhten nach einem vorlesungsreichen Tag aus.

"Hoffentlich hält das Wetter noch eine Weile an. Viel Glück hatten wir ja heuer nicht damit. Von mir aus könnten wir Herbst und Winter gern überspringen, und nächstes Jahr wird’s wieder wärmer." meinte Karin und nippte vorsichtig an ihrem Milchkaffee.

"Das stimmt – da fragt man sich doch, wo die Erderwärmung geblieben ist." scherzte Mia. Auch sie schlürfte einen leckeren Milchkaffee.

"Dabei müsstest gerade du mir das erklären können," grinste Karin.

Mia winkte ab. "Ein andermal vielleicht. Im Moment hab’ ich andere Sorgen…"

"Ja? Was ist denn los?" fragte Karin interessiert.

"Ach, du weisst schon – wegen dem Cafe." Wie Mia bereits zu Beginn der Semesterferien befürchtet hatte, war die Situation im Cafe nicht besser geworden. Im Gegenteil, Mitte September war ihr schließlich mitgeteilt worden, dass das Cafe schließen würde. So hatte sie zwar ausreichend Zeit gehabt, sich auf die Nachholklausur vorzubereiten, in ihrem Geldbeutel und auf ihrem Bankkonto jedoch hatte das fehlende Einkommen sich gnadenlos bemerkbar gemacht.

"Ach so. Und du hast noch nichts anderes gefunden?"

"Nein, das ist ja das Problem. Und in weniger als 2 Wochen ist schon wieder der Erste. Da wird wieder die Miete fällig, und nochmal will ich meine Eltern nicht anpumpen."

"Kann ich verstehen – also wenn’s gar nicht anders geht, vielleicht kann ich dir helfen." meinte Karin aufmunternd.

"Danke, das ist lieb von dir. Aber ich find’ schon eine Lösung – mit etwas Glück sogar recht bald. Zur Not muss Sarah halt ein bisschen mehr beisteuern."

"Wie geht’s ihr eigentlich? Ich hab’ sie vor ein paar Tagen mal in der U-Bahn gesehen, aber da war’s so voll und ich hatte auch gar keine Zeit. Sie sah gut aus, aber sie hat ein bisschen zugenommen, oder?"

"Ja, das stimmt." antwortete Mia und wunderte sich ein wenig, wie schnell ihre Antwort gekommen war. Ehrlich gesagt hatte sie gar nicht so sehr darauf geachtet, ob Sarah dicker geworden war. Oder es war ihr zumindest nicht aufgefallen. Vielleicht lag es einfach daran, dass sie… Mia schob den Gedanken beiseite. "Jedenfalls geht es ihr recht gut." fügte sie hinzu.

"Hat sie schon wieder einen Freund?" fragte Karin. Mia schüttelte den Kopf. "Ehrlich? Kann ich mir gar nicht vorstellen – wo sie doch so eine Süße ist. Weißt du was, wir nehmen sie nächstes mal einfach mit, wenn wir wieder was unternehmen." grinste Karin.

Mia nickte zustimmend. Karin war schon immer darauf aus gewesen, andere Leute zu verkuppeln. Sie selbst hingegen war gerne Single und lebte das auch aus. Mia sah auf die Uhr. Es wurde allmählich Zeit, dass sie sich auf den Heimweg machte. Nächste Woche standen zwei Übungsklausuren an, auf die sie sich noch vorbereiten musste. Ausserdem musste sie noch ein dringendes Telefonat führen. Erst vor wenigen Tagen hatte sie sich in einer kleinen Modeboutique um einen Nebenjob beworben. Wenn sie Glück hatte, dann würde sie heute Abend die vorläufige Zusage per Telefon erhalten.

"Ich muss dann allmählich los." stellte Mia fest und rutschte den Stuhl ein wenig zurück, um aufzustehen. Dann öffnete sie in ihre Tasche und suchte nach ihrer Geldbörse. Karin griff ihr an den Arm und schüttelte den Kopf.

"Lass nur, ich lad’ dich ein." sagte sie.

"Danke, das ist nett. Dafür geb ich das nächste mal was aus." bedankte Mia sich.

Karin und Mia verabschiedeten sich nach einer kurzen Umarmung, und während Karin an die Theke ging um zu bezahlen, machte sich Mia auf den Weg zur U-Bahn. Sie ging schnellen Schrittes am Tisch der immer noch debattierenden Jurastudenten vorbei, um die nächste U-Bahn nicht zu verpassen und bemerkte daher nicht, dass einer der am Tisch Sitzenden ihr interessiert hinterher blickte.

* * *

Während der U-Bahn-Fahrt dachte Mia darüber nach, was Karin gesagt hatte. Hatte Sarah tatsächlich zugenommen? Und warum war ihr das bisher nicht aufgefallen? Sie erinnerte sich, wie ihre Semesterferien verlaufen waren. Alles hatte angefangen mit jenem seltsamen Abend, an dem sie hinter Sarah’s Geheimnis gekommen war. Nicht lange danach hatte sie ihrer Schwester zum ersten Mal zugesehen und war ihr als Fotografin behilflich gewesen. Was ihr anfangs völlig absurd vorgekommen war, hatte sich dann aber im Verlauf der Semesterferien noch einige Male wiederholt. Anfangs nur einmal pro Woche, aber gegen Ende der Semesterferien hatte Sarah fast jeden zweiten Tag auf Mia’s Hilfe bestanden. Es war also gut möglich, dass Sarah ein paar Pfunde zugelegt hatte. Vielleicht war es Mia nur nicht aufgefallen, weil sie ja ständig sah, wie Sarah sich richtiggehend mästete. Wenn man einer solchen Veränderung beiwohnte, dann fiel sie womöglich wirklich nicht auf.

Dafür hatte Mia eine andere Sache bemerkt. Irgendwie hatte sie sich von Mal zu Mal mehr darauf gefreut, Sarah behilflich zu sein, ihr zuzusehen und die Fotos zu machen. Mehr noch, immer öfter ertappte sie sich dabei, wie sie die Abende, an denen Sarah solche Gelage abhielt, herbeisehnte und sich vorstellte, Sarah immer noch ein wenig mehr an zuspornen. Manchmal stellte sie sich gar vor, wie sie ihre Schwester richtiggehend füttern würde. Und manchmal… da sah sie sogar sich selbst in Sarah’s Rolle. Diese Fantasien, so wenig Mia sie auch verstand, übten einen unerklärlichen Reiz auf sie aus, und doch sie schämte sich auch ein wenig dafür. So verdrängte sie diese Gedanken immer so schnell sie nur konnte.

Mia beschloss, dass sie beim nächsten Mal darauf achten würde, ob ihre Schwester tatsächlich dicker geworden war. Oder, noch besser, sie würde einfach die Photos vergleichen. Wenn Sarah zugenommen hatte, dann musste das auf den Bildern am besten zu sehen sein.

Die U-Bahn hielt schließlich an der Endstation, und Mia stieg in den Bus um. Wenige Minuten und einen kurzen Fußmarsch später schloss sie die Tür zu ihrer Wohnung auf.

* * *

"Verdammt!" Mia stellte das Telefon enttäuscht zurück in die Ladeschale.

"Was ist denn?" fragte Sarah, die in der Küche stand und das Abendessen zubereitete – Nudeln in einer schmackhaften Sahnesoße.

"Ich hab grad’ bei der Boutique angerufen. Die Aushilfsstelle wird wohl doch nicht besetzt. Wenn ich will, dann kann ich mich aber im Januar noch mal melden. Im Januar! Und wie soll ich bis dahin die Miete zahlen?" sagte Mia, die in die Küche kam um den Tisch zu decken.

"Das tut mir leid." meinte Sarah.

"Hmm," machte Mia, "nur hilft mir das nicht weiter. So ein Mist – dabei hätte der Job bestimmt Spaß gemacht."

Mia hatte den Tisch inzwischen gedeckt, und Sarah schaltete den Herd aus. Mia setzte sich und Sarah brachte Nudeln und Soße und gab zwei gleich große Portionen auf die Teller. Ein wenig blieb übrig, und Sarah stellte den Topf zurück auf den Herd.

"Jetzt lass es dir erstmal schmecken. Wir finden schon eine Lösung."

Mia griff nach Löffel und Gabel und vermischte die herrlich duftende Pasta mit der Soße. Sarah tat es ihr gleich und sie begannen zu essen. Es schmeckte sehr gut, Sarah war wirklich eine gute Köchin.

"Wie lange suchst du jetzt schon nach einem Nebenjob?" fragte Sarah nach einer Weile.

"Ein bisschen mehr als 5 Wochen." antwortete Mia. "Aber das weisst du doch eigentlich."

"Ja schon. Ich dachte nur – das ist ziemlich lange."

"Ja, aber was soll ich machen? Du siehst ja, dass ich nichts finde."

"Stimmt. Aber ich hab’ vielleicht eine Idee."

"Und die wäre?" fragte Mia.

Sarah hatte ihre Portion schon aufgegessen und stand auf, um sich noch ein wenig Nachschlag zu nehmen. Während sie ihren Teller neu auffüllte, nicht ganz so viel wie zuvor, meinte sie: "Naja, ich meine dass ich meinen Mietanteil leicht bezahlen kann…"

"Worauf willst du hinaus?" Mia hatte da so eine Ahnung, aber das konnte nun wirklich nicht Sarah’s Ernst sein.

Sarah setzte sich wieder und blickte Mia eindringlich an. Dann begann sie zu grinsen und kicherte schließlich. Jetzt war Mia sich sicher, dass Sarah den unausgesprochenen Vorschlag tatsächlich Ernst meinte. Ungläubig schüttelte Mia ihren Kopf.

"Ach komm schon, du weißt doch selbst, dass ich damit mehr als genug verdiene – das könntest du genauso machen!" meinte Sarah.

Mia wusste nicht, was sie davon halten sollte. Sie legte ihre Stirn in Falten und überlegte. Natürlich hatte Sarah recht. Als Sarah ihr damals erzählt hatte, wie viel Geld sie für ihre Photos bekam, da war Mia fast ein wenig neidisch geworden. Was tat Sarah denn Großartiges? Während Mia sich in irgendwelchen, zumeist nicht einmal sonderlich interessanten Nebenjobs das nötige Kleingeld verdiente, saß Sarah zu Hause und ließ es sich gut gehen – im wahrsten Sinne des Wortes! Nur machte Sarah das Ganze ja nicht wegen des Geldes – sie hatte einfach Spaß am Futtern, und die Bezahlung war nurmehr ein schöner Bonus. Mia hingegen – nun, sie konnte nicht abstreiten, dass ihr die gemeinsamen Photosessions Spaß machten, aber es machte sehr wohl einen Unterschied, ob sie nun fotografierte oder ob sie selbst ein solches… Gelage abhalten würde. Andererseits… Mia versuchte den sich aufdrängenden Gedanken beiseite zu schieben, doch diesmal gelang es ihr nicht. Vor ihrem geistigen Auge sah sie sich selbst an einem reichhaltig gedeckten Tisch sitzen. Sie stellte sich vor, wie sie gleich ihrer Schwester Unmengen an allerlei leckeren Gerichten verzehrte und nicht aufhörte, bevor alles aufgegessen war. Das seltsamste aber war, dass die Mia, die sie sah irgendwie… runder war. Diese Mia hatte eine weibliche Figur, ein kleines Speckbäuchlein und breitere Hüften – fast wie ihre Schwester.

"Weisst du, ich hab’ dich beobachtet." meinte Sarah unvermittelt und riss Mia damit aus ihren Tagträumen.

Mia brauchte einen kurzen Moment, um den Gedanken vollends beiseite zu schieben, dann erst antwortete sie. "Beobachtet? Wobei denn?"

"Siehst du, nicht mal jetzt merkst du es." Sarah grinste. "Gib’s zu – du findest meinen Vorschlag gar nicht so schlimm."

"Kannst du vielleicht mal aufhören in Rätseln zu sprechen? Wobei hast du mich beobachtet?"

"Jetzt tu’ nicht so unschuldig – ich hab’ doch gemerkt, wie du mir während unserer Photoabende zugesehen hast. Du warst ja manchmal richtig hypnotisiert von meiner Show. Ich bin zwar vielleicht jünger als du, aber auf den Kopf gefallen bin ich deswegen noch lange nicht. Es hat dir gefallen, gib’s ruhig zu."

Mia war ehrlich überrascht. Zum einen, weil sie nicht geglaubt hatte, dass sie sich ihr Gefallen an diesen Situationen überhaupt hatte anmerken lassen. Zum anderen, weil sie geglaubt hatte, dass Sarah während dieser Fressorgien viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, als dass sie etwas davon hätte bemerken können. Offenbar hatte sie sich gleich zweimal geirrt.

"Also gut, du hast mich ertappt. Aber wieso glaubst du, ich würde es deswegen selbst ausprobieren wollen?" gab Mia schließlich zu.

"Ich weiß nicht." Sarah zuckte mit den Schultern und fragte unschuldig: "Willst du?"

Wieder überlegte Mia. Was sprach eigentlich dagegen? Abgesehen von der Tatsache, dass es doch reichlich ungewöhnlich war, einem solchen Verlangen nachzugeben, eigentlich nichts. Vielleicht noch, dass man so etwas als Frau einfach nicht tat – aber dieses eine Mal würde schon nicht ihre Figur ruinieren. Mia fühlte, wie sie sich über den letzten Gedanken ärgerte. Die Figur "ruinieren"? Sie hatte sich immer bemüht, nicht oberflächlich zu sein, und in diesem Moment wurde ihr bewusst, wie oberflächlich sie sich selbst gegenüber war. Sie hatte immer auf ihr Gewicht geachtet, viel Sport getrieben und deswegen häufig auf das eine oder andere verzichtet, nur weil man das von einer Frau einfach so erwartete. Wer sich nicht an die Regeln hielt, der passte nicht in diese Gesellschaft. Sie selbst hatte ihrer Schwester Bulimie zugetraut. Sie hatte Sarah’s Bilder gesehen, aber sie hatte nicht hin geschaut. Verdammt, was sprach eigentlich dagegen?

Schließlich nickte Mia und meinte: "Ich glaube schon."

Sarah hatte offenbar mit dieser Antwort gerechnet, denn wirklich überrascht zeigte sie sich darüber nicht.

"Na schön, dann will ich mal sehen, was sich machen lässt. Die Leute von der Website haben bestimmt nichts dagegen, im Gegenteil. Das wird sicher lustig!"

* * *

Zwei Tage später hatte Sarah wie versprochen alles geregelt. Sie hatte sich noch am selben Abend, an dem Mia sich einverstanden erklärt hatte, dieses verrückte Spiel mit zuspielen, um alles Notwendige gekümmert. Schon am Freitag – wenn Mia wollte, so fügte Sarah hinzu – könnte sie ihre eigene Photosession abhalten. Natürlich sagte Mia zu. Zum einen, weil sie einfach das Geld brauchte, andererseits aber auch, weil sie wirklich neugierig war, was ihre Schwester daran fand. Vielleicht würde sie danach auch ihre jüngsten Tagträume endlich verstehen.

Am Donnerstagabend surfte Mia auf Anraten ihrer Schwester einige Websites aus der Stuffing-Community an. Sarah meinte, dass es hilfreich sein könnte, wenn Mia sich ein wenig mehr mit dem Thema befasste. Bisher hatte Mia sich nicht die Zeit dazu genommen. Abgesehen von den Photoabenden mit ihrer Schwester war Stuffing nach wie vor eine völlig unbekannte und unverständliche Sache für Mia. Obwohl sie einige der Seiten noch von dem gemeinsamen Internetausflug mit ihrer Schwester vor ein paar Monaten in Erinnerung hatte, war sie erstaunt, wie viele Leute sich auf die eine oder andere Weise mit dem Thema befassten. Klar, es gab auch hier wie überall sonst eine Menge Spinner, die in Foren ihre teilweise aberwitzigen Fantasien bis ins kleinste Detail ausdiskutierten. Oft hatte Mia das erschreckende Gefühl, dass es manchen nur darum ging, willige Frauen bis zur Unbeweglichkeit zu mästen – um dann anschließend ein neues "Opfer" zu finden. Mia verstand das beim besten Willen nicht, es hatte auch so gar nichts mit dem zu tun, was Sarah ihr früher erklärt hatte. Von Sarah wusste sie, dass Stuffing für die meisten nicht mehr als eine Fantasie war, nur wenige lebten sie tatsächlich aus. Und diejenigen, die es tatsächlich taten, gaben sich zumeist auch nur gelegentlich der maßlosen Völlerei hin. Wenn sie es aber taten, so hatte Sarah behauptet, dann ging es ihnen vor allem um einen prallen, vollgestopften Bauch, nicht darum, zuzunehmen. Mia begriff erst allmählich, dass es neben dem Stuffing offenbar noch eine andere Vorliebe gab, die aus einem für Mia unerklärlichen Grund sogar noch mehr Anhänger hatte: Feeding. Allerdings konnte Mia hiermit nun so gar nichts mehr anfangen; Leute, die sich regelrechten Mastkuren unterzogen um möglichst viel Fett anzusetzen. Mia erschien das nicht nur wenig verantwortungsbewusst, sie fand es beinahe abstoßend. Doch wer war sie schon, dass sie sich ein Urteil über das Leben anderer erlauben könnte? Zumal sie ja nicht einmal ihre eigenen, neu entdeckten Fantasien verstand.

Mia entdeckte mit der Zeit auch einige Beiträge, deren Verfasser ähnliche Fantasien hatten wie sie selbst, sie aber eben sowenig verstanden. Umso mehr überrascht war sie, dass gerade die Schilderungen dieser Nutzer sie irgendwie berührten. Da ging es nicht einfach darum, Frauen zu mästen bis sie aussahen wie das Michelin-Männchen. Diese Fantasien waren anders – anziehender, erregender. So las sie etwa einen Beitrag, dessen Verfasser sich wünschte, seine Freundin zu bekochen und zu füttern, bis diese sich schließlich völlig überfressen seiner wohltuenden Bauchmassage hingeben würde. Er würde sie verwöhnen, ihr jeden Wunsch von den Augen ablesen. In einer anderen Diskussion war die Rede von gemeinsamen Fütterspielchen mit Süßem. Ein weiterer Beitrag schließlich erregte Mia’s Aufmerksamkeit besonders: hier unterhielt man sich über die Rundungen des schönen Geschlechts. Man war sich offenbar darüber einig, dass eine Frau Rundungen haben musste, und das nicht nur am Busen sondern auch an den sonst sogenannten Problemzonen Bauch, Beinen und Po. Mia war weniger fasziniert von der Tatsache, dass es männliche Zeitgenossen gab, die nicht auf Hungerhaken standen – das fand sie nicht einmal so verwunderlich. Vielmehr berührte sie aber die Art, in der manche der Verfasser schilderten, wie sie ihre kräftigen Hände sanft über die Rundungen ihrer Partnerin gleiten lassen würden, sie streicheln und liebkosen. Mia stellte es sich vor und tastete mit ihren Fingern unbewusst nach ihren eigenen Rundungen, nur um die Hand eine Sekunde später beinahe enttäuscht zurückzuziehen. Ihre eigenen Rundungen? Mia wurde sich darüber bewusst, wie wenig ausgeprägt dieselben wirklich waren. Sicherlich, sie hatte eine weibliche, aber eben schlanke und eher elegante Figur. Ausgeprägte Rundungen wie die ihrer Schwester aber besaß sie nicht. Mia hätte es nie offen zugegeben, doch insgeheim wünschte auch sie sich eine etwas kurvenreichere Figur. Ehrlich gesagt war das schon immer so gewesen. Es war seltsam: wenn man etwas runder war, so schämte man sich seiner Kurven und setzte alles daran, abzunehmen. Wenn man schlanker war, so beneidete man andere um ihre Rundungen. Was für eine Ironie.

Während Mia so nachdachte erinnerte sie sich an das, was Karin gesagt hatte: Sarah sei dicker geworden. Mia wollte die Gelegenheit nutzen und trennte die Verbindung zum Internet. Dann öffnete sie die Ordner, in denen sich Sarah’s Bilder befanden. Sarah sortierte die Bilder regelmäßig, so dass es kein großes Problem sein würde einen Vergleich anzustellen. Nur zwei Mausklicks später hatte Mia die Bilder von Sarahs erstem Photoset geöffnet. Die Bilder waren nicht ganz ein Jahr alt und somit lange bevor Mia von Sarah’s Vorliebe erfahren hatte entstanden. Das Szenario, das die Bilder zeigten, kannte Mia trotzdem: Sarah, die wie eine Verrückte Essen in sich hinein schaufelte. Bereits jetzt war klar, dass Sarah auf jeden Fall zugenommen hatte. So schlank wie auf diesen Bildern war Sarah nämlich schon lange nicht mehr. Mia öffnete in einem neuen Fenster die Bilder von Sarah’s letztem Set. Sie hatten es erst vor wenigen Tagen aufgenommen, Sarah hatte eine ganze Sahnetorte auf gefuttert. Als Mia die Bilder jetzt im Vergleich sah, fielen ihr beinahe die Augen aus dem Kopf. Oh ja, Sarah hatte zugenommen. Ihr ganzer Körper wirkte fülliger, und vor allem ihr Bauch wölbte sich deutlich mehr – auch wenn er nicht prall gefüllt war. Sogar Sarahs Gesicht wirkte ein wenig runder. Mia schätzte, das Sarah seit dem ersten Photoset mindestens zehn Kilo zugenommen hatte, womöglich sogar mehr. Trotzdem wirkte ihre Schwester nicht so dick. Die Kilos hatten sich gut verteilt und liessen sie nur insgesamt fülliger erscheinen, was ihre weibliche Figur sogar noch mehr betonte. Karin hatte nicht so ganz unrecht gehabt, als sie ihre Schwester eine "Süße" genannt hatte. Mia klickte sich noch ein wenig durch die anderen Sets, insbesondere durch diejenigen, bei denen sie die Aufnahmen gemacht hatte. Dabei fiel ihr auf, das Sarah die meisten Kilos in den letzten drei Monaten zugenommen hatte. Es war Mia unerklärlich, wie sie das nicht hatte bemerken können. Sie selbst schien nicht ganz unwesentlich daran beteiligt gewesen zu sein. Dabei war es so offensichtlich: gerade die Bilder, die Sarah sitzend im Profil zeigten, dokumentierten ihre Zunahme überdeutlich. Während noch vor drei Monaten nur ein kleines Speckröllchen über Sarahs Hosenbund lugte, zeugten die neuesten Bilder von Sarahs Gelagen. Aus dem einen kleinen Speckröllchen waren zwei geworden.

Mia betrachtete die Bilder nachdenklich. Sarah hatte zugenommen. Und sie hatte ihr dabei geholfen. Mehr noch, es hatte ihr gefallen. Sarah war immer noch hübsch. Kurviger, aber hübsch. Nein, nicht nur hübsch. Schöner und weiblicher. Mia blickte skeptisch an sich selbst herab. Was für eine Bohnenstange. Dann fasste sie einen Entschluss.

Ab morgen würde sie Rundungen haben.

* * *

"Ich glaube, ich platze gleich…" seufzte Mia, schob den leeren Teller von sich und lehnte sich satt zurück. Ihre Hose stand offen und ihr sonst so flacher Bauch wölbte sich prall nach vorne.

"Ein bisschen was geht schon noch!" sprach Sarah ihr Mut zu. "Ich hab nämlich noch Nachtisch gemacht."

Mia warf ihrer Schwester einen gleichermaßen flehenden wie vorwurfsvollen Blick zu. Nachtisch? Wie um alles in der Welt sollte sie den noch schaffen? Schon vorhin, als Sarah Mia’s Teller zum ersten Mal nachfüllte, war sie satt gewesen. Und spätestens als Sarah ihr ein zweites Mal Nachschlag gab begann Mia sich zu fragen, ob das Ganze wirklich eine so gute Idee gewesen war. Sie hatte bis zum Anschlag gefuttert, und dass sie überhaupt soviel geschafft hatte erschien ihr wie ein Wunder. Natürlich hatte Sarah’s Kochkunst nicht unwesentlich dazu beigetragen. Sarah hatte sich bemüht und das wahrscheinlich leckerste Nudelgericht gezaubert, das Mia jemals gegessen hatte. Dazu hatte sie allerlei andere Leckereien bereitgestellt, damit Mia’s Gaumen sich nicht zu sehr an den gleichbleibenden Geschmack des Hauptgerichts gewöhnte. Sarah hatte ihr erklärt, dass sie auf diese Weise mehr würde essen können. Dennoch hatte Mia, die derartige Fressorgien nun mal nicht gewohnt war, bereits bei ihrer zweiten Portion sehr viel langsamer gegessen und schlussendlich sogar eine Pause gebraucht. Sie war so voll gewesen, dass sie Angst hatte, sich übergeben zu müssen. Erst nachdem sie ihrem Bauch die verdiente Freiheit gegönnt hatte und Sarah mit einigen geschickten Griffen das ärgste Völlegefühl in ihrem Magen vertrieben hatte, hatte sie sich an die vermeintlich letzte Runde gewagt. Sarah hatte sie unentwegt ermutigt und ihr gut zugesprochen, ihr Tipps gegeben und nebenbei auch noch die Photos geschossen. Dass sie die Rollen getauscht hatten schien Sarah mächtig Spaß zu machen.

Sarah ging zum Kühlschrank und nahm ein kleines Schälchen heraus, in dem eine rosafarbene Masse war, und stellte es vor Mia auf den Tisch. Sie legte auch einen Löffel daneben.

"Was ist das?" fragte Mia.

"Erdbeeryoghurt. Hab’ ich selbst gemacht." verkündete Sarah stolz.

Wie gemein Sarah doch sein konnte! Natürlich hatte sie sich diese Leckerei bis zum Schluss aufgehoben. Sie wusste genau, dass Mia Erdbeeryoghurt über alles liebte und sicher nicht nein sagen würde. Im Moment allerdings fühlte sich Mia so satt und voll wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Selbst wenn dies der beste Erdbeeryoghurt der Welt war, so würde es nicht leicht sein, den auch noch zu essen. Mia nahm den Löffel und probierte den Yoghurt. Er schmeckte tatsächlich so gut wie sie befürchtet hatte. Sie würde ihn nicht einfach stehen lassen können.

Mia beugte sich so gut sie konnte – ihr prall gefüllter Bauch machte die Bewegung nicht leichter – wieder nach vorne und begann ganz langsam, den Yoghurt zu essen. Obwohl er wirklich herrlich schmeckte, kostete es Mia einiges an Überwindung, den Löffel wieder und wieder vom Yoghurt zu ihrem Mund und wieder zurück zu führen. Ihr Magen begann allmählich zu schmerzen und gab die gleichen gurgelnden Laute von sich, die Mia sonst bei Sarah’s Fressorgien hörte.

Als sie nach einer halben Ewigkeit endlich die Portion geschafft hatte, lehnte sie sich zurück und schloss die Augen. Sie fühlte sich einfach nur satt und wollte sich am liebsten hinlegen. Lediglich das Klickgeräusch der Kamera, mit der Sarah nach wie vor Bilder machte, unterbrach die Stille gelegentlich. Nach einer Weile legte Sarah die Kamera beiseite und setzte sich neben Mia an den Tisch.

"Das war echt klasse! Die Bilder sind sicher gut geworden." meinte sie.

Mia schenkte ihr ein schwaches Lächeln zur Antwort.

"Geht’s dir nicht gut? Du siehst etwas grün um die Nase aus…" fragte Sarah.

"Könnte besser sein… am liebsten möchte ich mich hinlegen." antwortete Mia.

"Ich helf’ dir hoch, dann kannst du dich auf die Couch legen."

Sarah stand auf und streckte Mia ihre Hände entgegen. Die setzte sich nach vorne und erhob sich mit Sarah’s Hilfe. Sofort merkte sie, wie schwer ihr Magen tatsächlich war, und sie beugte sich ein wenig vornüber, um etwas Druck von ihrem Bauch zu nehmen. Die beiden gingen ins Wohnzimmer, und Mia ließ sich vorsichtig auf die Couch fallen. Sarah setzte sich in den Sessel.

"Ich glaube, ich esse nie wieder was…" sagte sie schließlich.

Sarah lachte. "Du hast dich echt gut geschlagen für’s erste Mal. Hätte ich dir nicht zugetraut, ehrlich."

"Dafür ist mir jetzt schlecht und mein Bauch tut weh…"

"Ach, das geht schon vorbei. Und glaub mir, danach wirst du dich super fühlen." meinte Sarah. "Weisst du was? Ich massier’ dir ein bisschen den Bauch, dann geht’s schneller."

Kaum dass sie es gesagt hatte stand Sarah auf und kniete sich vor die Couch, auf der Mia lag. Erst war Mia der Gedanke an Hände, die auf ihren aufgeblähten Bauch noch mehr Druck ausüben würden, ein wenig unangenehm und sie wollte protestieren, doch Sarah hatte schon ihre Hände auf ihre gerundete Körpermitte gelegt und begann mit den Fingerspitzen sanft zu massieren.

"Wow – du bist echt ziemlich voll. Dein Bauch ist ja steinhart." staunte Sarah. Sie drückte ein wenig fester in Mia’s Bauch, und Mia stöhnte auf. Hoffentlich wusste ihre Schwester, was sie da tat.

Sie wusste es. Je länger Sarah den Magen ihrer Schwester massierte, desto weniger schmerzte er. Zwar fühlte sich Mia nach wie vor völlig überfressen, aber es war jetzt kein unangenehmes Völlegefühl mehr. Was Mia jetzt fühlte, das kannte sie so bisher nicht. Sie wusste auch nicht wirklich, wie sie es beschreiben sollte. Trägheit oder Faulheit, eine Art Entspanntsein oder einfach nur Sattsein – vielleicht von allem ein bisschen was. Auf jeden Fall fühlte sie sich mit einem Mal absolut zufrieden. Ihre Schwester hatte Recht gehabt, und Mia begann zu verstehen, was ihre Schwester an der Sache fand. Als Sarah schließlich aufhörte und meinte, sie würde jetzt die Bilder auf den PC übertragen, war Mia fast ein wenig enttäuscht. Aber sie merkte bald, dass das Gefühl nicht nachließ, sondern eher intensiver wurde. Nachdem Sarah gegangen war, legte sie ihre eigenen Hände auf ihren Bauch und streichelte sanft darüber. Sarah hatte nicht übertrieben, er war tatsächlich steinhart. Mia versuchte, die Massage fortzusetzen, doch leider kannte sie nicht die Techniken, die ihre Schwester angewandt hatte. Schade – sie würde ihre Schwester irgendwann bitten, ihr diese Tricks zu lernen.

Mia blieb noch eine Weile liegen bevor sie schließlich aufstand und in Sarah’s Zimmer ging. Sie wollte die Bilder ebenfalls sehen. Sarah hatte die Bilder längst übertragen und, wie sie erwähnte, sogar schon hoch geladen. Mia war wirklich gespannt, wie die Bilder aussahen. Sie nahm sich einen Stuhl und setzte sich neben ihre Schwester.

"Und? Sind die Bilder gut geworden?" fragte sie.

"Machst du Witze? Die sind absolut spitze!" antwortete Sarah. "Hier, sieh’ selbst."

Damit öffnete sie den Ordner, in dem die Bilder gespeichert waren. Mia bemerkte, dass er den Namen "Mia’s Stuffing" trug. Dann klickte Sarah auf das erste Bild. Es zeigte Mia, die in einer Jeans und einem engen, roten T-Shirt posierte. Die Haare trug sie offen. Langsam ging Sarah die Bilder durch, so dass Mia nur hinzusehen brauchte. Es war ein aufregendes, ungewohntes Gefühl. Bisher hatte Mia Bilder wie die, die sie jetzt sah, nur mit Sarah gekannt. Jetzt plötzlich war sie die Hauptperson geworden. Statt ihrer kleinen, rundlichen Schwester war es nun sie selbst, die sich hemmungslos vollstopfte. Mia musste ihrer Schwester zustimmen, die Bilder waren beeindruckend. Da Mia im Gegensatz zu ihrer Schwester schlank und groß war, waren die Auswirkungen ihres Gelages viel auffälliger. Während das Mädel – "Ich!" dachte Mia aufgeregt – auf den ersten Photos rank und schlank war, zeigte sich schon nach etwa der Hälfte der Aufnahmen ein anderes Bild. Jetzt war der einst flache Bauch gerundet und wölbte sich nach vorn, wartete darauf, die Hose zu sprengen. Wieder ein paar Bilder weiter war dieses Ziel erreicht, und Mia konnte sich selbst sehen, die mehr im Stuhl lag als saß und deren Bauch sich prall gefüllt aus der geöffneten Hose wölbte.

"Du bist echt ein Naturtalent. Die Bilder sind viel besser geworden als ich erst gedacht habe. Du kannst stolz auf dich sein." sagte Sarah.

"Danke. Ich hab’ mir alle Mühe gegeben."

"Das sieht man." grinste Sarah und piekste ihrer Schwester mit dem Zeigefinger neckisch in den immer noch kugeligen Bauch. Mia rutschte etwas überrascht ein wenig beiseite, und Sarah zog ihre Hand zurück.

"Du meinst also, die Bilder werden gut ankommen?" fragte Mia.

"Jede Wette. Ich glaube, du wirst überrascht sein, wie…" brach Sarah inmitten des Satzes ab, weil das Telefon klingelte. "Ich geh schon ran, guck’ du dir nur die Bilder fertig an." Dann stand sie auf und lief zum Telefon.

Mia klickte sich rasch durch die letzten Bilder und war wirklich beeindruckt. Es war ein seltsames Gefühl, sich selbst in solchen Aufnahmen zu sehen. Noch vor wenigen Wochen hätte sie niemals die Idee hierzu gehabt, ja bis vor ein paar Monaten hatte sie nicht einmal etwas von dieser Sache gehört gehabt. Aber nach alledem was in letzter Zeit passiert war, insbesondere nach dem heutigen Abend, hatten sich einige Dinge geändert. "A propos ändern," dachte Mia, "da war doch noch was." Sie klickte sich zurück in die Ordnerübersicht und dann auf den Ordner, in dem sich ihre Bilder befanden. Dann änderte sie den Namen in "01 – Mia’s erstes Stuffing" um. Nachdem sie es getan hatte, lehnte sie sich zurück und grinste verschwörerisch.

In diesem Moment betrat Sarah das Zimmer. Sie hielt das Telefon in der Hand und Mia entgegen.

"Ist für dich. Karin."

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