kinjiro – Jennifer – 4 – Auf einen Tee oder Kaffee

Es kam gut an. Mehr noch, es kam sogar sehr gut an. Nur zwei Tage, nachdem Ellie das Video zur Veröffentlichung freigegeben hatte, war die Nachfrage schon so groß, dass Jennifer in ihrem Postfach eine Email von Ellie vorfand, in der Ellie ihrer Begeisterung Ausdruck verlieh. Und ihr mitteilte, dass sie gerne wieder mit ihr zusammen arbeiten würde. Jennifer sah es genau so, stimmte zu und versendete eine entsprechende Antwort per Email.

In den kommenden Wochen kam es zu zahlreichen Treffen bei Ellie. Ebenso zahlreich waren die Videos, in denen Jennifer unter Ellies Regie mitwirkte. Es ergab sich, dass Jennifer schon bald auch in anderen Videos auftrat und noch mehr neue Dinge kennen lernte. Allerdings, das musste Jenniger zugeben, die Ess-Videos machten ihr am meisten Spaß. Mit der Zeit hatte Jennifers Magen sich daran gewöhnt, ab und zu bis zum Zereissen gefüllt zu werden, und Jennifer hatte sich nicht nur an das daraus resultierende Gefühl gewöhnt, sondern auch begonnen, es zu mögen. Das war schneller gegangen als Ellie es vorhergesagt hatte, aber dass es überhaupt so gekommen war, war eine ziemliche Überraschung für Jennifer gewesen.

Wie dem auch war, etwa zwei Monate nachdem Jennifer ihr erstes Video von Ellie hatte filmen lassen, war Jennifer ein fester Bestandteil von Ellies Team geworden. Sie hatte in nicht weniger als neun solcher Videos mitgewirkt, was gemessen an der kurzen Zeit, in der sie Ellie nun kannte, eine ordentliche Zahl war. Und was sich auch recht deutlich auf ihrem Konto zeigte. Da störte es gar nicht, dass sie von der Agentur beziehungsweise von Anja schon seit fast ebenso langer Zeit nichts mehr gehört hatte. Lediglich einmal hatte Anja angerufen, um sich nach Jennifers Befinden zu erkundigen. Es gehörte einfach mit dazu, dass – auch wenn die Agentur keine Arbeit vermittelte – sich die Agenten bzw. Agentinnen hin und wieder meldeten, damit der Kontakt nicht abbrach. Feste, langfristige Verträge konnte man sich in dieser Branche ohnehin eher selten leisten, so dass – abgesehen von diversen wettbewerbsrechtlichen Abreden – keinerlei zu enge vertragliche Bindungen bestanden. Das widerum nutzte Jennifer seit gut zwei Monaten in vollem Umfang aus, und wenn Anja oder irgend jemand anderer von der Agentur mitbekommen hätte, was genau sie alles in dieser Zeit tat, dann wäre eine engere vertragliche Beziehung sowieso nur hinderlich gewesen. Hätte eine solche bestanden, dann wäre sie wahrscheinlich sowieso gekündigt worden, vorausgesetzt natürlich, Anja oder die Agentur hätten von Jennifers neuem Engagement erfahren. Da das aber nicht der Fall war, konnte Jennifer es sich gut gehen lassen.

Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es war nur natürlich, dass die vielen Auftritte in diesen Videos sich ein wenig auf Jennifers Figur niederzuschlagen begannen. Obwohl Jennifer jetzt wieder etwas mehr Zeit hatte, Sport zu machen und so die unzähligen überschüssigen Kalorien wenigstens teilweise wieder zu verbrennen, blieb es doch nicht aus, dass sie immerhin satte sechseinhalb Kilogramm zunahm. Was gemessen an dem, was Jennifer mittlerweile alles verdrücken konnte aber immer noch verhältnismäßig wenig, ja sogar fast normal war. Denn auch das musste Jennifer sich eingestehen: in den letzten Wochen war sie ziemlich faul gewesen und vor allem nachlässig, was ihr Training anging. Irgendwie hatte sie einfach keine Lust gehabt, großartig Sport zu machen. Aus der Agentur kamen ohnehin keine Aufträge, und bei Ellies Produktion störten ein, zwei Kilos mehr ganz offensichtlich nicht. Im Gegenteil hatte Ellie ihr sogar berichtet, dass einige der Fans die Jennifer sich mittlerweile gemacht hatte sich sogar wünschten, dass sie noch deutlich runder wurde. Diesen Gefallen würde Jennifer ihnen aber dann wohl doch nicht tun, so sehr sie auch das viele Essen genoss.

Dass es nun insgesamt sechseinhalb Kilogramm geworden waren lag aber nur zum Teil an den Videodrehs. Irgendwie hatte dieses neue Essverhalten Jennfier auch ausserhalb ihres Jobs gefallen. In den letzten drei Wochen hatte sie sich nicht weniger als viermal dabei ertappt, wie sie für sich selbst kleine Fressorgien vorbereitet und abgehalten hatte. Natürlich hatte sie sich eingeredet, dass es zu Trainingszwecken gewesen wäre – doch das entsprach nicht ganz der Wahrheit.

Es war vielmehr so, dass Jennifer allmählich wirklich Gefallen an der Sache fand – und noch nicht wirklich wusste, wo das noch hinführen würde.

* * *

Ellie saß an ihrem Computer und beantwortete Emails. Das war der lästigste Teil ihrer Arbeit, aber auch der musste erledigt werden. Weder das Filmen noch das anschließende Schneiden der Videos war wirklich anstrengend und meistens ging es Ellie recht flott von der Hand. Die Emails hingegen erforderten deutlich mehr Zeit, weil sie hier nicht einfach einem bestimmten Ablauf folgen konnte. Zu verschieden waren die Emails, in denen Ellie Feedback für frühere und Anfragen für zukünftige Videoproduktionen bekam. Anderseits war das ja auch nicht ganz schlecht: solange sie mit derartigen Anfragen kontatkiert wurde, konnte sie die nächsten Wochen einigermaßen planen. Auch wenn sie nicht mehr wirklich darauf angewiesen war, warum sollte sie mit dem Geldverdienen aufhören? Jetzt wo alles so gut lief gab es dafür überhaupt keinen Grund. Es war sogar eher so, dass Ellie sich durchaus vorstellen konnte, ihr Angebot noch zu erweitern. Das war auf dem relativ hart umkämpften Markt zwar nicht ganz leicht, aber es würde sich immer lohnen.

An lohnenswerten Anfragen war auch heute wieder jede Menge dabei gewesen. Ein paar der Anfragen beförderte Ellie nach dem Lesen aber trotzdem sofort in den Papierkorb, die waren sogar ihr ein wenig zu unangenehm, als dass sie sich länger damit befassen wollte. Manche Leute hatten wirklich seltsame Ideen…

Ellie brauchte gut eineinhalb Stunden, ehe sie sich durch alle Emails gearbeitet hatte. Das heisst, eigentlich waren es nicht alle. In letzter Zeit hob Ellie sich diejenigen Emails, die über den dafür eingerichteten Account eingingen und ihr Stuffing-Projekt betrafen, für den Schluss auf. Mittlerweile erreichten sie nahezu täglich gut zwei dutzend Emails zu diesem Thema, die Sache hatte sich im letzten Jahr wirklich prächtig entwickelt und war gerade in den letzten zwei Monaten zu einem ihrer drei gewinnbringendsten Projekte geworden. Natürlich wusste sie ziemlich genau, woran das lag. Ohne Frage verkauften sich ihre und Susannas Videos sehr gut. Auch die Videos ein paar anderer Models, mit denen Ellie zusammen arbeitete, liefen nicht schlecht. Aber die Verkaufszahlen von Jennifers Videos gingen allen anderen vor. Teilweise machte das Ellie stolz, teilweise neidisch. Nicht dass sie es Jennifer nicht gegönnt hätte, ganz im Gegenteil. Nur war es bisher eher selten vorgekommen, dass eines der Models, die für sie arbeiteten, besser als sie selbst angekommen war.

Letzten Endes störte das aber nicht. Immerhin machte das ganze Projekt ungemein Spaß und brachte insgesamt gutes Geld ein. Wobei Ellie – hätte man sie gefragt – das Geld eigentlich nicht so wichtig war.

Ellie las die Emails eine nach der anderen durch und kopierte sich die interessanten Stellen in ein neues Textdokument. So ging Ellie immer vor, wenn ihr eine Idee gefiel und sie glaubte, dass sie sie umsetzen könnte – oder auch, wenn Ellie einfach nur selbst neugierig war. Auch heute waren wieder zwei wirklich nette Vorschläge mit dabei, die zusammen mit den anderen Ideen, die Ellie im Laufe der letzten Wochen gesammelt hatte, eine recht lange Liste ergaben. Manche der Wünsche waren auf bestimmte Models zugeschnitten, die meisten aber konnte sie ohne weiteres mit jeder umsetzen, die es versuchen wollte. Diejenigen Ideen, die ihr besonders gut gefielen, markierte Ellie noch rasch mit roter Farbe, dann speicherte sie das Dokument ab und druckte es aus, ehe sie erst das Emailprogramm und dann das Textprogramm schloss.

Wenn Jennifer später vorbei kam, dann würde sie mit ihr über ein paar davon sprechen wollen. Ellie hatte sich schon zwei Vorschläge rausgesucht, die perfekt für Jennifer wären. Jennifer würde sie sicher auch mögen, da war Ellie sich sicher. Überhaupt war ihr aufgefallen, dass Jennifer von Mal zu Mal besser wurde und dass es ihr auch mit jedem neuen Videodreh mehr Spaß zu machen schien. Ellie war damit überaus zufrieden und zugegebenermaßen einigermaßen begeistert von Jennifer. Sie klickte sich rasch zu den Ordnern, in denen sie Jennifers Videos gespeichert hatte und klickte diese dann an, so dass sie in die Wiedergabeliste ihres Medienplayers übernommen wurden. Anschließend spielte sie einige der Videos im Schnelldurchlauf ab. In der Tat, Jennifer machte sich hervoragend. Schon ihr erstes Video war fantastisch gewesen, und danach hatte sie sich stetig gesteigert. So etwa, als sie in ihrem vierten Video eine Familienpizza verdrückt hatte. Oder als sie in ihrem fünften Video fast zwei Kilogramm Sushi verdrückt hatte. Ok, im siebten Video hatte es nicht ganz so gut geklappt. Rückblickend war Ellie froh, dass sie den Eimer bereit gestellt hatte. Sie hatte Jennifer gewarnt, dass sie nicht so schnell trinken sollte. Aber Jennifer hatte die Milch in sich hineingekippt als gäbe es nichts leichteres. Und zunächst hatte es auch so ausgesehen, als würde Jennifer Recht behalten. Für den ersten Liter hatte Jennifer nicht einmal eine Minute gebraucht, und nach etwa zehn Minuten hatte sie bereits die Hälfte von dem geschafft, was ihr Ziel gewesen wäre. Dann aber hatte Jennifer, wohl etwas zu optimistisch, einfach weitergemacht, ohne sich eine Pause zu gönnen. Als sie gut drei Viertel geschafft hatte, war ihr schlecht geworden und sie hatte sich übergeben müssen. Und danach hatte sie verständlicherweise keine Lust mehr gehabt, weiter zu machen oder gar noch einmal neu anzufangen. Seltsamerweise erfreute sich das Video, das Ellie natürlich dennoch veröffentlicht hatte, dennoch großer Beliebtheit. Aber wiederholen würden sie etwas in der Richtung eher nicht. Jedenfalls nicht absichtlich…

Ellie beendete schließlich den Medienplayer und fuhr dann den Computer herunter, warf dabei nochmal einen Blick auf die Liste, die sie in der Hand hielt und überflog die Ideensammlung noch einmal. Doch, einiges davon war wirklich gut – und ein paar Sachen davon würde sie sogar selbst ausprobieren, und das möglichst bald…

* * *

"Das hier finde ich ganz gut." meinte Jennifer und tippte mit dem Finger auf eine Textstelle in der Mitte der ersten Seite. "Das würde ich gerne machen."

"Das habe ich mir schon fast gedacht." grinste Ellie und schenkte sich eine weitere Tasse Tee ein. "Ich habe es durchgelesen und sofort gewusst, dass das was für dich ist."

"Tja, du kennst mich halt." grinste Jennifer zurück. Sie griff nach ihrer eigenen Tasse und nippte kurz an dem heissen Getränk, stellte die Tasse dann wieder zurück und ging die Liste weiter durch. Ellie wartete geduldig, bis Jennifer wieder eine Idee gefunden hatte, die ihr gefiel. "Das hier klingt auch witzig."

Ellie blickte kurz auf die Liste und sah, was Jennifer gemeint hatte. "Ja, die finde ich auch nicht schlecht. Aber wenn du sie machen möchtest, dann lasse ich dir natürlich den Vortritt."

"Oh, du wolltest das machen?" fragte Jennifer.

"Ja, hatte ich vor."

"Nein dann mach’ du das, es sind ja noch genügend andere Vorschläge dabei, die mich interessieren."

"Zum Beispiel?" fragte Ellie.

"Hmm…" machte Jennifer und las weiter. "Die hier zum Beispiel. Oder das hier. Und die hier auch." Beim letzten Satz deutete Jennifer auf eine Stelle, die Ellie rot markiert hatte.

"Tatsächlich?" fragte Ellie verblüfft. Dass Jennifer sich dafür interessieren würde, damit hätte sie nicht gerechnet. "Ich meine, traust du dir das wirklich zu?"

"Hmm naja, es klingt gut und versuchen würde ich es schon."

"Gut aber ich meine, wenn wir das umsetzen, dann solltest du es nicht nur versuchen." gab Ellie zu bedenken. "Es wäre schon gut, wenn du es dann auch schaffst."

"Versprechen kann ich das nicht." meinte Jennifer. "Aber ich finde die Idee cool."

"Das ist sie allerdings…" stimmte Ellie ihr zu. "Wobei cool vielleicht nicht das richtige Wort ist. Eher krass."

"Ja, das auch." Jennifer verzog ihren Mund zu einem schelmischen Grinsen. "Aber stell’ dir mal vor, ich schaffe das wirklich – das wäre fantastisch."

"Auf jeden Fall." gab Ellie ihr Recht. "Und danach hast du bestimmt nie wieder Hunger."

"Kann sein." meinte Jennifer. "Aber ich glaube, danach muss ich auch nie wieder was essen."

"Gut möglich." lachte Ellie. "Sonst noch was dabei, das dir gefällt?"

"Hmm also ehrlich gesagt finde ich fast alle Ideen ganz gut. Nur diese paar gefallen mir am Besten. Aber ich mach’ auch die anderen Sachen, wenn du das möchtest."

"Ok, werd’ ich mir merken." Ellie legte das Blatt beiseite und reichte Jennifer ein anderes, auf dem sie einige Ideen ihrer anderen Projekte notiert hatte. "Das hier wären noch ein paar sonstige Ideen. Vielleicht ist da auch etwas dabei. Wie wäre es mit der hier?" fragte Ellie und zeigte gleich auf die ganz zu Beginn stehende.

Jennifer las den Text und überlegte kurz. "Hmm ich weiß nicht. So etwas habe ich noch nie gemacht."

"Nur keine Sorge, so schwer ist das nicht. Und du hättest ja sogar Unterstützung." versuchte Ellie sie zu überzeugen.

"Eben das ist es ja. Ich hatte bislang noch nie einen männlichen Partner in den Videos." sagte Jennifer.

"Ich weiß. Vielleicht wäre es mal an der Zeit dafür?"

"Ich weiß nicht…" zögerte Jennifer. "Ich meine, das ist halt nochmal ein Schritt weiter in diese Branche hinein."

"So wie du das sagst klingt es, als wäre das was schlechtes."

"So meine ich es nicht… ich meine nur… ach du weißt schon was ich meine."

"Ja, tu’ ich." bestätigte Ellie. "Aber du brauchst dir da wirklich keine Sorgen machen. Ich habe den perfekten Partner für dich – also was das Video angeht – und der ist wirklich ganz nett. Und süß, er würde dir sicher gefallen. Sogar ich finde ihn attraktiv."

"Na wenn du das sagst…" antwortete Jennifer und zwinkerte Ellie zu, die zurück blinzelte. Jennifer wusste seit längerem, dass Ellie nicht auf Männer stand. Und seitdem war ihr noch mehr bewusst geworden, warum Susanna sich selbst als Mädchen für alles bezeichnet hatte…

"Wirklich, ich glaube schon dass das einen Versuch Wert wäre. Wenn es dir dann tatsächlich nicht gefällt, dann lassen wir es bleiben, aber ich würde wirklich gerne einen Termin vereinbaren." drängte Ellie sie.

Jennifer überlegte noch einen Moment. "Na gut." stimmte sie dann zu. "Aber wenn er mir nicht gefällt, oder wenn er mir nicht sympathisch ist, dann blasen wir die Sache gleich wieder ab."

Ellie nickte.

"Ok. Und wie heisst er eigentlich?" fragte Jennifer.

"Jan. Warte, ich habe hier irgendwo ein Bild von ihm." sagte Ellie und begann,ihre Unterlagen durchzusehen. Sie fand es und reichte es Jennifer.

"Nett." meinte Jennifer. "Er sieht nett aus."

* * *

Jan sah nicht nur nett aus. Als Jan das Set betrat, schaute Jennifer neugierig und auch etwas schüchtern zu ihm hinüber. Sie saß auf dem Bett und war gerade dabei, sich umzuziehen. Jan unterhielt sich gerade mit Ellie, begrüßte sie, und so konnte Jennifer ihn etwas genauer ansehen. Jan war schlank und hatte eine recht sportliche Figur, zumindest vermutete Jennifer das anhand seines Outfits – einer engen Jeans sowie einem Muskelshirt, das dieser Beziechnung alle Ehre machte. Sie schätzte ihn auf etwa Einsneunzig, womit er ein gutes Stück größer als sie selbst war. Und er trug sein dunkelblondes Haar modisch kurz.

"Sieht ganz gut aus, nicht wahr?" meinte Susanna, die Jennifer beim Umziehen half. Dieses "Kleid" war wirklich etwas umständlich anzuziehen, Ellie hatte nicht gelogen.

"Ja, doch… kann man nichts einwenden." gab Jennifer zu.

"Und keine Angst, er ist wirklich ganz nett. Viel lieber als man bei der Statur annehmen könnte." scherzte Susanna.

"Hmm, wäre der erste nette Türsteher, den ich kennen lerne." griff Jennifer Susannas Scherz auf.

Susanna lachte. "Du wirst schon sehen. Und jetzt zieh mal kurz deinen Bauch ein, ich will den Reissverschluss hochziehen."

Jennifer tat, was Susanna verlangt hatte, und dann hatte sie dieses verflixte Kleid endlich an. Verflixt eng war es auch irgendwie.

"Jetzt kannst du dich ihm vorstellen gehen." grinste Susanna.

Jennifer verdrehte die Augen. "Du kannst ganz schön gemein sein, weißt du das?"

"Ja." grinste Susanna weiter. "Trotzdem: er sieht dich ja sowieso gleich in dem Ding da – da kannst du genauso gut jetzt schon ‘Hallo’ sagen gehen."

Stimmte auch wieder, also ging Jennifer zu Ellie und Jan hinüber.

* * *

Der Videodreh verlief weitgehend ereignisarm. Das heisst: sowohl Jennifer als auch Jan spielten ihre Rollen perfekt. Im Gegensatz zu den Videos, in denen Jennifer üblicherweise mitwirkte, war hier fast alles gestellt. Die Texte waren natürlich improvisiert, aber der Ablauf war vorher abgesprochen gewesen. Jennifer war in der Tat sehr viel nervöser gewesen, als sie es vorher erwartet hatte. Sie wusste allerdings nicht, ob das einfach daran lag, dass sie nun gewissermaßen schauspielerte – oder ob die Aufregung erst gekommen war, als sie Jan das erste Mal wirklich gesehen und mit ihm gesprochen hatte. Jan gab sich allerdings alle Mühe, ihr ihre Aufgabe zu erleichtern und er war wirklich sehr nett. Je länger Jennifer um ihn herum sauber machte und aufräumte, und sich ganz allmählich entsprechend seiner Anweisungen immer mehr entkleidete – beim Öffnen des verdammten Reissverschlusses half er ihr natürlich, ganz wie es seine Rolle von ihm verlangte – umso leichter fiel ihr ihre Part.

Die Aufregung allerdings blieb bis zum Ende des Videodrehs bestehen.

Als Ellie irgendwann verkündete, dass sie alles im Kasten hatte, war Jennifer einigermaßen erleichtert und setzte sich auf das Bett. Sie war nur noch mit ihrem Höschen bekleidet und hielt immer noch den lächerlichen Staubwedel in der Hand, mit dem sie den nicht vorhandenen Staub weg gefegt hatte.

Jan kam zu ihr herüber. "Und? Froh? Jetzt wo alles vorbei ist?" fragte er mit seiner sanften Simme.

"Ja, ich bin schon etwas erleichtert…" gab Jennifer unumwunden zu.

"Schön." meinte Jan und lächelte. "Wenn ich das so sagen darf, du hast deine Rolle gut gespielt."

"Danke." meinte Jennifer." Du deine aber auch."

"Ach," winkte Jan ab, "ist zwar nett von dir, aber seien wir mal ehrlich: viel hatte ich ja nicht zu tun. Nur da sitzen und dir zusehen."

"Auch wieder war…" lächelte Jennifer.

"Aber was das angeht: beschweren kann ich mich jedenfalls nicht." meinte er und blickte sie ernst an. Jennifer wusste nicht, was sie darauf sagen sollte. Stattdessen hatte sie das Gefühl, dass sie rot im Gesicht wurde. "Na jedenfalls," sprach Jan nach einer kurzen Pause weiter, "wenn es dir nichts ausmacht, dann würde ich dich gerne noch etwas länger ansehen. Hättest du vielleicht Lust, anschließend eine Tasse Kaffee mit mir trinken zu gehen? Oder einen Tee?"

Jennifer war von dieser Einladung völlig überrascht, wusste auch nicht so recht, was sie davon halten sollte. Aus irgendeinem Grund wollte sie die Einladung aber nicht ausschlagen. Ihre Kehle war trocken geworden und so sagte sie nichts, nickte stattdessen.

"Schön." freute sich Jan. "Ich lade dich ein."

"Na ihr zwei Turteltauben?" fragte Ellie, die – offenbar schon vor einigen Augenblicken zu ihnen ins Set gekommen war. "Ihr versteht euch ja prächtig."

"Wollen wir’s hoffen." lächelte Jan, und Jennifer brachte ein knappes "Ja." hervor.

"Ok, wunderbar. Aber bevor ihr zwei beiden uns hier mit der ganzen Arbeit zurück lasst, sprechen wir uns noch kurz und vereinbaren gleich den nächsten Termin, ja?" Jennifer und Jan nickten. "Ach und Jennifer – vergiss nicht dich umzuziehen – oder besser gesagt, wieder anzuziehen." scherzte Ellie und blinzelte Jennifer zu. Dann wandte sie sich an Jan. "Du kannst so bleiben. Aber bring den Anzug wieder zurück. Ohne Flecken, wenn das geht."

"In Ordnung, Boss." gab Jan den folgsamen Angestellten.

Jennifer sagte nichts, machte sich aber daran, Ellies Empfehlung – als ob es die wirklich gebraucht hätte – zu folgen. Jan wartete, bis Jennifer sich umgezogen hatte.

Anschließend gingen die beiden einen Kaffee trinken.

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