kinjiro – Dinner for One

Der Eingangsbereich des Hotels war nahezu menschenleer, als ich ihn kurz nach 19 Uhr betrat. An der linken Wandseite des Raumes waren einige Tische und Stühle so platziert worden, dass jeweils eine Gruppe von vier Personen zusammensitzen konnte. Im Moment jedoch saßen lediglich zwei ältere Herren an zwei einzelnen Tischen. Der eine hatte die Augen geschlossen und döste vor sich hin, der andere führte ein Telefongespräch. Ich wandte den Kopf nach rechts und erblickte in etwa 20 Metern Entfernung den Empfangsschalter sowie einen jungen Mann, der die vornehme Dienstkleidung – eigentlich war es ein richtiger Anzug – des Hotels trug. Ich ging zu ihm hinüber und er begrüsste mich freundlich.

"Guten Abend die Dame, was kann ich für Sie tun?"

"Guten Abend. Wenn es Ihnen möglich ist, können Sie mir sagen, welches Zimmer das von Mr. Foster ist? Er erwartet mich." antwortete ich.

"Einen kleinen Augenblick bitte, ich werde nachsehen. Mr. Foster…" murmelte der Anzugträger und tippte etwas auf der Tastatur des Computers, fand, wonach er suchen sollte und sprach dann weiter, "Mr. Foster’s Zimmernummer ist die 316, im neunzehnten Stock. Es wird gleich jemand kommen, der Sie nach oben bringen wird."

Ich bedankte mich und blickte während der halben Minute, die ich auf den versprochenen "Begleiter" warten musste, nochmals durch die Eingangshalle. Vorhin hatte ich mich kaum getraut, den Raum näher zu betrachten. Dieses Hotel war keines, das ich normalerweise betreten würde. Schon hier unten im Eingangsbereich wurde einem klar, dass hier nur übernachtete, wer wenigstens Millionär war. Weisser Marmor zierte die Böden, und an den Wänden hingen Gemälde, bei denen vermutlich sogar der Rahmen mehr kostete als das, was ich jeden Monat verdiente. Und ich verdiente wahrlich nicht schlecht – was auch an Leuten wie Sam Foster lag.

Wie versprochen wurde ich abgeholt. Ein anderer, eher schmächtiger junger Mann namens Maurice, der die selbe Hotelkleidung trug wie derjenige am Empfang, geleitete mich zunächst zum Lift und fuhr dann die neunzehn Stockwerke mit mir nach oben. Der Lift bewegte sich nahezu lautlos, so dass mir das Knurren meines Magens umso lauter erschien. Mein persönlicher "Liftboy" tat so als hätte er es nicht gehört, aber es war mir dennoch unangenehm. Natürlich wusste ich, dass Maurice keine Ahnung hatte, aus welchem Grund ich hier war. Das heisst, möglicherweise wusste er schon, warum ich hier war, denn soweit ich wusste, bestellte Mr. Foster regelmäßig Damen aus unserer Agentur, die ihm den Abend versüßen sollten. Aber Maurice wusste aller Voraussicht nach nicht, wie ich Mr. Foster den Abend versüßen sollte. Allerdings half mir diese Überlegung nicht wirklich, das seltsame Gefühl, das ich schon seit dem Weg zu diesem Auftrag hatte, loszuwerden.

Es war ja auch mehr als ungewöhnlich, was Mr. Foster von seinen Begleitdamen erwartete. Als wir heute morgen unsere Buchung für den Abend erhalten hatten, waren mir natürlich nicht die mitfühlenden Blicke meiner Kolleginnen entgangen. Zunächst hatte ich mir nichts dabei gedacht, denn seit ich bei dem Begleitservice arbeitete, hatte ich schon einige Aufträge angenommen, die deutlich mehr als nur "Begleitung" vorgesehen hatten. Als ich mich dann aber erkundigte und erfuhr, was heute auf mich zukommen würde, da erschrak ich doch ein wenig. Offenbar führte Sam Foster die gebuchten Damen zu einer Art "Dinner for One" aus, bei dem die jeweilige Begleitdame dann essen musste. Zuerst verstand ich nicht, was das bedeuten sollte, doch es sollte mir schnell klar werden. Jede meiner Kolleginnen, die bereits von Mr. Foster engagiert worden war, berichtete mir davon, dass es sich hierbei nicht um ein normales Essen handeln würde, sondern vielmehr um ein Gelage, bei dem bis zum geht nicht mehr gefressen werden musste. Ich brauchte einige Minuten, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Natürlich hätte ich den Auftrag ablehnen können, doch die Berichte meiner Kolleginnen hatten mich auch ein wenig neugierig gemacht. Zumal Sam Foster offenbar ein mehr als großzügiges Trinkgeld gab.

Der Lift hielt und die Türen glitten kaum hörbar auseinander. Maurice bat mich, ihm zu folgen, und er brachte mich zu Mr. Foster’s Zimmer. Auf jeder Etage gab es nur zwei Suiten, die gemessen an der Größe des Hotelkomplexes riesig sein mussten. Trotzdem mussten wir nur wenige Schritte zurücklegen, ehe wir vor der Zimmertür standen. Reiche Leute schätzten Bequemlichkeit sehr, und scheinbar hieß das auch, nur soweit zu gehen, wie man unbedingt musste. Maurice drehte sich um und entfernte sich, und ich brauchte nur noch anzuklopfen, bevor mein großes Fressen beginnen würde. Ich musste über den Gedanken schmunzeln. Den ganzen Tag hatte ich auf Wunsch von Mr. Foster nichts gegessen und war jetzt dementsprechend hungrig. Aber, so sagte ich mir, wenn ich den Auftrag schon angenommen hatte, dann wollte ich auch mein Bestes geben. Ich ballte meine Hand und klopfte vorsichtig an der Tür. Wenige Sekunden später wurde mir geöffnet. Ein Mann, nicht viel älter als 40, stand in der Tür und musterte mich eingehend mit seinen graublauen Augen. Sein Haar war kurz geschnitten und sehr dunkel. Er trug ein weißes Seidenhemd sowie eine schwarze Hose, dazu ebenfalls schwarze Schuhe.

"Sind Sie von der Agentur?" fragte er mich und ich nickte. "Wunderbar, kommen Sie herein, ich habe Sie schon erwartet. Ich bin Sam Foster, aber nennen Sie mich einfach Sam." bat er mich in sein Hotelzimmer. Ich trat ein und stellte mich ebenfalls vor.

"Lucia also? Ich darf dich doch so nennen?" ging er auf das Du über, und ich nickte abermals. "Lass’ mich dir deinen Mantel abnehmen." sagte er und half mir aus dem Kleidungsstück. Anschließend hängte er ihn in den großen Garderobenschrank, der sich rechts von ihm befand. "So, dann wollen wir es uns mal gemütlich machen." meinte er und deutete mir, ihm zu folgen. Er ging voran und führte mich in den Wohnbereich der Suite. Wir durchquerten nicht weniger als drei andere Räume, ehe wir dort ankamen. Alle waren überaus geräumig und sehr geschmackvoll eingerichtet. Ich mochte mir gar nicht ausmalen, was diese Suite für eine Nacht kosten würde, aber Mr. Foster war dergleichen sicherlich gewohnt und konnte es sich auch leisten. Dort angekommen setzte er sich in einen der Sessel und bat mich, mich wenige Meter vor ihn zu stellen. Ich tat wie mir geheissen und abermals musterte er mich von oben bis unten.

"Sehr schön, wirklich sehr schön…" murmelte er. Er blickte mich noch einige Sekunden an, dann fuhr er fort: "Nun, ich glaube es wird Zeit, den heutigen Ablauf fest zulegen. Setz’ dich doch." Er zeigte auf den Sessel, der ihm gegenüber stand, und ich nahm Platz.

"Du weißt vielleicht, warum du hier bist. bzw. was ich heute Abend von dir erwarte?" Er warf mir einen neugierigen Blick zu, und ich nickte. "Gut, man hat es dir also schon gesagt." er lächelte. "Wie dem auch sei, bevor wir anfangen, möchte ich dich bitten, dich um zuziehen. Dort drüben…" er deutete zur linken Seite des Raumes, "ist ein Badezimmer, ich habe dort etwas zum Anziehen für dich. Wenn du dich umgezogen hast, werden wir essen. Wenn du mich heute Abend zufriedenstellen kannst, dann werde ich dir das dreifache deines Monatsgehaltes zusätzlich zu deiner üblichen Gage zukommen lassen."

Ich schluckte, denn das war eine Menge Geld, die er mir da anbot. Zwar wusste ich, dass er ein großzügiges Trinkgeld zahlen würde, aber dass es so viel sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet.

"Einverstanden." antwortete ich. Die Entscheidung war mir nicht schwer gefallen, zumal ich sie ja ohnehin schon früher am heutigen Tage getroffen hatte.

"Sehr schön, dann zieh’ dich bitte um. Wenn du fertig bist, komm’ wieder hier her." bestimmte er, und ich stand auf und ging in das Badezimmer.

Das Badezimmer war nicht weniger stilvoll eingerichtet als die restlichen Räume. Ich schloss die Tür und sah die für mich bereitgelegten Kleidungsstücke auf einem hölzernen Regal neben dem Waschbecken liegen. Etwas verwundert stellte ich fest, dass es sich dabei nur um einen schwarzen Lederslip sowie einen BH aus dem gleichen Material handelte. Ausserdem lag noch ein metallischer Gegenstand daneben. Ich ergriff ihn und erkannte, dass es sich um ein Bauchkettchen handelte. Ich schmunzelte, Mr. Foster mochte es also etwas "pikanter". Ich schlüpfte aus meiner Jeans und zog meine Bluse aus, dann legte ich Slip und BH hab, um sie mit den Sachen, die Mr. Foster bereit gelegt hatte, zu wechseln. Scheinbar hatte er mich etwas schlanker erwartet, denn der Slip lag ziemlich eng an, und auch der BH konnte meine Brüste gerade fassen. Spätestens aber als ich das Bauchkettchen angelegt hatte – ich bekam es gerade um meinen Bauch – war mir klar, dass die Sachen absichtlich zu klein gewählt waren. Nachdem ich mich umgezogen hatte, betrachtete ich mich ein letztes Mal in dem großen Badezimmerspiegel, bevor ich zu Mr. Foster gehen würde. Es war seltsam, normalerweise hätte ich solche Sachen nie getragen. Ich war zwar nicht wirklich dick, aber in diesen doch etwas zu klein gewählten Modellen wurde jedes einzelne Pfündchen, das ich zuviel auf die Waage brachte, gnadenlos zur Schau gestellt. Ich drehte mich zur Seite und ließ meinen Blick über mein kleines Buddha-Bäuchlein wandern. Am Ende des heutigen Tages würde es bestimmt nicht mehr ganz so klein sein. Aber anscheinend war es genau das, was Mr. Foster wünschte. Eigentlich, so muss ich zugeben, klang es gar nicht so schlecht, es sich einmal so richtig gut gehen zu lassen. Ich aß auch so ziemlich gerne, musste aber immer aufpassen, dass ich nicht zunahm. In der Agentur gehörte ich schon zu den rundlicheren Damen, und auch wenn es mir nichts ausmachte, wirklich dick werden wollte ich trotzdem nicht unbedingt. Und so hielt ich mich meistens zurück. Heute aber, da würde es anders sein. Ich hoffte nur, dass ich Mr. Fosters Wünsche würde erfüllen können. Ein lautes Knurren meines Magens rief mir erneut ins Gedächtnis, wie hungrig ich tatsächlich war. "Also dann," sprach ich mir Mut zu, "los geht’s". Dann ging ich zurück zu Mr. Foster.

Gleich nachdem ich aus dem Badezimmer getreten war stieg mir der Duft einer herzhaften Bratensoße in die Nase. Interessiert blickte ich durch den Raum und sah Sam Foster auf einem Stuhl an einem Tisch, der etwa in der Mitte des Raumes stand, sitzen. Vorhin hatte der Tisch noch nicht dort gestanden. Ausserdem sah ich, dass auf der gegenüberliegenden Wandseite des Raumes ein großes Buffet aufgebaut war. Ich fragte mich, wie lange ich wohl für das Umziehen gebraucht hatte, denn alleine das dekorieren des Buffettisches hätte mindestens eine Stunde dauern müssen. Andererseits traute ich Mr. Foster durchaus zu, dass er ganze Heerscharen von Bediensteten bezahlte, die selbst ein solches Buffet in wenigen Minuten hier aufbauen konnten.

"Ah, da bist du ja. Komm her, lass’ dich anschauen." sagte Sam Foster, als er mich erblickte. Er rückte den Stuhl etwas zurück und drehte sich zur Seite, so dass er mich direkt ansehen konnte. Beinahe ungeduldig winkte er mich mit beiden Händen herbei, und ich ging zu ihm hinüber. Ich konnte sofort erkennen, dass ihm gefiel, was er sah. Bis eben war es mir ein wenig unangenehm gewesen, mich so vor ihm zu präsentieren, aber nachdem ich ganz an ihn herangetreten war, ließ ich ihn sogar mit seinen Händen über meinen Bauch streicheln. Seine Fingerspitzen strichen sanft über meine kleinen Fettpölsterchen, und irgendwie gefiel mit das Gefühl, wie er mich berührte. Erneut knurrte mein Magen, diesmal ziemlich laut, und Sam Foster warf mir ein hämisches Grinsen zu.

"Gut, dann wollen wir anfangen. Setz’ dich doch." meinte er und deutete auf den Stuhl, der ihm in etwa eineinhalb Metern Entfernung gegenüber am anderen Tischende stand. Ich ging die wenigen Schritte um den Tisch und setzte mich. Erst jetzt erkannte ich, dass bereits eine Suppe – wahrscheinlich als Vorspeise – darauf wartete, den Anfang des Gelages zu machen. Sam Foster nickte mir zu und wir begannen zu essen. Ich nahm den Löffel und begann, die cremige Flüssigkeit in mein hungriges Bäuchlein zu befördern. Die Suppe war nicht zu heiss, und auch wenn ich nicht eindeutig sagen konnte, wonach sie schmeckte, so war sie doch sehr lecker. Es dauerte nicht lange, bevor sowohl Mr. Foster als auch ich unsere Teller geleert hatten. Ich war einen Augenblick vor ihm fertig, und nachdem er den letzten Löffel von der Suppe verzehrt hatte, lächelte er mich an. Dann stand er auf, nahm seinen Teller und kam zu mir herüber und stellte den meinen Teller in den seinen. Zu meiner großen Verwunderung deckte er selbst ab. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass im nächsten Moment aus irgendeiner Ecke des Raumes einer derselben Gehilfen, die das Buffet hergerichtet hatten, angeeilt käme um diese Aufgabe zu übernehmen, aber anscheinend waren wir allein. Mr. Foster brachte die beiden Teller zu einem kleinen Tisch, der am rechten Ende des Buffettisches stand und stellte unser Geschirr darauf ab. Dann drehte er sich zu mir und winkte mich herbei. Ich stand auf und ging zu ihm hinüber.

"Das hier," sagte er und präsentierte mit beiden Händen das angerichtete Buffet, "habe ich extra für den heutigen Abend herrichten lassen. Ich wusste nicht, was du magst, und so habe ich etwas mehr zubereiten lassen."

Damit hatte er mehr als nur ein wenig übertrieben, und tatsächlich hatte der letzte Satz nicht wirklich wie eine Entschuldigung geklungen. Es war ein Wunder, dass der Tisch sich nicht unter dem Gewicht der aufgetürmten Speisen durch bog. Sam Foster hatte ein Buffet zusammenstellen lassen, dem es wirklich an nichts fehlte. Es gab sowohl verschiedene Nudel- als auch diverse Fleisch- und Fischgerichte, dazu zahlreiche Beilagen und Salate. Daneben gab es auch exotischere Dinge, manches davon kannte ich nicht einmal. Zu guter letzt standen auch noch diverse Süßspeisen zur Auswahl, die aber wohl eher als Nachtisch gedacht waren. Das war wahrlich ein Buffet für Könige – oder, da Mr. Foster es ja eigentlich für mich zubereiten hatte lassen: für Königinnen.

Natürlich war es viel zu viel, als dass eine einzige Person alles hätte essen können. Aber das war wohl auch nicht Sinn der Sache. Zwar erwartete Sam Foster, dass ich heute Abend gehörig über die Stränge schlagen würde. Aber die große Auswahl sollte es mir nur erleichtern, dasjenige zu wählen, was ich auch wirklich mochte. Auf eine seltsame Art und Weise empfand ich diese Geste als überaus fürsorglich, obwohl ich natürlich wusste, dass es Sam Foster hauptsächlich um sein eigenes Vergnügen ging. Ob und wie viel Wert er darauf legte, dass es auch mir Spaß bereiten würde, wusste ich nicht.

Beim Anblick all der Leckereien lief mir das Wasser im Munde zusammen. Die verschiedenen Gerüche vermengten sich zu einem, und obwohl die Suppe als Vorspeise bereits in meinen Bauch gewandert war und diesen ein wenig gefüllt hatte, knurrte mein Magen erneut und forderte so Nachschub. Sam Foster notierte es mit einem zufriedenen Blick.

"Bitte, bedien’ dich. Es besteht kein Grund, noch länger zu warten. Du musst hungrig sein."

Damit hatte er Recht. Also kam ich seiner Aufforderung nach. Er reichte mir einen flachen Teller, und ich ließ meinen Blick ein weiteres mal über die Essensberge wandern. Ich entschied mich schließlich für einige Sushi-Röllchen, ausserdem nahm ich mir noch ein halbes dutzend Shurimi Sticks. Für den Anfang waren das leichte Speisen, die zwar recht sättigend waren, aber mit denen mein Magen nicht lange würde kämpfen müssen. Das könnte mir später zu Gute kommen. Davon abgesehen hatte ich schon immer eine Vorliebe für diese japanischen Leckereien gehabt.

"Eine gute Wahl." kommentierte Mr. Foster meinen Geschmack und machte sich daran, sich selbst am Buffet zu bedienen. Im Gegensatz zu mir nahm er sich jedoch ein Stück Entenbrust, das er mit einigen Beilagen und einer dunklen Soße garnierte. Anschließend deutete er mir, dass wir uns wieder setzen sollten, und ich folgte ihm zum Tisch und nahm erneut ihm gegenüber Platz.

"Also dann, lass’ es dir schmecken." wünschte er mir einen guten Appetit und wir begannen zu essen.

Schon nach dem ersten Bissen merkte ich, dass das die besten Sushi waren, das ich je gegessen hatte. Sie waren leicht gekühlt und noch ganz frisch, so als hätte man sie gerade erst zubereitet. Definitiv nicht zu vergleichen mit der Tiefkühlkost, die man in Supermärkten bekam und die ich mir sonst leistete. Auch der Reis, der den Fisch umrahmte, war überaus lecker. Neugierig geworden probierte ich sogleich einen der Shurimi Sticks und musste fest stellen, dass diese nicht weniger gut schmeckten. Erst war es mir ein wenig peinlich, aber es schmeckte einfach so gut, dass ich gar nicht anders konnte als bei diesem Geschmackserlebnis wohlig aufzustöhnen. Sam Foster allerdings schien von meiner Reaktion durchaus angetan zu sein, und so gab ich mir keine Mühe mehr, mich zurückzuhalten. Und das sollte auch für den Rest des Abends so bleiben.

"Das schmeckt fantastisch, Sam. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so gut gegessen zu haben." ließ ich ihn wissen.

Er nickte und meinte dann: "Freut mich, dass es dir schmeckt. Das macht deine Aufgabe heute Abend leichter."

Ich überlegte kurz, dann entschied ich mich dafür, ein wenig mit ihm zu spielen. Immerhin zahlte er eine Menge Geld für den heutigen Abend, und auch wenn es nur ein Job für mich war – was sprach dagegen, diesen mit Spaß zu erfüllen? Zumal ich bereits jetzt bemerkte, dass diese doch ein wenig ungewöhnliche Situation mich selbst auf eine bisher nicht gekannte Art und Weise faszinierte. Das Warum konnte ich mir in diesem Moment allerdings noch nicht erklären.

"Ich glaube, das wird kein Problem sein. Wenn es schmeckt, dann kann ich auch zulangen." antwortete ich keck und schlug sanft mit der flachen Hand auf mein Bäuchlein. Die Berührung ließ die dünne Speckschicht erzittern. Mr Foster hatte das vermutlich nicht gesehen, wohl aber den leisen Klaps gehört.

"Davon will ich mich sehr gern überzeugen lassen." meinte er mit einem Lächeln im Gesicht.

Ich aß weiter, relativ hastig, so dass mein Teller schon nach wenigen Minuten geleert war. Sam Foster sah es und gab mir zu verstehen, dass ich mir gerne und jederzeit Nachschlag am Buffet holen konnte oder besser gesagt: sollte. Ich schob meinen Stuhl zurück und stand auf, dann ging ich wieder zum Buffettisch hinüber um mich erneut zu bedienen.

Ich war mir nicht ganz sicher, wofür ich mich dieses Mal entscheiden sollte. Die Auswahl war einfach zu groß, aber ich wusste, dass ich mehr essen würde können, wenn ich meinen Gaumen nicht zu sehr an einen bestimmten Geschmack gewöhnte. Trotzdem nahm ich mir schließlich erneut einige Sushi und nochmal ein halbes dutzend der Shurimi, nachdem mir die erste Portion einfach zu gut geschmeckt hatte. Vielleicht konnte ich ja doch nicht so viel essen, wie ich glaubte und Sam Foster gerade noch versichert hatte, und in diesem Fall wollte ich wenigstens das, was mir besonders gut schmeckte, auskosten.

Nachdem ich alles auf den Teller geladen hatte, begab ich mich auf meinen Platz zurück und machte mich daran, weiter zu essen. Sam und ich unterhielten uns kaum, nur gelegentlich wechselten wir ein paar Worte. Ausserdem fiel mir auf, dass Mr. Foster sich gar nicht so sehr für mich zu interessieren schien, wie ich erwartet hatte. Die meiste Zeit hatte er den Blick gesenkt und aß selbst schweigend seinen Teller leer, und nur ab und zu blickte er auf um zu sehen, wie ich es mir schmecken ließ. Diese Erkenntnis enttäuschte mich ein wenig, obwohl ich nicht wusste warum. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass es ihm gefallen würde, mir beim Essen zuzusehen. Stattdessen waren wir wie ein altes Ehepaar, das zwar gemeinsam aß, aber sich bereits so an einander gewöhnt hatte, dass man den anderen einfach als selbstverständlich hin nahm.

Kurze Zeit später hatte ich auch meine zweite Portion geschafft. Sam hatte noch nicht ganz die Hälfte seines Gerichts gegessen, denn im Gegensatz zu mir hatte er sich Zeit gelassen. Natürlich hätte ich warten können, bis er fertig war, aber er hatte mir ja bereits vorhin zu verstehen gegeben, dass ich mich nicht um ihn zu kümmern brauchte. Es war also nicht nötig zu warten, bis er mich eingeholt hatte oder er mir erneut anbot, mich am Buffet zu bedienen. Ich hätte mir durchaus eine kleine Pause gönnen können, da ich ehrlich gesagt nach den Sushi-Röllchen und den Shurimi-Sticks ein leichtes Sättigungsgefühl zu verspüren begann, aber ich hielt es für besser, mein Mahl ohne Unterbrechung fortzusetzen. Zum dritten Mal begab ich mich also zu Buffettisch, um mich zu bedienen.

Nach all dem Fisch gelüstete es mich jetzt nach etwas anderem. Während ich überlegte, was ich nehmen sollte, merkte ich, dass ich mir bei jedem Gericht, über das mein Blick wanderte, vorstellte, wie es wohl schmecken würde und wie viel ich davon schaffen könnte. Ich war ein wenig erstaunt über mich selbst. War ich wirklich so verfressen? Vielleicht war das nicht das richtige Wort es auszudrücken, aber ich war es nicht gewohnt, dermaßen und ohne Reue schlemmen zu dürfen. Normalerweise hätte ich nach dem, was ich bisher bereits verzehrt hatte, nichts mehr gegessen, sondern eher überlegt, ob ich nicht bereits zu viel zu mir genommen hatte. Bis jetzt war mir dieser Gedanke allerdings überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Eigentlich ein schönes Gefühl.

Ich entschied mich schließlich für ein Nudelgericht, Spaghetti in Fleischsoße sollten es sein. Dieser Wechsel im Geschmack würde sich sicher bezahlt machen, zumal ich auch Spaghetti sehr gern aß. Nachdem ich meinen Teller mit einer großzügigen Portion behäuft hatte, ging ich zurück zum Tisch und setzte mich wieder. Ich griff nach Gabel und Löffel und begann wieder zu essen. Auch die Spaghetti schmeckten fantastisch, weit besser als ich selbst sie zubereiten konnte. Vor allem die Soße war gut gewürzt, ohne dass sie den Eigengeschmack der Nudeln zu sehr überlagert hätte, und so bereute ich meine Wahl nicht.

Mir fiel auf, dass es ziemlich leicht war, trotz des Sättigungsgefühls weiter zu essen. Vermutlich lag das einfach daran, dass es mir so gut schmeckte, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich es auch einfach genoss, mich endlich einmal nicht zurückhalten zu müssen. Eigentlich machte es mir überhaupt nichts aus, immer wieder einige Spaghetti auf die Gabel zu drehen, sie zu meinem Mund zu führen und zu kauen und zu schlucken. Auch wenn es sich ein ums andere Mal glich wie das Mal zuvor, so hatte dieses unbeschwerte Essendürfen doch etwas faszinierendes. Ausserdem fiel mir auf, dass Sam Foster nun gelegentlich zu mir herüber sah und prüfte, wie gut ich meine Aufgabe erfüllte. Das Wissen darum spornte mich nur noch mehr an, am heutigen Abend bis zum Umfallen weiter zu futtern.

Eine Weile aß ich ohne Probleme weiter. Sam Foster hatte sein Mahl bereits vor einigen Minuten beendet, und auch ich hatte schon gute drei viertel meiner Nudeln geschafft. Das machte sich mittlerweile auch ziemlich bemerkbar. Mein Magen war jetzt gut gefüllt und ich war gesättigt genug, um jederzeit Löffel und Gabel beiseite zu legen und aufzugeben. Natürlich wusste ich, dass Mr. Foster weit mehr erwartete. Aber auch ich selbst war noch nicht so weit, dass ich meinen Kampfgeist verloren hätte. Vielleicht half es, wenn ich mich ein wenig ablenkte. Vielleicht sollte ich Sam Foster einfach in ein Gespräch verwickeln. Nur worüber sollte ich mich mit ihm am besten unterhalten?

"Schmeckt es dir denn gut?" fragte er mich und nahm mir somit die Aufgabe ab, das Gespräch zu beginnen.

"Oh ja, es ist wirklich sehr lecker." gab ich wahrheitsgemäß Auskunft. Er blickte mich wortlos an und nickte nur, und ich erwartete, dass er das Gespräch fortsetzen würde. Als er das nicht tat, stellte ich ihm eine Frage. "Dieses… "Dinner for One"… was finden Sie daran?"

Er blickte mich einen Moment lang an, so als hätte er die Frage nicht richtig verstanden, dann seufzte er, lehnte sich in seinem Stuhl zurück und faltete die Hände über seinem Bauch.

"Ehrlich gesagt, " begann er, "habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht." Er ließ eine kurze Pause folgen, dann sprach er weiter. "Ich glaube, das ist etwas… gegenseitiges. Ich schenke ihr die Erfahrung, ohne Zwang etwas tun zu dürfen, und sie schenkt mir dafür ihre Hingabe. Nun ja, eigentlich ist es die Hingabe zu essen, aber so in etwa dürfte es wohl liegen…" Er lächelte verlegen, was mich ob seines bisherigen Auftretens ein wenig verwunderte.

"Ohne Zwang…" murmelte ich. "Soll das heissen, ich kann jederzeit aufhören?"

"Aber natürlich." bestätigte er mir. "Wobei ich es natürlich begrüssen würde, wenn du das nicht tätest. Ich schätze es nämlich sehr, wenn mein Gegenüber erkennt, das sie heute soviel essen darf wie sie nur will." Er blinzelte mir zu. "Davon abgesehen, Menschen können sehr gierig sein."

Ich war mir nicht sicher, ob er damit auf das in Aussicht gestellte Trinkgeld anspielte oder ob er sich auf die ungezügelte Fresslust bezog, die er seine Begleiterinnen ausüben ließ. Sein Gesichtsausdruck ließ weder auf das eine noch das andere schließen. Ich fragte nicht nach, zum Teil weil mir die Antwort wohl nicht gefallen hätte, wenn ich mit meiner ersten Vermutung richtig gelegen hätte. Andererseits versuchte ich zu verstehen, was er mir gerade erklärt hatte. Sam Foster hatte Spaß daran, Frauen zuzusehen, die mit Hingabe aßen. Das erschien mir auf eine seltsame Art und Weise absolut natürlich und dennoch ungewöhnlich zugleich. Wie wir alle war auch Sam Foster Teil unserer Gesellschaft, und auch wenn er reich war und damit in einer anderen Schicht verkehrte, so war er dennoch an die Regeln des Spiels gebunden. Und die besagten nun mal, dass eine solch ungezügelte Fresslust oder die Folgen davon nicht erwünscht waren. Ich selbst kämpfte wie beinahe jede andere Frau mit meinen überflüssigen Pfunden, ohne dass ich mir bisher wirklich die Frage gestellt hatte, wie überflüssig sie wirklich waren. Waren sie das überhaupt? Auch für Männer wie Sam Foster waren solche Regeln nicht ohne weiteres zu überwinden. Zwar wusste ich nicht, wie reich er wirklich war. Aber darauf kam es auch nicht an. Sam Foster mochte genügend Geld haben, sich sein Vergnügen zu kaufen. Dass er dabei nebenbei die Spielregeln nicht nur für sich selbst lockerte, sondern auch seiner Gespielin erlaubte, selbige zeitweise zu übertreten, war ein Zug, den man auf den ersten Blick womöglich gar nicht als das erkennen konnte, was er wirklich war: selbstlos. Er bezahlte nicht nur für sein Vergnügen, sondern auch dafür, seiner Partnerin an diesem einen Abend diejenige Hingabe zu ermöglichen, die sie sich sonst selbst nicht gönnte. In gewisser Weise bezahlte er dafür, dass diejenige Frau, die er ausführte, die Möglichkeit erhielt, ihre eigene Überzeugung von den Spielregeln zu überdenken. Aber auch Sam Foster vermochte es nicht, die Überzeugung einer kompletten Gesellschaft zu kaufen. Hier waren ihm andere zuvor gekommen, andere, die bedeutend reicher waren. Andere, die diese Regeln machten, denen wir alle uns unterwerfen sollten. Mit einem Mal verstand ich auch die gemischten Blicke meiner Kolleginnen vom Vormittag. Manche von ihnen hatten erkannt, was auch ich gerade verstanden hatte. Die anderen nicht, für sie war der Abend mit Sam Foster und seinem Angebot nur das seitenverkehrte Spiegelbild dessen gewesen, was sie früher gelernt hatten. Nur das sie jetzt nicht nichts essen durften, sondern im Gegenteil essen mussten.

"Und wie steht es mit dir?" fragte Sam und holte mich damit aus meinen Überlegungen zurück. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass er – während ich nachgedacht hatte – weiter gesprochen hatte, aber die Bedeutung dessen, was er gesagt hatte, sollte mir wohl für immer verborgen blieben – ich hatte nicht zugehört. Dementsprechend wusste ich auch nicht, worauf seine letzte Frage jetzt abzielte.

"Es tut mir leid, ich…" murmelte ich verlegen.

Sam Foster winkte ab. "Es ist in Ordnung, du brauchst dich nicht zu schämen. Je mehr du dich auf deine Aufgabe konzentrierst, desto besser." Erst jetzt bemerkte ich, dass ich nicht nur nicht zugehört hatte, sondern auch meine Spaghetti komplett aufgegessen hatte. "Ich stelle die Frage noch einmal: glaubst du, dass du gierig bist?"

Ich ärgerte mich ein wenig, dass ich mich so sehr in meine Gedanken gestürzt hatte. Offenbar hatte Sam Foster eine Erklärung nachgeschoben, wie er seine Behauptung, dass Menschen gierig sein konnten, gemeint hatte. Und nun erwartete er eine Antwort darauf, ob ich selbst gierig war. Ich überlegte kurz, was ich sagen sollte. Wenn ich mit meinen Vermutungen nicht völlig falsch lag, dann ging ich eigentlich kein Risiko ein, dass meine Antwort ihn enttäuschte. Wenn ich aber nicht Recht hatte…

"Ich weiß es nicht." antwortete ich ehrlich. "Aber ich glaube, ich bin nicht wegen des Geldes hier." Auch das entsprach zu einem großen Teil der Wahrheit. Wäre es mir nur um Geld gegangen, so hätte ich diesen Auftrag abgelehnt und einen anderen angenommen. Dann wäre mir zwar ein hübsches Trinkgeld, das ich ja eigentlich noch nicht verdient hatte, entgangen. Aber irgendwie war mir von Anfang an bewusst gewesen, dass ich nicht deswegen hier war. Es war meine Neugier gewesen, die mich den Auftrag hatte annehmen lassen. Neugier. Vielleicht war ich gierig danach gewesen, etwas neues zu erleben. "Ich glaube, ich war einfach neugierig." erklärte ich ihm.

"Ich verstehe." Sam Foster lächelte. "Bereust du deine Entscheidung?"

"Nein." antwortete ich entschieden und schneller als ich es selbst erwartet hätte.

Sam Foster nickte zur Bestätigung, dann rutschte er seinen Stuhl zurück und stand auf. Er verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und schlenderte ganz langsam zum Büffet, nahm sich einen kleinen Teller und gab ein Stück Schokoladentorte darauf. Dann drehte er sich um und blickte mich an.

"Nachtisch?" fragte er höflich.

Eigentlich war ich zum jetzigen Zeitpunkt mehr als satt, so dass ich gut und gerne darauf hätte verzichten können. Aber ich wollte den heutigen Abend richtig ausleben, nicht nur um Mr. Fosters Willen. Also nickte ich nur und bejahte. Wie ich es erwartet hatte, machte Sam Foster keine Anstalten, mir das Stück Torte oder etwas anderes zu servieren. Wenn ich einen Nachtisch wollte, so würde ich ihn mir selbst nehmen müssen. Also stand ich auf und ging abermals zum Büffet, um mir ebenfalls ein Stück der Schokoladentorte zu gönnen.

Zum ersten Mal am heutigen Abend fiel mir auf, dass das Schlemmen Folgen zeigte. Im Stehen stand mein Magen ein kleines Stückchen vor, gut gefüllt mit Sushi und Spaghetti, und das Bauchkettchen, das ich auf Sam Foster’s Wunsch angelegt hatte, umschnürte mein Buddha-Bäuchlein deutlich enger als zu Beginn. Unbewusst legte ich eine Hand darauf und streichelte sanft darüber. Die kleine, weiche Speckschicht verformte sich unter meinen Fingern in winzige Berge und Täler, die wie die Wellen eines Ozeans den Bewegungen meiner Fingerspitzen folgten. Sam Foster musterte mich zufrieden, und im Bewusstsein, seine Blicke zu genießen. nahm ich mir ein viel zu großes Stück von der Torte. Dann gingen wir beide zurück zum Tisch und setzten uns wieder auf unsere Stühle. Ich schlug die Beine übereinander, griff nach der kleinen Gabel und begann meinen Nachtisch zu verzehren.

"Und Sie, sind Sie gierig?" fragte nun ich, neugierig, was er wohl antworten mochte.

"Ich?" fragte er überrascht ob meiner herausfordernden Frage, sprach jedoch ohne lange zu zögern weiter: "Ich denke, das bin ich wohl. Andernfalls hätte ich wohl nicht das Geld, mir dieses Vergnügen zu leisten." Er ließ eine kurze Pause folgen und aß einen Bissen seines Tortenstücks, dann fuhr er fort: "Aber ich bin wie du auch neugierig. Diese Abende… sie mögen sich ähneln oder gar gleichen, aber doch weiß ich nie, wie der Abend verlaufen wird." Eine weitere Pause, dann blickte er mich verlegen lächelnd an. "Und um ehrlich zu sein, ich bin jedes Mal sehr nervös, wie die Dame, die ich eingeladen habe, reagiert."

"Tatsächlich?" fragte ich ehrlich erstaunt nach. Ich hatte erwartet, dass Sam Foster viel offensiver war was das anging. Andererseits war es eigentlich offensichtlich, dass das nicht der Fall sein konnte. Immerhin hatte er vorhin selbst gesagt, dass ich jederzeit aufhören könnte.

"Es ist wie ich es sage. Selbstverständlich habe ich es auch schon anders probiert. Dann ist es aber nicht das Gleiche." erklärte er. "Wie sagt man: geteilte Freude ist doppelte Freude."

"Ich verstehe." antwortete ich. Sam Foster’s Erklärung war schlüssig, echte Hingabe ließ sich nicht durch Zwang erreichen. Wenn er es hingegen schaffte, das Verlangen einer Frau zu wecken, dann konnte er genau diejenige Hingabe in den Augen einer Frau erkennen, nach der er suchte.

Ich hatte unterdessen doch arg mit meiner Nachspeise zu kämpfen. Schon vorhin war ich satt gewesen, doch das Stück Torte schien mir vorerst den Rest zu geben. Zwar schmeckte es wie alles andere, das ich bisher gegessen oder probiert hatte, herrlich. Doch im Moment war mein Magen einfach zu voll, als dass ich den Geschmack wirklich hätte genießen können. Auf eine gewisse Art und Weise musste ich mich sogar zwingen, weiter zu essen. Ich gab mir alle Mühe, mir meine Sattheit nicht anmerken zu lassen, doch je mehr ich von dem Stück aufgegessen hatte, desto schwieriger fiel es mir, weiter zu essen. Als ich schließlich den letzten Bissen hinunterschluckte und mich satt zurücklehnte, hatte ich das Gefühl, so voll wie noch nie zuvor in meinem Leben gewesen zu sein. Kurz betastete ich meinen Bauch, der in der Magengegend deutlich praller als üblich war, und ich fragte mich, ob ich es nicht doch übertrieben hatte. Und vor allem, wie ich heute noch mehr essen sollte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Abend schon zu Ende sein sollte.

"Ich hoffe, es hat geschmeckt?" erkundigte Sam Foster sich.

Ich nickte zur Antwort und fügte entschuldigend hinzu: "Ja, nur leider bin ich jetzt ziemlich satt…"

Sam Foster winkte gelassen ab. "Oh, keine Sorge. Der Abend ist noch jung, vielleicht hast du später wieder Hunger."

Ich war mir dessen zwar nicht so sicher, Sam Foster allerdings schien überzeugt davon zu sein. Vielleicht hatte er ja Recht, im Gegensatz zu mir hatte er schon mehrfach an einem Dinner for One teilgenommen. Zwar mehr als Zuschauer, aber es war ja nicht ausgeschlossen, dass man nicht auch auf diese Weise Erfahrung sammeln konnte. Zumal der Abend wirklich noch jung war, es war gerade halb neun, wie mir ein Blick auf die Uhr an der Wand verriet.

"Gut. Und wie sollen wir uns die Zeit bis dahin vertreiben?" fragte ich nach. Vermutlich war es nun an der Zeit, die üblichen Grenzen meiner Aufgaben als Begleitdame zu übertreten. Mr. Foster allerdings hatte etwas ganz anderes im Sinn.

"Tanzt du gerne?" fragte er mich lächelnd.

"Ja, doch." antwortete ich etwas zaghaft. Eigentlich tanzte ich sehr gern, doch im Moment wollte ich mich lieber ein wenig ausruhen.

"Sehr schön. Dann würde ich dich bitten, für mich zu tanzen." Er stand auf, drehte sich um und ging zu einer Stereoanlage, die sich in einem kleinen Holzregal an der Wand hinter ihm befand. Beides war mir bis eben nicht aufgefallen. Anschließend betätigte er einige Tasten, und wenige Sekunden später ertönte aus den Lautsprechern, die in allen Ecken des Raumes postiert schienen, nicht zu schnelle Popmusik in einer angenehmen Lautstärke. Sam Foster setzte sich wieder, dann bat er mich erneut, für ihn zu tanzen.

Ich stand etwas schwerfällig auf und stellte mich wenige Meter vor ihn. Eigentlich verspürte ich keine große Lust, mich jetzt auch noch durch eine Tanzeinlage zu verausgaben, aber irgendwie hatte ich auch das Bedürfnis, Sam Foster den Wunsch nicht abzuschlagen. Ich begann, mich im Rhythmus der Musik vor ihm zu bewegen, und ich ließ meine Hüften und meinen Bauch langsam kreisen – beinahe so, als würde ich einen Bauchtanz aufführen. Allerdings wirkte es bei mir wohl bei weitem nicht so elegant wie bei einer richtigen Bauchtänzerin, zumal mein voller Magen die Bewegungen nicht gerade erleichterte. Ausserdem kam ich mir reichlich komisch dabei vor, wie ich mich vor ihm hin- und her drehte, meinen Oberkörper bog und versuchte, ihn trotz meines prallen Buddha-Bäuchleins zu beeindrucken. Scheinbar gelang mir das aber besser als ich zunächst geglaubt hatte. Sam Foster schien durchaus Gefallen daran zu finden, wie ich trotz der offensichtlichen Folgen meines bisherigen Gelages gewillt war, ihn auf diese Weise zu betören. Wahrscheinlich, so dämmerte mir, kam es ihm sogar gerade darauf an, mich in diesem Zustand tanzen zu sehen. Er hatte gewollt, dass ich mich zuerst richtig satt esse, bevor er mir seinen Wunsch, für ihn zu tanzen, genannt hatte. Bei genauerer Betrachtung war es wohl tatsächlich so, dass das der einzige Grund war, weshalb ich überhaupt für ihn tanzen sollte. Ich begann mehr und mehr die meisten meiner Bewegungen so zu gestalten, dass mein kleines Bäuchlein richtig zur Geltung kam. Erst etwas zurückhaltend, aber nachdem ich merkte, wie sehr ich ihn damit begeisterte, steigerte ich es immer weiter, bis ich schließlich fast nur noch meine Körpermitte bewegte. Mit der Zeit merkte ich auch, wie das Sättigungsgefühl nachließ und mein Magen weniger drückte, so dass mir das Bauchkreisen immer leichter fiel. So tanzte ich fast eine halbe Stunde für ihn, bis er mir schließlich mit einem anerkennenden Lächeln im Gesicht zu verstehen gab, dass es genug sei. Bevor ich mich jedoch wieder setzen durfte, bat er mich, mir erneut vom Buffet zu nehmen.

Großen Hunger verspürte ich nicht, als ich meine Blicke zum wiederholten Male an diesem Abend über das Angebot wandern ließ. Ich brauchte dementsprechend lang, mich zu entscheiden. Nachdem ich bis jetzt Fisch und Nudeln probiert und eine süße Nachspeise verzehrt hatte, wählte ich nun etwas herzhafteres: Fleischbällchen. Sie waren nicht sehr groß, und so lud ich mir ein gutes dutzend davon auf den Teller. Ausserdem bediente ich mich gemessen an dem, was ich heute Abend schon alles gegessen hatte, reichlich am Kartoffelbrei. Nachdem ich alles auf den Teller getan hatte, ging ich zurück an den Tisch und setzte mich wieder.

Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, aber schon nach wenigen Bissen stellte ich ziemlich überrascht fest, dass es mir weit weniger Probleme bereitete, weiter zu futtern, als ich gedacht hatte. Das Völlegefühl war schon während des Tanzens verschwunden. Was mich aber noch mehr erstaunte war, dass ich mich zwar satt fühlte, gleichzeitig aber allein durch die erneute geschmackliche Veränderung meinem Appetit wieder auf die Beine half. Dass die Fleischbällchen und ebenso der Kartoffelbrei nicht weniger gut schmeckten als alles andere es zuvor getan hatte, verstand sich wohl von selbst. Und so aß ich weiter, langsamer als vorhin, aber doch schnell genug, um nicht zu früh aufgeben zu müssen.

Mit jedem Bissen, den ich schaffte, merkte ich, wie mein Magen sich weiter füllte und ganz langsam, Stückchen für Stückchen, weiter anschwoll. Auf eine gewisse Art und Weise empfand ich das als unangenehm, immerhin entsprach es so gar nicht dem, was man von einer Frau erwarten würde. Davon abgesehen drückte mein Magen auch ziemlich wegen des vielen Essens, das ich bislang hinein befördert hatte, und ich fühlte mich ziemlich aufgebläht. Andererseits belustigte es mich auch ein wenig zu sehen, wie mein sonst zwar nicht flacher, aber doch flacherer Bauch ganz langsam die Form einer prallen Halbkugel einnahm. Ein bisschen erinnerte es mich an Comics und Zeichentrickserien, die ich als Kind gelesen oder gesehen hatte.

Wenn nur dieses Bauchkettchen nicht gewesen wäre! Ich hatte meinen Teller noch nicht einmal bis zur Hälfte geleert, und schon jetzt engte es meinen Leib fast schmerzhaft ein. Eigentlich passte das nicht ganz zu dem, was Sam Foster vorhin gesagt hatte: ich sollte mich dabei wohl fühlen. Mit diesem schmalen, metallenen Gürtel war das alles andere als leicht. Mehrmals versuchte ich, das Kettchen ein wenig hinauf- oder hinunter oder es sonstwie zurecht zu ziehen, aber egal was ich tat, es blieb eng, und es schnürte meinen prallen Magen ein. Irgendwann gab ich mein Vorhaben auf, nachdem sich ein Erfolg einfach nicht einstellen wollte. Genau in diesem Moment stand Sam Foster auf, kam zu mir herüber und ging in die Knie. Dann begann er, ganz vorsichtig den Verschluss des Bauchkettchens zu öffnen. Ich konnte spüren, wie seine Fingerspitzen sanft über meinen Rücken glitten und den Verschluss suchten und fanden, dann war der Druck mit einem Mal verschwunden und das Kettchen rutschte über meinen Schoß. Natürlich stimmte es nicht, aber ich hatte das Gefühl als würde mein Bauch sich auf der Stelle nochmal ein ganzes Stück weiter nach vorne wölben als er es ohnehin schon tat. In Wirklichkeit entspannte ich mich einfach und genoss die neu gewonnene Freiheit meiner Körpermitte. Dazu kam noch das Gefühl, satt und zufrieden wie nie zuvor in meinem Leben gewesen zu sein, und ich merkte, wie ich erschauderte. Dieses hemmungslose Fressen machte nicht nur Spaß, es erregte mich zunehmend. Für einen kurzen Moment vergaß ich alles um mich herum und genoss einfach den Augenblick.

Sam Foster hatte sich bereits wieder auf seinen Platz mir gegenüber zurück begeben, ohne dass er mich nochmals berührt hatte. Das war schon beinahe dreist – ich war mir sicher, dass die Situation ihn mindestens ebenso erregt hatte wie mich selbst. Sein gesamtes Verhalten an diesem Abend erstaunte mich mehr und mehr, die Abwechslung von Interesse und (gespielter?) Teilnahmslosigkeit machte mich neugierig, wie er wohl wirklich war. Viel hatte er nicht gesprochen heute Abend, zumindest nicht mit Worten. Sein Körper und vor allem seine Augen allerdings erzählten mir umso mehr, und ich merkte, wie ich gern mehr von ihm erfahren hätte. Vielleicht entsprach das nicht ganz der Wahrheit, aber ich wusste, dass ich ihn begehrte – eine Todsünde in meinem Beruf, aber was machte das schon aus, wo ich doch heute bereits gegen eine der sieben Todsünden verstoßen hatte? Dabei war, es immer noch zu tun?

Es war an der Zeit, mit meiner Völlerei fortzufahren. Die restlichen Fleischbällchen und der Kartoffelbrei waren schnell gegessen, und ich war fest entschlossen, dass ich Sam Foster’s Verlangen nach mir schon noch wecken würde. Ich hatte kaum den letzten Bissen hinuntergeschluckt, da stand ich auf und ging abermals zum Buffet und bediente mich reichlich. Nach Nudeln, Fisch und Fleisch lud ich mir nun wieder etwas Reis auf den Teller, den ich mit einer der zahlreichen Soßen, die bereit standen, übergoss. Dann ging ich zurück auf meinen Platz, setzte mich und nahm meine Gabel und begann sofort, das leckere Essen in mich hinein zuschaufeln.

Ich achtete mittlerweile nicht mehr so auf den Geschmack, und auch meine Tischmanieren liessen zunehmend nach. Der Versuch, so schnell wie möglich immer mehr in meinen eigentlich schon zum Platzen gefüllten Magen zu befördern, veranlasste mich, mit offenem Mund zu kauen, so dass ich nun ziemlich hörbar schmatzte. Ich musste auch einige Male aufstoßen, was Sam Foster aber nicht zu stören schien. Im Gegenteil, als ich mir beim ersten Mal noch die Hand vorgehalten hatte, hatte er mich ermuntert, dies sein zu lassen, und dem war ich natürlich nachgekommen. Die folgenden Male rülpste ich völlig ungeniert.

Kurze Zeit später hatte ich auch diese Portion geschafft. Mein Magen war jetzt randvoll gefüllt mit allerlei leckeren Gerichten, und mein Bäuchlein wölbte sich nun als richtiger Bauch prall nach vorn. Seit einigen Minuten war auch das eher unangenehme Völlegefühl zurückgekehrt, aber ich versuchte es so gut wie möglich zu ignorieren und erhob mich, um schon wieder Nachschlag vom Buffet zu holen. Obwohl es nur wenige Meter von mir bis zum Buffettisch waren fiel mir auf, dass mir der kurze Weg jedes mal ein Stückchen schwerer fiel. Zu Beginn hatte ich mich noch leichtfüssig und elegant dorthin bewegt, jetzt watschelte ich wie eine Mastgans hinüber. Ich konnte mir nicht erklären, warum ich eigentlich immer noch weiter machte. Eigentlich hätte ich schon lange aufhören sollen, aber trotzdem lud ich mir den Teller erneut mit allerlei Leckereien voll. Ich achtete nicht einmal mehr darauf, was genau ich da auswählte, achtlos gab ich von verschiedenen Speisen auf meinen Teller. Dann watschelte ich zurück auf meinen Platz und ließ mich schwer in den Stuhl plumpsen. Und wieder essen.

Es war nicht schwer zu erkennen, dass Sam Foster mehr und mehr Gefallen am Verlauf des heutigen Abends fand. Je mehr ich aß und je schwerer es mir fiel, desto mehr war ihm seine Begeisterung für mein Schauspiel anzumerken. Vielleicht war das der Hauptgrund, warum ich mich trotz des ächzenden Magens unbeirrt weiter vollstopfte. Zwar hoffte ich, dass ich ihn verführen konnte, bevor mir endgültig schlecht wurde und alles ein böses Ende nehmen würde, aber natürlich ließ er mich auch diesen Teller noch leer essen. Danach war ich so voll, dass ich das Gefühl hatte, sterben zu müssen, und gerade als ich zu glauben begann, immer noch nicht aufgeben zu dürfen und eine weitere Portion von was weiß ich welcher Leckerei in mich hineinzwängen zu müssen, da gab er mir endlich verstehen, dass es genug war. Meine Erleichterung darüber war grenzenlos, doch zeigen konnte ich das in diesem Moment nicht mehr. Zu voll war ich, als dass ich etwas anderes tun konnte als mich darauf zu konzentrieren, alles unten zu behalten. Sam Foster ließ mich eine Weile ausruhen, bis ich schließlich das bekam, was ich vorhin wirklich zu begehren begonnen hatte.

Erst später hatte ich begonnen, nochmal über seine Frage nachzudenken. War ich gierig? Als ich Sam Foster am Morgen danach verlassen hatte – er hatte mir wie versprochen ein unglaublich großzügiges Trinkgeld gezahlt, das ich nach allem eigentlich gar nicht mehr annehmen wollte – und im Fahrstuhl neben Maurice gestanden hatte und nach unten gebracht wurde, da war mir die Frage nochmal in den Sinn gekommen. Ich hatte es nicht wegen des Geldes getan. Ich hatte es auch nicht aus Neugier getan. Wahrscheinlich hat die Neugier geholfen, dass ich es angefangen habe. Doch dass ich weitergemacht hatte, das hatte an Sam Foster gelegen. Nun ja, vielleicht war ich gierig gewesen, gierig nach einem Mann, der mir diese Erfahrung geschenkt hatte.

Ich seufzte. Der Abend war schön gewesen, trotz seiner Folgen. Vorhin hatte ich meine Jeans nicht zubekommen, mein Bauch war immer noch mächtig angeschwollen gewesen. Zum Glück hatte Maurice das nicht sehen können, da ich wieder meinen schwarzen Mantel trug. Wenige Sekunden später hielt der Lift und die Türen glitten kaum hörbar auseinander. Maurice wünschte mir einen angenehmen Tag, ich dankte ihn und trat dann in den Eingangsraum des Hotels. Der Mann, der mich gestern am Schalter empfangen hatte, war durch einen Kollegen abgelöst worden, der mich höflich verabschiedete. Ich durchschritt den Eingangsbereich und trat nach draussen auf die Strasse, wo ich in ein Taxi stieg und nach Hause fuhr.

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