kinjiro – Die Wette

Elisa und ich stiegen aus der U-Bahn und marschierten wie die übrigen Fahrgäste auch zielstrebig auf die Rolltreppen zu, die uns wieder an die Oberfläche bringen würden. Es waren nur noch wenige Leute unterwegs, jetzt, gute zwei Stunden nach Feierabend. Dass Elisa und ich dazu gehörten lag daran, dass wir als ordentliche Studenten auch heute, am letzten Tag vor den Semesterferien, noch in die Vorlesung gegangen waren. Nun ja, eigentlich waren wir wie die meisten nur deswegen dort gewesen, weil es heute die Ergebnisse der Abschlussklausur gab. Umso mehr ärgerte ich mich jetzt über mein Ergebnis, nicht nur weil es für mich ziemlich überraschend gekommen war. Ich war durchgefallen, und das, obwohl ich nach der Klausur ein wirklich gutes Gefühl gehabt hatte. Aber ganz offenbar war ich wohl doch nicht so gut vorbereitet gewesen, wie ich es geglaubt hatte. Ich war daher ohnehin schon etwas gereizt. Und nun kam auch noch dazu, dass Elisa nicht gerade dazu beitrug, meine Laune zu heben.

Ich kannte Elisa schon sehr lange. Kennengelernt hatte ich sie in der Oberstufe am Gymnasium, und mehr oder weniger zufällig hatten wir uns nach dem Abitur für das gleiche Studium entschieden. So kam es, dass wir uns auch heute noch häufig sahen, nicht nur, weil wir die gleichen Vorlesungen besuchen mussten. Denn nachdem wir erkannt hatten, dass die Mieten selbst für Studentenwohnungen relativ hoch waren, hatten wir gemeinsam eine WG gegründet. Damals war uns das als eine gute Idee erschienen, und zumindest finanziell gesehen war es das auch immer noch. Aber dennoch plante ich, mir am Ende dieser Semesterferien eine eigene Bleibe zu suchen. Notfalls war ich sogar bereit, mir einen zweiten Nebenjob zu suchen, damit ich diese dann auch wirklich finanzieren konnte.

Elisa war eigentlich eine gute Freundin, aber sie war leider auch das, was man gemeinhin als Nervensäge bezeichnen würde. Meistens konnte man gut mit ihr auskommen, doch leider eben nicht immer. Das lag zu einem großen Teil daran, dass Elisa stets das Bedürfnis hatte, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Selten zeigte sie wirklich Interesse an den Problemen, die man selbst hatte, und wenn sie es tat, dann nur deswegen, um dann sogleich auf ihre eigenen Probleme – die natürlich immer viel schlimmer waren als die der anderen – zu sprechen zu kommen. So auch heute. Elisa hatte im Gegensatz zu mir die Abschlussklausur bestanden. Soweit war es auch kein Problem für mich, denn, so muss ich zugeben, sie war wirklich überaus fleissig und hatte sich gut vorbereitet. Dennoch hätte ich mir wenigstens heute etwas Aufheiterung von ihr erwartet oder wenigstens erhofft, denn immerhin handelte es sich im eine relativ wichtige Klausur, die ich da in den Sand gesetzt hatte. Elisa hatte aber wie üblich das Problem, das ich jetzt hatte, einfach ignoriert. Stattdessen jammerte sie mir nun schon seit mehr als einer Stunde – so lange hatten wir aus dem Vorlesungssaal bis hierhin gebraucht – vor, wie furchtbar ihr Ex freund doch war und wie schlecht er sie behandelt hatte und so weiter und so fort. Sie hatte sich erst vor wenigen Tagen von ihm getrennt, und offensichtlich erwartete sie nun, dass ich sie in dieser Entscheidung unterstützen würde. Tatsächlich aber hatte ich ihren Ex freund nicht nur gekannt, sondern sogar relativ gut leiden gemocht. Sie hatte ihn einige Male mit in unsere Wohnung gebracht, und ich fragte mich manchmal, ob die Trennung wirklich von Elisa ausgegangen war. Genauso war es möglich, dass er sich von ihr getrennt hatte, denn ich konnte mir kaum vorstellen, dass Elisa sich in einer Beziehung anders verhielt als sonst. Trotzdem versuchte ich, ihr zu zuhören und mich an dem Gespräch zu beteiligen, da ich mich so wenigstens etwas von meinem Ärger ablenken konnte. Auch wenn es heute nicht wirklich zu helfen schien.

Wir hatten gerade die Rolltreppe verlassen und steuerten auf die Ampel unweit des Bahnhofs zu, damit wir die Straße überqueren und das letzte Stück des Weges bis zu unserem Wohnblock zurücklegen konnten. Obwohl es bereits kurz vor acht war, war es noch relativ hell.

"Und weißt du was?" fragte Elisa mich. "Wegen diesem Idioten hab’ ich sogar noch zugenommen!"

"Ach was." antwortete ich beiläufig während ich darauf wartete, dass die Ampel auf Grün umschalten würde.

"Ja, bestimmt 3 Kilo!" sagte sie und rollte mit den Augen.

"Aha." murmelte ich.

"Wirklich, wenn ich es dir doch sage. 3 Kilo. An einem Tag." wiederholte sie ihre Behauptung.

"An einem Tag." wiederholte ich gedankenverloren. Es interessierte mich eigentlich nicht, was sie mir da erzählte.

"Ja. Nachdem ich von ihm weg bin, hab’ ich mich erstmal so richtig bei McDonalds überfressen." erklärte sie. "Ohne Scheiß, 20 Burger hab’ ich vor lauter Wut in mich rein gefuttert."

"20 Burger? Meinst du nicht, dass du etwas übertreibst?" fragte ich jetzt. Elisa war gut zwei Kopf kleiner als ich und hatte eine für meinen Geschmack viel zu zierliche Figur. Es fiel mir schwer zu glauben, dass jemand wie sie auch nur mehr als 2 Burger essen könnte, geschweige denn 20, wie Elisa eben behauptet hatte. Aber so war sie eben. Immer aus einer Fliege einen Elefanten machen.

"Was ist? Glaubst du mir etwa nicht?" fragte sie mich und warf mir einen etwas verärgerten Blick zu. Sie tat das immer, wenn sie das Gefühl hatte, nicht ernst genommen zu werden.

"Nein." antwortete ich ehrlich. "Das glaube ich dir wirklich nicht. Überleg’ doch mal, 20 Burger…"

"Soll das etwa heissen, ich lüge?" fragte sie empört.

Ich zuckte mit den Schultern. "Was weiß ich."

Elisa sagte nichts mehr, offenbar war sie jetzt sauer auf mich. Auch gut, denn noch viel länger hätte ich dieses Gerede über ihren Ex eh nicht ertragen.

Wenige Minuten später waren wir zu Hause angekommen. Wir verzogen uns beide in unsere Zimmer. Ich legte mich erstmal eine halbe Stunde hin, nach diesem Tag brauchte ich erstmal eine Pause. Später würde ich vielleicht noch etwas unternehmen, falls ich Lust dazu haben sollte. Im Moment allerdings wollte ich mich noch etwas ärgern. Das half zwar nichts, aber es schadete auch nicht. Immerhin war die Klausur schon geschrieben, ändern konnte ich das jetzt nicht mehr. Andererseits, es gab ja noch eine Wiederholungsklausur kurz vor Beginn des nächsten Semesters, vielleicht war es einfach nur notwendig, sich die als Ziel zu setzen. Auch wenn das bedeutete, in den Ferien wieder lernen zu müssen…

Ich seufzte und griff nach der Fernbedienung. Ich erwischte sie und schaltete dann den Fernsehapparat ein. Gelangweilt zappte ich durch’s Programm, wirklich interessantes schien es nicht zu geben. Schade, damit hätte ich mich jetzt sicher gut ablenken können. Vielleicht lief ja was im Kino, das mich interessieren würde. Ich überlegte kurz, ob ich ein paar Kumpels anrufen und etwas verabreden sollte, entschied mich dann aber dagegen. Ich konnte genauso gut allein ins Kino gehen, wahrscheinlich war das heute sogar besser. Ich setzte mich wieder auf und stieg dann aus dem Bett, dann ging ich kurz ins Bad. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht und frisiert hatte, war ich halbwegs vorzeigbar und wollte mich gerade auf den Weg machen. Da kam Elisa aus ihrem Zimmer und sah, dass ich gerade die Schuhe angezogen hatte und eine Jacke über meine Schulter warf.

"Gehst du weg?" fragte sie.

"Ja." antwortete ich knapp.

"Und wohin?"

"Weiß nicht. Ins Kino vielleicht." meinte ich.

"Welcher Film?" erkundigte Elisa sich.

Ich zuckte mit den Schultern. "Irgendwas wird schon laufen."

"Aha." murmelte Elisa. "Meinst du, ich kann mitkommen?" fragte sie.

"Naja, also eigentlich…," begann ich und ärgerte mich, dass ich nicht schon unterwegs war, "eigentlich… hast du denn nichts vor?"

"Nö." Elisa schüttelte den Kopf. Sie blickte mich einen Moment lang an, dann entschied sie: "Weißt du was, ich komme mit."

Mist, dachte ich. Laut sagte ich: "Na gut, aber beeil’ dich."

Wenig später saßen Elisa und ich in einem der vielen Lichtspielhäuser. Wir hatten Glück und bekamen zwei gute Platzkarten für einen offenbar recht ordentlichen Actionfilm; jedenfalls ließ die Schlange am Kinoschalter das vermuten. Das Kino war ziemlich voll, und eigentlich störte mich die Anwesenheit von Elisa wider Erwarten auch nicht. So sahen wir uns den gut zweistündigen Film an. Er war kein Meisterwerk, aber er war gut genug, dass sich meine Gedanken weg von der nicht bestandenen Klausur bewegten und ich statt dessen begann, mich sogar ein wenig auf die Semesterferien zu freuen. Sicher, ich würde lernen müssen, aber man lernte ohnehin das ganze Leben. Und es war ja nicht so, dass mein Leben von dieser einen Klausur abhing. Irgendwann sagte ich mir, was soll’s, und ich ließ einfach die Klausur Klausur und den Film Film sein.

Nachdem der Film zu Ende war, war es schon kurz nach 23.00 Uhr. Der Abend war eigentlich noch jung, aber ich wollte trotzdem lieber nach Hause. In den nächsten Wochen würde es genügend Möglichkeiten geben, abends etwas mehr zu unternehmen, und davon abgesehen hatte der heutige Abend seinen Zweck erfüllt. Elisa und ich machten uns also auf den Heimweg.

Wir verließen das Kino und gingen durch die Innenstadt in Richtung der nächsten Busstation. Natürlich hätten wir auch wieder mit der U-Bahn fahren können, aber Elisa mochte spät abends nur ungern damit fahren. Verständlich, denn manchmal trieb sich um diese Zeit doch einiges Gesindel in den unterirdischen Bahnhöfen herum. Also fuhren wir mit dem Bus, was nicht erheblich länger dauerte, als wenn wir die Alternative gewählt hätten. Der einzige Nachteil war vielleicht, dass es von der Endhaltestelle bis zu unserer Wohnung ein ganzes Stück mehr war, das wir noch zu Fuß zurücklegen mussten.

Der Bus hatte uns soeben abgesetzt und Elisa und ich marschierten nebeneinander her. Abgesehen von uns war kaum jemand unterwegs, was insofern etwas ungewöhnlich war, weil die Gegend, in der wir wohnten, auch einiges an mehr oder weniger einladenden Etablissements bot, in denen man seine nach feierabendliche Zeit verbringen konnte. Erst vor wenigen Jahren hatte man hier etliche Betonbauten aus dem Boden gestampft, die nun neben Einkaufsmöglichkeiten und einigen Bars auch so ziemlich alles andere boten, was man brauchte. Auf unserem Weg passierten wir auch eine Filiale der Fast Food-Kette mit dem bekannten goldenen M.

"Da," neckte ich Elisa und deutete ein Kopfnicken in Richtung des Fresstempels an, "willst du dir nicht mal wieder zwei dutzend Hamburger reinhauen?"

"Erstens waren es keine zwei dutzend, sondern nur 20 Hamburger. Und zweitens, was interessiert das dich?" fragte Elisa aggressiv zurück. Es war ziemlich leicht, sie zu verärgern. "Wenn’s nach dir geht, dann habe ich ja gelogen."

"So habe ich das nie gesagt." widersprach ich. "Aber du musst doch zugeben, niemand kann soviel von diesem Fast Food-Fraß essen."

"Natürlich kann man. Oder meinst du vielleicht, ich denke mir solche Sachen einfach aus?" gab sie zurück.

"Kann ja sein. Weißt du," sprach ich etwas ruhiger und mit ernster Stimme weiter, um Elisa nicht noch weiter zu verärgern, "manchmal übertreibst du halt doch ein wenig."

"Muss ich dir das etwa erst beweisen?" fragte sie, immer noch ziemlich gereizt wegen meiner Anspielung.

"Wie beweisen?" wunderte ich mich.

"Na, dumme Frage." antwortete sie kopfschüttelnd. Elisa blieb stehen und zwang mich so, ebenfalls Halt zu machen, wenn ich das Gespräch weiter führen wollte. "Wir können ja gerne wetten, dass ich die paar Burger schaffe."

"Eine Wette?" überlegte ich. "Findest du das nicht etwas lächerlich? Und überhaupt, was soll denn bitte der Einsatz sein? Eine Kotztüte, wenn du gewinnst?" Nach dem letzten, nicht ganz ernst gemeinten Satz musste ich grinsen, was Elisa offenbar erneut ärgerte.

"Ha ha, mach’ du nur deine Witzchen." sagte sie. "Erst behaupten, dass ich lüge, aber dann Angst davor haben, dass du Unrecht hast. Typisch."

"Na also so ist es ja nun nicht." stellte ich fest.

"Gut. Dann komm mit." befahl sie und machte kehrt, um wieder in Richtung des Fast Food-Restaurants zu gehen. Ich schüttelte ungläubig den Kopf und ging Elisa nach. Dass sie dickköpfig war wusste ich ja, aber dass sie einen derartigen Unfug veranstalten wollte, um etwas dermaßen Unwichtiges zu beweisen…

Wenig später saß ich Elisa an einem der Tische im Innenraum der McDonalds Filiale gegenüber. Vor ihr lagen 20 noch mit Folie umwickelte Burger – d.h., eigentlich waren es 19, einen davon hielt sie bereits in Händen und aß ihn ziemlich schnell -; vor mir stand lediglich eine große Cola. Abgesehen von uns beiden waren keine weiteren Gäste anwesend. Und dementsprechend überrascht hatten sich die Angestellten gezeigt, als wir zu der späten Stunde herein gekommen waren. Und ihre Überraschung war noch deutlich gewachsen, als Elisa dann tatsächlich die 20 Burger bestellt hatte. Ich hatte erst gedacht, dass Elisa vielleicht doch nur scherzte, aber ganz offensichtlich hatte ich mich getäuscht und sie machte Ernst. Das wusste ich spätestens seit sie beim Bestellen darüber informiert worden war, dass die Burger erst noch zubereitet werden müssten, und sie nur ein knappes "Ok, dann warten wir." zur Antwort gegeben hatte.

Nun also saß sie vor mir und war dabei, diese Unmengen an Burgern auf zuessen. Ich war überzeugt, dass sie spätestens nach vier, maximal fünf Stück aufgeben und sich ordentlich über das raus geworfene Geld ärgern würde. Aber noch war es nicht so weit. Den ersten Burger hatte sie schon gegessen und den zweiten schälte sie gerade aus der Folie. Elisa aß ziemlich schnell, eigentlich kaute sie gar nicht richtig. Sie biss einfach ab und beförderte den Bissen beinahe sofort mit einem hörbaren Schlucken nach unten. Wenn sie so weiter machte, dann würde ihr spätestens in wenigen Minuten schlecht sein.

Allerdings geschah nichts dergleichen. Ich saß ihr die ganze Zeit schweigend gegenüber und beobachtete sie mehr oder weniger gelangweilt dabei, wie sie nicht nur auch den zweiten, sondern anschließend den dritten, vierten und fünften Burger nicht weniger hastig auf aß. Danach musste sie zwar leise aufstoßen – was sie in keiner Weise zu unterdrücken versuchte – und fasste kurz mit der Hand unter den Tisch, aber dann machte sie sich ohne Verzögerung daran, weiter zu essen.

Ich wusste nicht Recht, was ich von der ganzen Situation halten sollte. Es war doch reichlich absurd, was Elisa da veranstaltete. In einem gewissen Sinne war es zwar etwas, dass man ihr durchaus hätte zutrauen können, aber dass sie etwas derartiges dann wirklich versuchte… Wie dem auch war, auf eine gewisse Art und Weise fing das ganze allmählich an, mich zu interessieren. Es war zwar einerseits nicht besonders appetitlich, wie Elisa hier fraß, aber andererseits war ich neugierig, wie weit ihre Dickköpfigkeit reichen würde. Nie im Leben würde sie die 20 Burger schaffen, aber ich fragte mich, wann sie wohl aufgeben würde.

Elisa hatte unterdessen munter weiter gegessen und hatte nun schon neun der kalorienreichen Happen in sich hinein befördert. Ich selbst wäre längst satt gewesen, und bestimmt war Elisa das auch schon. Trotzdem machte sie nicht die geringsten Anstalten, aufzuhören. Bissen für Bissen wanderte in ihren Mund, und jedes Mal, wenn sie wieder einen ganzen Burger geschafft hatte, erwartete ich, dass sie sich geschlagen geben würde.

Nachdem Elisa bereits den elften Burger verzehrt hatte – wo packte sie das nur alles hin? – legte sie zum ersten Mal eine kurze Pause ein, allerdings nur, um sich rasch meine Cola zu greifen und einen großen Schluck davon zu trinken. Sie warf mir nur einen kurzen, ausdruckslosen Blick zu, während sie den Mundraub beging, sagte aber nichts. Dann lehnte sie sich zurück, griff erneut mit einer Hand unter den Tisch – vielleicht zupfte sie ihre Kleidung zurecht – und futterte anschließend weiter. Jetzt allerdings nicht mehr ganz so schnell wie vorhin.

Allmählich begann die ganze Sache wirklich interessant zu werden. Nach wie vor war ich davon überzeugt, dass Elisa die Wette nicht gewinnen würde. Dabei fiel mir ein, dass wir vollkommen vergessen hatten, einen Wetteinsatz fest zuhalten. Jedenfalls, der Berg an noch zu bewältigenden Burgern wurde mit der Zeit immer kleiner und Elisa tat sich offensichtlich immer schwerer, derart unbekümmert wie am Anfang weiter zu essen. Sie hatte jetzt schon dreizehn Burger geschafft, beinahe das Dreifache von dem, was ich ihr im äussersten Fall zugetraut hatte, und langsam aber sicher war ihr die Anstrengung, die mit dieser Fressorgie offensichtlich verbunden war, anzusehen. Immer öfter atmete sie einige Male schwer ein und aus, bevor sie den nächsten Bissen in ihren Mund beförderte, und gelegentlich rülpste sie einfach ungeniert.

Elisa schaffte noch einen weiteren Burger, bevor sie zum ersten Mal, seitdem wir uns hingesetzt hatten, wieder etwas sagte.

"Puh, das ist anstrengend." sie lächelte mich verlegen an, und ich wusste nicht wirklich, wie ich ihren Gesichtsausdruck verstehen sollte.

Dafür verstand ich, was Elisa als nächstes tat, und es belustigte mich ziemlich. Schwerfällig erhob sie sich und öffnete mit einiger Anstrengung öffnete sie den Knopf ihrer Jeans. Das an sich war weniger amüsant, der Grund dafür allerdings schon. All das Essen, das Elisa in den letzten knapp 35 Minuten in ihren Bauch gestopft hatte, hatten denselben zu einer prallen Kugel anschwellen lassen, der sich offensichtlich etwas zu unangenehm gegen die Enge des Hosenbundes gewehrt hatte. Dem hatte Elisa nun ein Ende bereitet und ihren Bauch in die neu gewonnene Freiheit entlassen, die sich durch das Öffnen des Hosenknopfes ergab.

Elisa setzte sich wieder und ergriff ihren fünfzehnten Burger. Dass sie so dickköpfig war hatte selbst ich nicht gewusst. Vielleicht war sie auch einfach nur verrückt geworden, denn vernünftig war das alles hier nicht. Sie aß jetzt noch langsamer als vorhin, und ihrem Gesichtsausdruck nach musste ihr bereits ziemlich schlecht sein. Sie hatte ja nicht nur eine ganze Menge dieser Burger gegessen, sie waren zudem ziemlich fetthaltig gewesen, so dass es mich nicht gewundert hätte, wenn Elisa übel geworden wäre. Aber nicht nur die Geschwindigkeit, mit der sie aß, sondern auch die Art und Weise, wie sie es tat, hatte sich verändert. Vorhin hatte sie ohne zu kauen hinunter geschluckt, jetzt kaute sie lustlos jeden Bissen sehr lange, manchmal fast ein oder zwei Minuten. Aufgeben aber wollte Elisa immer noch nicht.

Ich saß ihr nach wie vor gegenüber und beobachtete sie bei ihrem mittlerweile verzweifelten Versuch, ihr gesetztes Ziel zu erreichen. Ein paar Mal hatte ich das Gefühl, dass sie jeden Moment aufspringen und in Richtung der Toiletten laufen würde. Falls sie es überhaupt bis dahin schaffen würde. Aber irgendwie schaffte Elisa es, alles unten zu behalten. Trotzdem musste sie sich nach einem und einem halben weiteren Burger geschlagen geben. Entmutigt legte sie den letzten, nur zur Hälfte aufgegessenen beiseite und blickte mich völlig erschöpft an.

"Ok, du hast gewonnen…" seufzte sie schwer atmend. "Ich schaff’ keine zwanzig Stück…" Sie lehnte sich zurück und streckte sich so gut sie konnte, dann legte sie ihre Hände auf ihren deutlich angeschwollenen Magen. Die pralle Wölbung unter ihrer Bluse war sogar jetzt zu erkennen, wo sie so da saß. "Oh Gott, ist mir schlecht…" jammerte sie.

Natürlich hätte ich jetzt sagen können, dass ich es ihr ja gleich so vorhergesagt hatte. Aber da ich weder wollte, dass Elisa es sich doch noch anders überlegte und diesen Unfug weitermachte und ich ausserdem ein fairer Sportsmann (Gewinner? Verlierer? Darüber war ich mir auch wegen des fragwürdigen Sinnes dieser Wette nicht ganz im Klaren) war, ließ ich es sein. Stattdessen zollte ich ihr ehrlich meinen Respekt. Es war zwar gewissermaßen unappetitlich gewesen, sie derart fressen zu sehen. Aber andererseits hatte sie mir wenigstens eine gute Show geboten. Auch wenn sie nicht alles geschafft hatte, so hatte sie doch weit mehr gegessen, als ich ihr zugetraut oder für möglich gehalten hatte. Als wir dann aber schließlich das Restaurant verließen und uns endgültig auf den Heimweg machten – Elisa hatte noch einige Minuten ausruhen müssen nach ihrem "Nachtmahl" -, da konnte ich mir eine Bemerkung dennoch nicht verkneifen:

"Sollen wir uns den Rest einpacken lassen?"

Leave a Reply