kinjiro – Das Weihnachtsfest

Marissa stand in der Küche und blickte zum Fenster hinaus, während sie die Soße umrührte. Es schneite immer noch, und die Äste bogen sich bereits unter dem Gewicht des Schnees. Beinahe gleichzeitig mit der Ankunft ihrer Eltern heute morgen waren die ersten Schneeflocken gefallen und hatten im Laufe des Tages die Welt mit einem weißen Schleier umhüllt. Marissa gefiel der Anblick, denn auch wenn sie nicht besonders christlich erzogen worden war, so mochte sie doch das Weihnachtsfest. Umso schöner, wenn es sich um eine weiße Weihnacht handelte. Und es hätte schon Gott weiß was geschehen müssen, um dies jetzt noch zu verhindern.

Marissa tauchte den Löffel in die Soße und kostete sie dann. Ein bisschen dickflüssig, aber das machte nichts. Marissa wusste, dass es Andreas auf jeden Fall schmecken würde. Und ihr Vater war ohnehin nicht wählerisch, wenn es ums Essen ging. Es war eigentlich ein Wunder, dass er trotzdem so schlank war, denn ihre Mutter kochte sehr gut. Wahrscheinlich war ihr Vater einfach ein guter Futterverwerter. Andererseits achtete Marissa’s Mutter auch darauf, dass sie keine zu fettreichen Speisen zubereitete. Marissa hingegen – nun, sie bevorzugte herzhafteres Essen, und seit sie von zu Hause aus- und mit Andreas in die erste eigene Wohnung gezogen war, hatte sich das bemerkbar gemacht. So hatte sie in den letzten vier Monaten langsam aber stetig zugenommen, was zu einem großen Teil sicher daran lag, dass Marissa beim Kochen nicht an Fett sparte. Gute sechzehn Kilo hatte sie sich angefuttert und wog nun fast 90 Kilo. Selbst für Marissa’s Verhältnisse war das deutlich zu viel. Anfangs hatte sie sich damit nicht so wohl gefühlt, aber Andreas schien damit kein Problem zu haben. Im Gegenteil, manchmal ermunterte er sie sogar, sich einen weiteren Nachschlag zu nehmen, und auch wenn sie eigentlich schon satt war, so gönnte sie sich doch meistens auch noch die dritte Portion. Marissa hatte sich schnell daran gewöhnt, dass Andreas es ernst meinte, wenn er ihr sagte, dass er sie auch mit einigen Kurven mehr genauso lieben würde. Vielleicht lag das auch daran, weil Andreas selbst nicht ganz schlank war. Auch er hatte durch Marissa’s Kochkunst, die der ihrer Mutter zumindest geschmacklich in nichts nachstand, einige Pfunde zugenommen. Es war Marissa fast peinlich, wenn sie so darüber nachdachte. Aber irgendwie gefiel ihr der Gedanke, dass sie und ihr Freund gemeinsam dicker geworden waren.

"Kann ich dir vielleicht bei etwas helfen?" riss die Stimme ihrer Mutter Marissa aus ihren Gedanken. Marissa hatte gar nicht bemerkt, wie ihre Mutter in die Küche gekommen war.

"Nein, danke." gab sie lächelnd zur Antwort. "Du brauchst mir nicht zu helfen. Wir feiern bei uns, also sind du und Papa Andreas’ und meine Gäste."

Ihre Mutter nickte zur Antwort so als sei sie einverstanden, trat aber dann doch an den Herd und schmeckte die Soße ebenfalls ab. "Wirklich lecker. Ein bisschen zu dick." meinte sie anerkennend und wollte gerade etwas Wasser dazugeben, um die Soße zu verdünnen, als Marissa ihren Arm ergriff.

"Nicht, Mama. Heute koche ich. Und du hast ja gesagt, dass die Soße lecker ist." mahnte Marissa ihre Mutter.

Ihre Mutter nickte abermals, dann trat sie einen Schritt zurück und faltete die Hände vor ihrem Bauch. Es fiel ihr sichtlich schwer, nicht das Kommando in der Küche zu haben, und Marissa tat ihrer Mutter den Gefallen und verdünnte die Soße nun selbst ein wenig. Dann warf sie einen Blick in den Backofen, wo der Braten vor sich hin schmorte.

"So, ich denke wir können in ein paar Minuten essen…" murmelte Marissa.

"Du und Andreas…" meinte ihre ihre Mutter, "ihr habt es euch ziemlich gut gehen lassen, nicht wahr?"

Marissa drehte sich zu ihrer Mutter um. "Wie meinst du das?"

"Ich hatte euch zwei irgendwie schlanker in Erinnerung." antwortete ihre Mutter trocken.

"Ja, das kann schon sein…" murmelte Marissa. "Aber weißt du, es ist doch normal, wenn man zusammen wohnt und mal ein bisschen zunimmt." versuchte Marissa zu erklären.

"Normal? Kind, dein Vater und ich leben seit mehr als 30 Jahren zusammen, und sieh uns an." entgegnete ihre Mutter.

Marissa warf ihr einen gelangweilten Blick zu. Sie kannte die Predigt, die vermutlich gleich folgen würde. Als sie noch zu Hause gelebt hatte, da war ihre Mutter nicht müde geworden, ihr immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass man besser schlank war. Es war gesund, schlank zu sein. Und ausserdem bekamen nur schlanke Mädchen einen Mann ab. Genau das waren die Worte ihrer Mutter gewesen, und Marissa ärgerte sich darüber, wenn sie nur daran dachte. Marissa war nie wirklich schlank gewesen, aber auch nicht richtig dick. Sicher, vielleicht war es gesünder, wenn man etwas schlanker war. Aber einen Mann hatte sie trotzdem abbekommen. Und überhaupt, wer sagte denn, dass dicke Mädchen alleine bleiben mussten? Ihre Mutter war in dieser Hinsicht ziemlich engstirnig, und uneinsichtig dazu. Ein wenig schadenfroh dachte sie an die Zeit, in der sie noch zu Hause gelebt hatte und ihre Mutter sie immer wieder und wieder auf Diät gesetzt hatte, nur damit sie irgendwann so aussehen würde, wie ihre Mutter sich das für sie vorstellte. Aber sie hatte keinen Erfolg gehabt. Marissa hatte immer einen Weg gefunden, die ihr verordnete Diät zu sabotieren. Manchmal hatte sie lange suchen müssen, aber irgendwann fand sie immer das ständig wechselnde Versteck, wo ihre Mutter die Süßigkeiten deponierte. Und wenn sie nach dem Abendessen noch hungrig gewesen war, dann hatte sie sich einfach spät abends heimlich noch etwas aus dem Kühlschrank genommen. Marissa hatte es nicht drauf angelegt, zuzunehmen. Und zugenommen hatte sie ja eigentlich in dieser Zeit nicht, sie hatte nur nicht abgenommen. Aber schon damals sah Marissa nicht ein, warum sie hungern sollte. Und seit sie mit Andreas zusammen war, hatte sie sich darüber eigentlich gar keine Gedanken mehr gemacht – einfach, weil sie es nicht brauchte.

"Sieh mal, ich will dir ja nichts böses. Ich mache mir eben Sorgen." antwortete ihre Mutter. "Du bist noch nicht einmal 25 und schon so… kräftig. Überleg’ doch mal, wie das in zehn Jahren aussieht, wenn du so weitermachst."

"In zehn Jahren," antwortete Marissa genervt, "kann ich 100 Kilo zu- und wieder abnehmen. Das Argument zählt also nicht."

"Das glaube ich gern. Zunehmen kannst du die sicher. Aber wieder abnehmen?" gab ihre Mutter stirnrunzelnd zurück.

"Jetzt hör’ doch mal auf, Mama. Du weißt genau, dass ich das nicht ernst meine." antwortete Marissa, ruhiger diesmal. "Ich weiß ja selbst, dass wir beide ein bisschen zugenommen haben, aber so schlimm ist das doch auch wieder nicht. Und Andreas stört es schließlich auch nicht."

"Na wenn du meinst…" seufzte ihre Mutter. Offenbar hatte auch sie keine Lust, die Diskussion weiter zuführen. Nicht an einem Festtag wie heute.

"Ja, meine ich. Und ausserdem ist das Essen jetzt fertig." antwortete Marissa. "Wenn du mir immer noch helfen möchtest, dann kannst du mir ja beim auftragen zur Hand gehen." Sie blickte ihre Mutter lächelnd an. Ihre Mutter lächelte zurück und nickte. Marissa füllte schnell die Soße in die Sauciere um und reichte diese ihrer Mutter, dann gab sie die Knödel auf einen Teller und schaltete ausserdem die letzte Herdplatte ab, auf der der Topf mit dem Blaukraut stand. Ihre Mutter hatte inzwischen die Sauciere zum Tisch im Esszimmer gebracht und nahm nun den Teller mit den Knödeln, um diesen ebenfalls dorthin zu bringen. Marissa füllte rasch das Blaukraut um, dann nahm sie zuletzt den Braten – gute zweieinhalb Kilo Schweinefleisch, dessen dunkle Kruste Marissa bereits das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ – aus dem Rohr und gab ihn auf einen großen, flachen Teller. Ihre Mutter kam zum dritten Mal und nahm das Blaukraut, und Marissa trug den Braten ins Esszimmer.

Andreas und ihr Vater hatten sich bereits an den Tisch gesetzt und staunten anerkennend über das Menü, das Marissa zubereitet hatte. Marissa war stolz auf sich, wenn es nur halb so lecker schmeckte wie es aussah, dann hatte sich die Arbeit auf jeden Fall gelohnt. Sie reichte Andreas das Messer und bat ihn, den Braten zu zerteilen. Andreas tat wie ihm geheissen und schnitt Scheibe für Scheibe von dem Fleisch ab und verteilte es erst an Marissa’s Eltern, dann an Marissa und schließlich an sich selbst. Obwohl Andreas die Stücke ziemlich dick herunter geschnitten hatte, waren noch etwa doppelt so viele übrig. Dann setzte er sich.

"Greift zu, ich hoffe es schmeckt." forderte Marissa die anderen auf, sich zu bedienen.

Marissa’s Vater bediente sich zunächst an den Knödeln, ausserdem nahm er sich reichlich Blaukraut und gab genügend Soße auf seinen Teller, um Marissa’s Mutter zu einem tadelnden Kopfschütteln zu bewegen. Andreas tat es Marissa’s Vater gleich und befüllte seinen Teller ebenso gut mit den Beilagen. Marissa’s Mutter hingegen warf erst einen prüfenden Blick auf den Knödelteller und nahm dann den kleinsten davon, gab etwas Blaukraut auf ihren Teller und goß zu guter letzt ein winziges bisschen der Soße über ihr Bratenstück. Als letzte bediente sich Marissa. Sie tat es Andreas und ihrem Vater gleich, so dass ihr Teller ebenfalls ein kleines Essensgebirge auf sich trug. Marissa brauchte ihre Mutter gar nicht anzusehen, sie wusste auch so, dass sie ihrer Tochter keine so üppige Portion erlaubt hätte.

"Also dann, Guten Appetit!" wünschte Andreas und die vier begannen zu essen. Marissa war gespannt, wie ihre Eltern auf ihre Kochkünste reagieren würden, immerhin war es das erste Mal, dass das Weihnachtsfest nicht im Hause von Mama und Papa gefeiert wurde. Normalerweise war es die Aufgabe ihrer Mutter gewesen, das weihnachtliche Festessen zu zubereiten, und umso gespannter war Marissa jetzt, ob sie dieser Aufgabe ebenso gerecht wurde.

"Das schmeckt wirklich sehr gut." kommentierte Marissa’s Vater als erster. "Schön saftig, das Fleisch. Und die Knödel sind auch nicht zu trocken. Und die Soße – ein Traum!" Er lächelte seine Tochter an und Marissa freute sich über das Kompliment.

"Da kann ich nur zustimmen. Wieder mal absolut lecker, Schatz." schloss Andreas sich Marissa’s Vater an und gab seiner Freundin einen Kuss auf den Mund.

"Und was meinst du?" fragte Marissa ihre Mutter gespannt.

"Es ist gut. Wie dein Vater schon sagte." antwortete die knapp.

"Ach Elisabeth, nun spring doch mal über deinen Schatten und gib zu, dass deine Tochter genauso gut kochen kann wie du." scherzte Marissa’s Vater, doch Marissa war auch so zufrieden. Sie wusste, dass es ihrer Mutter schon nicht leicht gefallen war, Marissa das Kochen zu überlassen. Da konnte sie kaum erwarten, jetzt auch noch überschwänglich mit Lob bedacht zu werden.

Eine Weile aßen die vier weiter. Marissa’s Vater zeigte sich nicht nur von ihren Kochkünsten begeistert, sondern er befragte das junge Paar auch interessiert, wie gut sie sich denn in ihrer ersten gemeinsamen Wohnung schon eingelebt hatten und was es ansonsten zu berichten gab. Marissa’s Vater hatte Andreas schon vom ersten Tag an gut leiden können, was für Marissa natürlich sehr erfreulich gewesen war. Im Gegensatz dazu war ihre Mutter mit Andreas nicht ganz zufrieden gewesen, da sie sich für ihre Tochter einen etwas sportlicheren und erfolgreicheren Partner gewünscht hatte. Andreas aber war weder ein muskelbepackter Adonis noch ein Spitzenmanager. Mit seinen 28 schob er doch ein beachtliches Bäuchlein vor sich her, und er war auch "nur" ein einfacher Handwerker. Marissa hingegen störte beides nicht, im Gegenteil – Andreas war genau so, wie sie sich einen Mann wünschte. Und damit hatte auch ihre Mutter sich abfinden müssen, nachdem sie erfahren hatte, dass Marissa und Andreas im nächsten Frühling heiraten würden.

Unterdessen hatten Marissa’s Vater und Andreas ihre Teller geleert, und einer nach dem anderen gönnten sich eine weitere, nicht weniger üppige Portion.

"Josef!" mahnte Marissa’s Mutter ihren Mann.

"Was ist denn? Wenn es doch so gut schmeckt…" warf er ihr einen entschuldigenden Blick zu.

"Richtig so. Wir gestandenen Männer müssen doch was essen, damit wir kräftig bleiben." unterstützte Andreas seinen zukünftigen Schwiegervater. Dann wandte er sich an Marissa: "Möchtest du auch noch was, Schatz?"

Marissa hatte ihren Teller zwar noch nicht ganz geleert – ein halber Knödel war noch übrig -, nickte aber und schob ihren Teller etwas nach vorn, so dass Andreas leichter und ohne etwas daneben zu geben den Teller erneut mit einer großzügigen Portion füllen konnte.

"Ist das nicht ein bisschen viel?" fragte Marissa lächelnd, aber Andreas schüttelte nur den Kopf. Er antwortete: "Sag’ bloss, dir schmeckt dein eigenes Essen nicht?"

Also machte Marissa sich erneut daran, ihren Teller zu leeren. Im Gegensatz zu ihrem Vater und Andreas aß sie die zweite Portion bereits ein wenig langsamer. Nur weil sie in den letzten Wochen und Monaten etwas zugenommen hatte hieß das nicht, dass sie regelmäßig so große Portionen verdrückte. Ausserdem war sie ja auch etwas kleiner als Andreas und ihr Vater, und zudem war sie eine Frau. Letzteres war es wohl auch, was ihre Mutter zu stören schien. Obwohl Andreas und ihr Vater sich weiter angeregt unterhielten, entging Marissa nicht, wie ihre Mutter ihr immer wieder tadelnde Blicke zuwarf. Marissa konnte sich gut vorstellen, was ihre Mutter jetzt wohl dachte. "Kein Wunder, dass sie so dick geworden ist. Wenn man so viel isst, dann muss man ja fett werden." Marissa kannte ihre Mutter einfach zu gut. Marissa’s Mutter gehörte leider auch zu den Frauen, für die schlank sein alles war. Warum das so war wusste Marissa nicht, aber sie wusste, dass ihre Mutter für sie das gleiche im Sinn hatte. Schon immer gehabt hatte. Als ob es so schlimm war, wenn jemand es sich auch mal schmecken ließ. Nicht einmal heute bei diesem Festessen konnte ihre Mutter anders. Dieses Wissen machte Marissa einerseits traurig, denn sie war der Ansicht, dass es wichtigere Dinge gab als zwanghaft schlank zu sein und zu bleiben. Aber es machte Marissa auch wütend, immerhin hatte sie so viel Arbeit in dieses Festessen gesteckt. Und jetzt sollte sie es nicht einmal essen dürfen?

Nach einer Weile stelle Marissa fest, dass das eigentliche Problem nicht so sehr im "Dürfen" bestand. Sie hatte mittlerweile gut die Hälfte ihrer zweiten Portion vertilgt und war bereits satt. Andreas hätte ihr ruhig etwas weniger Nachschlag geben können. Der Rock, den sie trug, hatte vorher schon ein wenig gespannt. Jetzt aber engte er ihren sich füllenden Bauch doch ziemlich ein. Vielleicht hätte sie doch etwas weitere Kleidung anziehen sollen. Oder "Halt" sagen sollen, als Andreas ihr die zweite Portion aufgeladen hatte. Marissa schob den zweiten Gedanken schnell zur Seite. So dachte vielleicht ihre Mutter, aber sie wollte sich nicht von solchen Überlegungen von diesem Genuss abhalten lassen. Heute hatte sie sich wirklich selbst übertroffen. Der Braten und die verschiedenen Beilagen schmeckten so gut, dass so mancher Küchenchef eines guten Restaurants neidisch geworden wäre. So futterte Marissa trotz des langsam stärker werdenden Völlegefühls munter weiter. Bissen für Bissen aß sie langsam aber stetig alles auf, was Andreas ihr auf den Teller geladen hatte.

Es dauerte nicht lange, bis Marissa – ein klein wenig später als ihr Vater und Andreas – mit ihrer zweiten Portion fertig war. Sie fühlte sich jetzt pappsatt und zufrieden. Marissa atmete einige Male tief ein und aus und rutschte ein klein wenig auf ihrem Stuhl nach vorn, so dass sie nicht mehr so gestreckt sitzen musste. Diese Haltung erleichterte den Druck, den sie in ihrem Magen verspürte, merklich, und ganz automatisch legte sie eine Hand auf ihren jetzt gut gefüllten Magen und massierte ihn mit den Fingerspitzen. Er fühlte sich ziemlich hart an, und am liebsten hätte Marissa den Reissverschluss ihres Rockes geöffnet, damit ihr Bauch nicht mehr derart eingeengt würde. Und wenn Marissa mit Andreas allein gewesen wäre, dann hätte sie die Befreiungsaktion wohl ohne zu zögern durchgeführt. So aber, mit ihren Eltern am Tisch…

"Möchtest du noch eine Portion?" fragte Andreas sie unvermittelt, als er kurz das Gespräch mit ihrem Vater unterbrach.

Bevor Marissa antworten konnte, schnaufte ihre Mutter hörbar ein und sagte dann mit ruhiger, aber dennoch ernster Stimme: "Übertreib’ es nicht, Kind. Auch wenn Andreas es gut mit dir meint, du hast jetzt genug gegessen."

Marissa merkte, wie das Verhalten ihrer Mutter ihr langsam auf den Geist ging. Mehr noch, jetzt im Moment war ihre Mutter richtig peinlich. Eigentlich war Marissa schon längst satt, aber so… gerade zum Trotz würde sie Ja sagen.

"Gern, ein bisschen Hunger hab’ ich noch." lächelte Marissa Andreas an und hielt ihm ihren Teller hin. Aus dem Augenwinkel erkannte sie, wie ihre Mutter sich spannte, aber offensichtlich überraschte diese offensichtliche Abfuhr sie auch, so dass sie nichts weiter sagte. Andreas hingegen tat als wäre nichts gewesen und gab seiner Freundin erst zwei weitere Knödel und dann ein zum Glück nicht ganz so großes Stück Fleisch wie vorhin auf den Teller. Er wollte gerade noch etwas von dem Blaukraut dazugeben, da deutete Marissa ihm mit einem Kopfschütteln, dass es genug war. In Wahrheit war Marissa sich nicht einmal sicher, ob sie diese nur wenig kleinere Portion als vorhin überhaupt schaffen würde. Marissa zog ihren Teller wieder zurück und stellte ihn vor sich ab.

Ein drittes Mal würde sie sich also jetzt durch ihr Weihnachtsmenü futtern müssen. Sie seufzte für die anderen unhörbar und machte sich daran, auch diese Portion irgendwie in ihren eigentlich schon ziemlich gut gefüllten Magen zu befördern. Die ersten Bissen fielen ihr noch ziemlich leicht, da sie schon immer gern gegessen hatte und insbesondere dann, wenn es schmeckte, zulangen konnte. Je länger sie aber da saß und ihren Teller leer futterte, desto mehr wurde ihr das Völlegefühl in ihrem prall gefüllten Magen bewusst. Mit der Zeit aß sie immer langsamer, versuchte aber zugleich, sich nicht anmerken zu lassen, dass sie eigentlich schon längst hätte aufhören sollen. Marissa tat einfach so, als wäre sie von dem was Andreas und ihr Vater beredeten, ungemein fasziniert und müsse einfach ihre Aufmerksamkeit darauf richten. Mittlerweile unterhielten die beiden sich über irgendwelche neuen Automodelle, die ihr Vater in seinem Autohaus verkaufen würde und von denen Andreas sichtlich begeistert war. Sie war sich zwar sicher, dass dieses Täuschungsmanöver ziemlich oberflächlich war, und zumindest ihre Mutter durchschaute sie bereits. Andererseits war das auch eine motivierende Vorstellung. Ihre Mutter hatte ihr verbieten wollen zu essen, und sie aß selbst jetzt noch weiter, obwohl sie bereits zum Platzen voll war.

Zum Platzen voll. Genau so fühlte Marissa sich mittlerweile. Sie hatte den ersten Knödel geschafft, und das Fleisch war sogar schon zu gut zwei Dritteln in ihren Magen gewandert. Die paar Bissen, die jetzt noch übrig waren, würden schon irgendwie in sie hinein passen. In Gedanken sprach Marissa sich selbst Mut zu, und nachdem sie sich eine weitere kurze Pause gegönnt hatte (in der sie abermals so tat, als würde sie dem Tischgespräch folgen), setzte sie ihr gleichwohl absurdes und provozierendes Gelage fort. Stück für Stück schnitt sie von dem Knödel und auch dem Fleisch ab und führte die Gabel wiederholt zu ihrem Mund. Mittlerweile kaute jeden Bissen ziemlich lange. Auf eine bisher unbekannte Art und Weise fühlte sich ihr Kiefer seit einigen Minuten seltsam taub an, fast so als wolle er ihrem Magen zu Hilfe kommen und ihn vor noch mehr Befüllung mit diesem Weihnachtsessen bewahren. Aber diesen Erfolg wollte sie ihrem Magen und erst Recht ihrer Mutter nicht gönnen.

Tapfer aß Marissa weiter. Es war erstaunlich, wie schwierig selbst eine so einfache Sache wie essen sein konnte, wenn man keinen Hunger oder wenigstens Appetit hatte. Ihr enger Rock machte die Sache nicht leichter, schnürte er doch jetzt ihren prallen Bauch schon beinahe schmerzhaft ein. Viel war es nicht mehr. Langsam aber sicher verschwanden die letzten Bissen erst in Marissa’s Mund und dann in ihrem Magen. Als Marissa schließlich die Gabel zum letzten Mal in das letzte Stückchen Fleisch stach, fühlte sie sich unglaublich erleichtert. Nur noch einmal kauen und schlucken, dann hatte sie tatsächlich auch diese Portion noch vertilgt. Satt lehnte sie sich zurück und legte die Hände über ihren vollen Bauch übereinander. Marissa war froh, dass sie entgegen ihrer ursprünglichen Planung nicht auch noch eine Nachspeise vorbereitet hatte – die hätte sie nach diesem üppigen Abendessen sicher nicht mehr geschafft.

"Möchte jemand einen Verdauungsschnapps?" fragte Andreas, nachdem er bemerkte, dass jetzt alle Anwesenden mit dem Essen fertig waren. Marissa’s Eltern bejahten die Frage ohne Zögern, und auch Marissa nickte nach kurzem Überlegen. Vielleicht würde der Alkohol ihren drückenden Magen ein wenig beruhigen können. Andreas stand auf und ging in die Küche. Etwas klapperte, und eine knappe Minute später kam er mit einem kleinen Tablett zurück, auf dem vier kleine Gläschen mit einer durchsichtigen Flüssigkeit darin standen. Er verteilte die Schnäpse und nachdem die Vier angestoßen und sich ein frohes Fest gewünscht hatten, leerten sie ihre Gläser.

Eine Weile blieben sie alle noch am Tisch sitzen, bevor Andreas schließlich begann, den Tisch abzudecken und das Geschirr in die Geschirrspülmaschine zu räumen. Die Reste des Weihnachtsessens – zwei Knödel und drei Scheiben des Bratens, die morgen noch einmal aufgewärmt werden könnten – gab er in eine Frischhaltebox und stellte diese in den Kühlschrank. Anschließend begaben sich Andreas, Marissa und ihre Eltern in das Wohnzimmer, wo sie im Licht der elektrischen Kerzen des Weihnachtsbaums einen gemütlichen Abend verbrachten. Kleine Geschenke wurden ausgetauscht, und es war schon nach Mitternacht, als Marissa’s Vater vorschlug, allmählich ins Bett zu gehen. Die anderen stimmten zu, und nach einer kurzen Umarmung begaben sich die vier in ihre Zimmer – Marissa und Andreas in ihr Schlafzimmer, ihre Eltern in das für sie hergerichtete Gästezimmer.

* * *

"Deine Tochter weiß wirklich, wie man ein leckeres Festessen zaubert." meinte Josef anerkennend, der sich bereits ins Bett gelegt hatte. "Das hat sie bestimmt von dir."

"Und den Appetit hat sie von dir…" murmelte Elisabeth. "Hast du gesehen, wie viel sie heute Abend wieder gegessen hat? Das Kind muss es immer übertreiben."

"Ach, nun lass’ sie doch. Erstens ist sie alt genug, und zweitens: man muss die Feste feiern, wie sie fallen." wischte Josef die Bedenken seiner Frau beiseite.

Die überhörte seine Antwort einfach. "Und hast du gesehen, wie Andreas ihr sogar noch mehr gegeben hat? Fast als wolle er sie mästen. Diese jungen Leute heutzutage…" Ungläubig schüttelte Marissa’s Mutter den Kopf.

"Andreas ist ein vorbildlicher junger Mann, und du solltest dich freuen, dass unsere Tochter sich für ihn entschieden hat. Erinnerst du dich noch an diesen… Sebastian? So hieß er doch, oder?" antwortete Josef.

"Lenk’ jetzt nicht ab. Andreas ist höflich, ja. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er so gut für Marissa ist…"

Marissa’s Vater machte eine gelassene Handbewegung. "Und wenn schon. Dann hat er ihr eben eine zweite Portion gegeben."

"Eine dritte." unterbrach Elisabeth ihren Mann. Sie hatte ihren Pyjama jetzt angezogen und legte sich ebenfalls ins Bett.

"Gut, eine dritte. Darauf kommt es ja auch nicht an. Hauptsache, die beiden sind glücklich miteinander."

"Dich interessiert es also gar nicht, dass deine Tochter immer dicker wird?"

"Was redest du denn da? Natürlich würde ich mir Sorgen machen, wenn sie zu dick würde. Aber sie hat eben einen gesunden Appetit, und so dick ist sie nun auch wieder nicht." antwortete Josef ruhig, obwohl ihm die Nörgelei seiner Frau auf die Nerven zu gehen begann.

"Noch nicht. Aber wenn sie so weiter macht, dann…" setzte Elisabeth nach.

"Dann kann sie immer noch abnehmen. Jetzt lass’ uns nicht darüber reden, was irgendwann mal sein könnte. Der Abend heute war schön, Marissa hat gut gekocht, und ich bin jetzt müde. Gute Nacht." beendete Josef die Diskussion und schloss die Augen.

"Na schön. Dann eine gute Nacht." meinte auch Elisabeth, schaltete das Licht der Nachttischlampe aus und wartete darauf, dass sie einschlief.

* * *

Andreas schlüpfte gerade in das Oberteil seines Schlafanzuges und stieg dann ins Bett, als Marissa das Schlafzimmer betrat. Sie hatte sich noch rasch die Zähne geputzt, bevor sie ins Bett ging.

"Ehrlich Schatz, heute hast du dich selbst übertroffen." lächelte Andreas sie an.

"Was meinst du?" fragte Marissa, die dabei war ihre Bluse auf zuknöpfen und den Rock auszuziehen.

"Dein Festessen – ich kann man nicht erinnern, wann du das letzte Mal so gut gekocht hast. Und das heisst was, weil du ja sonst schon so gut kochst."

"Danke, freut mich, wenn es dir geschmeckt hat." meinte Marissa ehrlich. "Meinst du meinen Eltern hat es auch so gut geschmeckt?" fragte sie nach einer kurzen Pause und stieg aus ihrem Rock.

"Deinem Vater bestimmt. Und deiner Mutter sicher auch." Den zweiten Satz hatte er nach kurzem Überlegen nachgeschoben. "Sag’ mal, muss ich da irgend etwas wissen? Etwas zwischen dir und einer Mutter?"

"Warum?" fragte Marissa.

"Ich meine nur, sie war die ganze Zeit so ruhig, und anscheinend hat ihr irgendwas nicht gepasst." erklärte Andreas.

Marissa hatte sich inzwischen bis auf die Unterwäsche ausgezogen und stellte sich nun so vor das Bett, dass sie Andreas direkt ansehen konnte. Sie überlegte kurz, dann sagte sie: "Meine Mutter findet, dass ich zu dick werde."

"Zu dick?" Andreas legte die Stirn in Falten. "Deswegen war sie so… komisch?"

"Ja, vermutlich." murmelte Marissa. "Und was meinst du?"

"Was ich meine?" Andreas verstand nicht gleich, worauf Marissa hinaus wollte. Die drehte sich zur Seite und strich mit der rechten Hand über ihren immer noch gut gefüllten Bauch, der sich etwas runder als üblich nach vorne wölbte.

"Ich bin dir also nicht zu dick?" fragte sie vorsichtig.

"Wie kommst du denn darauf? Du weißt doch, dass ich dich mit ein paar Kurven mehr genau so liebe. Das meine ich ernst, absolut." Das letzte Wort hatte Andreas auch genau so ausgesprochen.

"Und wenn ich richtig dick werde?" fragte Marissa weiter.

"Dann gibt es eben noch mehr von dir für mich zum Liebhaben." grinste Andreas. Er sah sie einen kurzen Augenblick an, dann meinte er: "Ausserdem, irgendwie war es ziemlich süß, wie du heute Abend gefuttert hast."

Marissa blickte ihn ungläubig an. "Wie ich heute gefuttert habe?"

"Ja. Ich hätte nicht gedacht, dass du das alles schaffst."

"Dann wärst du Schuld gewesen, du hast mir so viel gegeben." spielte Marissa die Unschuldige.

Andreas zuckte mit den Schultern. "Aber du hast es geschafft."

"Ja, habe ich." antwortete Marissa.

Die beiden blickten einander einige Sekunden wortlos an, dann stieg Marissa zu Andreas ins Bett. Er schob die Bettdecke über ihren kurvigen Körper und legte seine Hand auf ihren prallen Bauch. Marissa war nicht einmal verwundert, als er begann, denselben sanft zu streicheln und zu massieren, und die beiden rutschten immer näher zusammen, bis jeder die Wärme des anderen spüren konnte…

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