kinjiro – Das Märchen vom nimmerleeren Teller

Es war einmal vor langer Zeit, da lebte der Bauer Hans zusammen mit seiner Bauersfrau Hanna im Land des Königs Grummel dem Ersten. Der Hof des Bauers Hans war klein, ein steinernes Häuschen mit wenig Land und Feld und noch weniger Tieren. Gerade einen Acker gab es zu bewirtschaften, dazu ein kleines Gemüsebeet. An Tieren hatten die Bauersleute ein Schwein, eine Kuh, einen Hahn und eine Henne. Es ließ sich schlecht leben mit der wenig Hab und Gut im Lande des Königs Grummel I., denn König Grummel I. war ein schlechter König. Immerzu verlangte er hohe Steuern von seinen Untertanen, und wenn sie nicht bezahlen konnten, so ließ er sie ins Verließ werfen. Darauf forderte er Hab und Gut des Eingesperrten ein und lebte selbst in Saus und Braus. Doch des Königs Untertanen begehrten niemals auf, denn der König lebte in einer Burg, umgeben von hohen Mauern und unmöglich einzunehmen. So kam es, dass bald viele Leute im Lande des Königs Grummel I. an Hunger litten.

Eines Tages war es wieder an der Zeit, dass des Königs Schergen kamen um die Steuern einzufordern. Der Bauer Hans und seine Frau Hanna waren verzweifelt, denn sie hatten nichts, was sie noch hätten geben können, ausser ihres Hofes, des Ackers und der Tiere. Wovon sollten sie leben, wenn der König danach verlangte? Sie wussten es nicht. Doch des Königs Schergen hörten nicht auf Flehen und Bitten der Bauersleute. Sie nahmen dem Bauer Hans und seiner Frau die Tiere und die Ernte, und nachdem die Schergen des Königs fort waren, da weinten beide bitterlich.

An diesem Abend gingen der Bauer Hans und seiner Frau hungrig zu Bett, und auch am nächsten Tag hatten sie nichts zu essen. Der dritte Tag war wie die anderen beiden, und schließlich beschloss der Bauer Hans, dass er zum König gehen und ihn um Hilfe bitten wolle. Also machte er sich auf den Weg zu des Königs Burg. Der Weg war weit, und der Bauer Hans brauchte fast drei Tage, bis er die Burg erreichte. Der Hans machte sich große Sorgen, wie es seinem Weibe in dieser Zeit wohl ergangen war.

Schließlich erreichte er das Burgtor und begehrte Einlass. Die Wachen des Königs waren überrascht, noch nie hatte einer der Untertanen sich getraut, nach dem König zu verlangen. Rasch ließ man nach dem Boten des Königs rufen, der nicht weniger überrascht über das Verlangen des Bauers Hans war. Er riet dem Hans, wieder zu gehen, doch der Hans bestand darauf den König zu sprechen. Der Bote kam der Bitte des Hans nach und entfernte sich.

Kurz darauf gewährte der König dem Bauern Einlass. Er wollte ihn sehen, diesen unverfrorenen Niemand, der sich getraute, seine Zeit zu beanspruchen. So ließ er den Hans rufen und 100 Schritte vor seinem Thron stehen bleiben. Wer er sei und was er wolle, fragte der König verärgert. Der Hans klagte dem König sein Leid, erzählte von sich und seiner Frau und ihrem Hunger, und als er fertig war, da hoffte er, den König gütig gestimmt zu haben. Der König aber lachte nur, er sei nun mal der König und der Hans nur ein einfacher Bauer, da sei es nur recht und gut wenn er seinem König zu Diensten sei. Der Hans möge sich stattdessen freuen, dass er mit seinen Steuern auch des Königs Frau und seiner Tochter seine Hochachtung erweise. Der Bauer Hans aber sah dies anders und wollte widersprechen, doch noch bevor er etwas erwidern konnte, ließ der König ihn aus der Burg werfen. So musste sich der Hans unverrichteter Dinge auf den Heimweg machen, verzweifelt und in Sorge um seine Frau.

Am ersten Tage seines Heimwegs kam der Hans an einem kleinen See vorbei. Er setzte sich und machte Rast. Da sah er in dem See ein Funkeln und glaubte, weil die Sonne schien, sie würde sich darin spiegeln. Er blieb noch eine Weile sitzen, dann ging er weiter.

Am zweiten Tage seines Heimwegs kam der Hans an einem zweiten kleinen See vorbei. Wieder setzte sich der Hans und machte Rast. Da sah er im See ein Funkeln, stärker als am Tag davor. Doch weil auch die Sonne heute stärker schien, glaubte der Hans, sie würde sich im Wasser spiegeln. Er blieb noch eine Weile sitzen, dann ging er weiter.

Am dritten Tage seines Heimwegs kam der Hans erneut an einem kleinen See vorbei. Wieder setzte sich der Hans und machte Rast. Da sah er im See ein Funkeln, stärker noch als am zweiten Tag. Doch heute schien die Sonne nicht, es standen Wolken am Himmel. Der Bauer Hans wurde neugierig, was dort im See wohl sei. Er stand auf und näherte sich dem Wasser. Als er am Ufer stand, da leuchtete es golden unter der Wasseroberfläche. Der Hans machte sich Hoffnung, etwas wertvolles gefunden zu haben, das er gegen etwas zu essen eintauschen und seiner Frau hätte bringen können. Also fasste der Bauer Hans ins Wasser und nahm den funkelnden Gegenstand heraus. Es war eine kleine Kugel, die golden strahlte. Der Hans hielt sie in der Hand und staunte, so etwas hatte er noch nie gesehen.

Mit einem Mal begann die Kugel noch mehr zu leuchten, und sie wurde so heiss, dass der Hans sie erschrocken fallen ließ. Die Kugel hörte nicht auf zu glühen, und schließlich wurde das Leuchten so hell, dass der Hans die Hand vor Augen halten musste. So plötzlich wie das helle Leuchten gekommen war, so plötzlich verschwand es, und als der Bauer Hans die Hand wieder wegnahm, da sah er vor sich ein zierliches Mädchen stehen, nicht viel größer als ein Kind und doch schon erwachsen. Die Haut des Mädchens war milchig weiß und das seidene Haar sogar noch weißer. Das Mädchen blickte den Hans mit ihren eisblauen Augen durchdringend an und erklärte, sie sei eine gute Fee. Seit Tagen habe sie ihn verfolgt, nachdem sie von seinem Unglück erfahren habe, und nun wolle sie ihm einen Wunsch gewähren.

Der Bauer Hans war zuerst erschrocken gewesen über das, was er gerade gesehen hatte. Jetzt aber begann er sich zu freuen, denn er hatte noch nie zuvor eine Fee gesehen. Und schließlich hatte ihm das Mädchen auch noch gesagt, dass er sich etwas wünschen könne. Der Bauer Hans überlegte eine Weile. Er hatte viele Wünsche, doch die Fee hatte ihm nur einen einzigen versprochen. Schließlich bat er das Mädchen, ihm und seiner Frau zu helfen, genug zu essen zu haben. Die Fee lächelte und nickte dann. Er solle seine Augen schließen, bat ihn die Fee, und kaum dass der Bauer Hans seine Augen geschlossen hatte, da sagte ihm die Fee, dass er sie wieder aufmachen dürfe. Die Fee reichte ihm einen hölzernen Teller. Dieser Teller, so erklärte sie ihm, wird niemals leer. Was immer er oder seine Frau sich zu essen wünschten, der Teller würde es ihnen geben, so lange bis sie satt wären. Aber, so mahnte die Fee, nur er, der Bauer Hans, seine Frau und die Freunde des Bauernpaars sollten von dem Teller essen dürfen. Niemals, so erklärte sie ihm, niemals dürfe jemand anderer von dem Teller essen.

Der Bauer Hans bedankte sich und die Fee verabschiedete sich. Dann setze er seinen Weg glücklich nach Hause fort.

Die Frau des Bauers Hans erwartete den Hans bereits. Neugierig, wie es dem Hans beim König ergangen war, hörte sie seine Erzählung. Der Hans erzählte von seiner Reise, wie er zum König vorgelassen worden war und dieser ihm nicht hatte helfen wollen. Die Frau des Hans war daher sehr traurig, doch dann erzählte der Hans ihr von der Fee und dem Geschenk, das sie ihm und seiner Frau gemacht hatte. Erst wollte die Hanna ihm nicht glauben, doch dann zeigte der Hans seiner Frau den hölzernen Teller. Ungläubig blickte die Hanna den Teller an, dann fragte sie den Hans, ob es wirklich wahr war und ob es wohl stimmte, dass der Teller ihnen zu Essen geben würde. Der Hans hatte bisher noch nicht von dem Teller gegessen, denn er hatte gemeinsam mit seiner Frau sehen wollen, ob es wahr war. Also stellte er den Teller auf den Tisch, und die beiden Bauersleute setzten sich davor.

Worauf sie Hunger habe, fragte der Hans seine Frau, und die Hanna sagte sie würde gerne etwas Brot essen. Da erschien wie aus dem Nichts eine Scheibe Brot auf dem Teller, und der Hans und die Hanna rutschten erschrocken vom Tisch zurück. Hatte die Fee tatsächlich die Wahrheit gesagt? Der Hans nahm die Scheibe Brot und brach sie in zwei Hälften. Eine davon aß er selbst, die andere gab er seiner Frau. Es war die leckerste Scheibe Brot, die der Bauer Hans und seine Frau Hanna jemals zuvor gegessen hatten, und nachdem sie sie verzehrt hatten, da überlegten sie, ob sie sich noch etwas anderes vom Teller wünschen sollten. Der Hans verspürte großen Hunger auf einen Braten, und kaum hatte er daran gedacht, so gab der Teller ihm was er wünschte. Der Hans kostete davon, und noch nie zuvor hatte er einen so schmackhaften Braten gegessen. So taten der Hans und die Hanna sich daran gütlich, wünschten sich noch dieses und jenes vom Teller, so lange bis sie satt und zufrieden waren. Die Fee hatte die Wahrheit gesagt und ihnen einen nimmer leeren Teller geschenkt. Der Bauer Hans und seine Frau waren so glücklich wie noch nie zuvor in ihrem Leben, niemals wieder würden sie Hunger leiden.

Es begab sich, dass in dem Dorf, in dem der Bauer Hans und seine Frau lebten, bald ein jeder von dem nimmer leeren Teller wusste. Schon bald speisten der Bauer Hans und seine Frau nicht mehr allein, denn von nun an waren immer einige ihrer Freunde da, um ebenfalls ihren Hunger zu stillen. Der Hans und die Hanna luden ihre Freunde gern zum Essen ein, denn sie hatten mehr als genug, und so konnten sie jedem mehr als genug geben. Niemand in dem Dorf, in dem der Bauer Hans und seine Frau lebten, sollte von nun an mehr Hunger leiden.

Bald darauf kamen die Schergen des Königs wieder, um die Steuern einzufordern. Dieses Mal konnte ein jeder im Dorf die Steuern bezahlen, denn da der Hans und die Hanna immer genug zu essen für alle da hatten, hatte jeder genug für den König zurück legen können. Sogar der Hans und die Hanna hatten genug, um die Steuern zu bezahlen, denn die Leute im Dorf hatten für den Hans und die Hanna mit gespart. So brachten die Schergen die Steuern dem König.

Doch König Grummel I. war sehr verwundert, dass es aus dem Dorf, in dem der Bauer Hans und seine Frau lebten, keine Klagen gab. Alle hatten ihre Steuern pünktlich gezahlt, doch der König war damit nicht zufrieden. Irgendwas, so sagte er zu seinen Schergen, ginge dort vor. Also schickte er seine Schergen erneut in das Dorf des Hans, wo sie sich als Bauersleute verkleiden und umhören sollten. Schon bald darauf hatte einer der Leute des Königs von dem nimmer leeren Teller erfahren, und er eilte rasch zu des Königs Burg, um König Grummel I. davon zu berichten.

König Grummel I. war erbost über solch Hexerei. Ein Teller, der so viel zu Essen gab, wie man nur wollte, stand im Eigentume eines nichtsnutzigen Bauern? Ein solches Geschenk solle ihm und seiner Frau zustehen, entschied der König, und so beauftragte er seine Schergen, ihm diesen verzauberten Teller zu bringen. Und so schlichen die Leute des Königs in dieser Nacht in das Dorf, in dem der Bauer Hans und seine Frau lebten, und stahlen der Teller aus dem Häuschen des Bauern Hans.

Am nächsten Morgen war die Aufregung groß im Dorf. Der Teller war fort, und da alle die Steuern gezahlt hatten, gab es nichts mehr zu essen. Der Hans habe den Teller versteckt, rief einer, der glaubte dass der Hans und seine Frau nicht mehr mit den anderen teilen wollten. Unsinn, rief ein anderer, vielleicht sei der Teller nur verloren gegangen und müsse wieder gefunden werden. Ein Dritter aber wusste, was geschehen war, denn er hatte einen der Schergen des Königs gesehen, wie er mit dem Teller vom Hofe des Hans verschwunden und hinfort geritten war. Der Hans und die Hanna und auch die anderen Leute im Dorf waren erschrocken über ein solch grausames Gebären des Königs, und schließlich entschied man, dass der Hans gehen solle, den König zu besuchen und den Teller zurück zu fordern. Der Hans war einverstanden, doch er wollte nicht alleine gehen, und so schlossen sich ihm noch zwei weitere an. So machten sich die Drei auf den Weg zu des Königs Burg.

Unterdessen hatte der Reiter dem König den Teller gebracht. Neugierig beäugte der König den Teller. Wie er funktioniere, fragte er seine Schergen. Man brauche sich nur zu wünschen, was man essen wolle, erklärte einer. Der König nickte und blickte den hölzernen Teller an. Dann stellte er sich Trauben vor, und wie aus dem Nichts erschienen sie saftig grün auf dem Teller. Welch wunderbares Geschenk ihm seine Schergen da gebracht hatten, freute der König sich. Dann reichte er die Trauben seiner Frau und auch seiner Tochter, die sie kosten wollten. Es waren die leckersten Trauben, die sie jemals probiert hatten. Ob er auch Äpfel herbei zaubern könnte, fragte die Königin. Und auch ein paar Birnen, wollte die Königstochter wissen. Der König dachte an Äpfel und Birnen, und der Teller holte sie herbei. Erfreut über diesen nimmer leeren Teller reichte der König das Gewünschte an Königin und Königstochter, die Äpfel und Birnen kosteten. Und wie zuvor, so waren auch dies die leckersten Früchte, die sie je gegessen hatten.

Nun, da der König im Besitze dieses verzauberten Tellers war und es in seiner Burg stets genug zu essen geben würde, da konnte er seinem Volke eine andere Steuer abverlangen. Was brauchte er noch Ernte und Vieh, wo der Teller ihnen nun ihm Überflusse zu essen geben würde? Schon gedachte der König des Landes, welches er fortan einfordern würde. In seinen Gedanken verloren nahm auch König Grummel I. nun von dem Teller und kostete. Seine Frau und Tochter hatten nicht gelogen, noch nie hatte er so gut gespeist. Er wolle nun mit seiner Frau und Tochter alleine sein und das neue Geschenk noch ein wenig ausprobieren, sagte er seinen Schergen, und so gingen sie und ließen den König und seine Königin und der beiden Tochter allein.

Doch, und das wusste der König nicht, bei aller Zauberei war der Teller mit einem Fluche belegt. Die Fee, ja die Fee hatte dem Hans gesagt, nur er und seine Frau und deren Freunde sollten von dem Teller essen.

Erst merkten der König, seine Königin und der beiden Tochter es nicht. Doch egal was sie sich wünschten, egal wie gut es schmeckte und egal wie viel sie davon aßen, sie wurden niemals satt. In gleichem Maße wie sie sich von dem Teller nahmen, nahm auch ihr Verlangen zu, noch mehr von dem Teller zu essen. So kam es, dass die drei aßen und aßen und aßen.

Als erstes fiel es dem König auf. Die Mägen seiner Frau und seiner Tochter schienen sich unter den Gewändern zu blähen, und auch bei sich selbst bemerkte er dergleichen. Er dachte sich nichts dabei. Dann, später, bemerkte die Königin, dass ihr Kleid eng geworden war, und auch ihrer Tochter und ihres Mannes Kleider schienen nicht richtig zu passen. Dann, noch später, schien es der Tochter, als hätte sie Wackersteine im Leibe, die sie einfach nicht aufstehen lassen wollten, und sie sah, dass es dem König und der Königin ebenso erging.

Was für eine Hexerei das sei, fragte der König, doch weder die Königin noch die Königstochter konnten es ihm sagen. Mir ist, als hätte ich seit Tagen nichts gegessen, stellte die Königin fest, und doch wisse sie genau, dass dem nicht so sei. Vielleicht liege es an dem Teller, so meinte die Königstochter. Welch’ Unsinn würde seine Tochter da von sich geben, fragte der König aufgebracht. Vielleicht habe sie ja Recht, meinte die Königin, immerhin sei der Teller verhext gewesen. Dem König dämmerte, dass seine Frau Recht haben könnte, und so stellte er den Teller beiseite. So wollen wir denn nichts mehr essen, entschied der König, und die Königin und Königstochter stimmten zu.

Doch schon kurz darauf knurrten die Mägen der Drei laut, und es fiel ihnen immer schwerer, nicht an den Teller zu denken. Den Teller zu mir, rief die Königin und nahm ihn sich. Sogleich zauberte der Teller eine Pastete herbei, und die Königin langte danach. Ich tu’s mir gleich, verkündete die Tochter und schon waren es der Pasteten zwei. Was tut ihr da, rief der König, und nahm sich selbst vom Teller die Pastete drei.

Mehr noch, verlangte die Königin, und schon war der Teller wieder voll. Was tut ihr da, fragte der König, der allmählich besorgter wurde. Den Hunger stillen, erklärte sein Kind, schmatzend und rülpsend wie eine Bauerstochter. Es ist genug, weg mit dem Teller, entschied der König. Doch als er den Teller von sich schieben wollte, da zauberte der schon wieder die nächste Leckerei herbei.

Oh! Teufelei! Der Teller schien sich nun zu rächen für des Königs Gier. Mehr und immer mehr verlangten der König, seine Königin und seine Tochter nach seiner Kunst und aßen alles, was er ihnen bot. Die Bäuche voll und die Leiber schwer mussten die Drei bald erkennen, dass der Teller wirklich nimmer leer war. Und so aßen und aßen und aßen sie, immer weiter und immer mehr.

Drei Tage später erreichten der Bauer Hans und die anderen Zwei die Burg des Königs. Anders als beim ersten Besuch des Hans waren heute keine Wachen postiert. So kam es, dass der Hans und die anderen Zwei die Burg betraten. Aufgeregt standen und liefen einige Leute herum, und schließlich entdeckte der Hans unter ihnen den Boten des Königs. Der Hans schritt auf ihn zu und begrüsste ihn. Der Bote erinnerte sich an den Hans, und der Hans bat, zum König vorgelassen zu werden. Der Bote war überrascht, dass der Hans einen solchen Wunsch äusserte, wisse er nicht, was dem König, seiner Frau und seiner Tochter zugestoßen sei? Der Bauer Hans verneinte, und so erzählte der Bote es ihm.

Vor drei Tagen hatte der König einen verzauberten Teller erhalten, der alles zu Essen gab, was man sich wünschte. Doch als der König ihn ausprobierte, da wurde er mit einem Fluche belegt. Drei Tage hatte man den König nicht gesehen, und so war man heute morgen in den Thronsaal getreten. Dort hatte man den König, seine Königin und der beiden Tochter gefunden, tot und die Leiber entsetzlich aufgebläht. Alle drei hatten sich zu Tode gefressen.

Die anderen Zwei erschraken ob dieser Neuigkeit. Doch da der Hans wusste, was die Fee ihm gesagt hatte, wollte er wissen, wo der Teller nun sei. Der Bote wurde misstrauisch, warum der Hans dies fragte. Hatte er etwa den König ermordet? Der Bauer Hans war aber ein kluger Mann, und so sagte er, dass er den Teller vernichten wolle, damit ein solches Unglück nie wieder geschehe. So ließ der Bote den Teller holen und übergab ihm den Hans. Der bedankte sich, und der Bauer Hans und die anderen Zwei machten sich auf den Heimweg.

Der Hans tat nicht wie dem Boten versprochen und vernichtete den Teller nicht. Stattdessen brachten sie ihn heim ins Dorf, wo der Teller seitdem nimmer leer war und dem Hans, der Hanna und ihren Freunden stest genug zu essen bescherte.

Es begab sich sogar, dass man den Hans später zum König machte. Fortan war er nicht mehr der Bauer Hans, sondern König Hans der Gute. Seine Untertanen hatten ihm diesen Namen gegeben, da er niemals Steuern einforderte. Dafür gab er jedem, der Hunger litt, zu essen.

Und wenn der Hans und die Hanna nicht gestorben sind, so geben sie noch heute jedem ihrer Untertanen von dem nimmer leeren Teller.

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