Katja – 7 – Meine Jeans

Vor ziemlich genau drei Monaten habe ich mein Zunehm-Projekt gestartet. Es ist immer noch ein komisches Gefühl, dass ich das hier so einfach erzähle. Aber hier kennt mich ja niemand und ich brauche einfach jemanden, mit dem ich darüber sprechen kann. Oder jemanden, dem ich darüber erzählen kann.

Und ich habe wieder etwas Neues zu erzählen. Ich habe es endlich geschafft, zuzunehmen. Ich bin mittlerweile bei 66 kg angekommen. Genau soviel wiege ich seit vier Tagen jeden Morgen, egal, was ich am Abend davor gegessen habe. Das bedeutet, dass ich es endlich schaffe, mein Gewicht zu halten.

Wenn ich mich jetzt im Spiegel betrachte, dann gefalle ich mir auch viel besser als früher. Ich bin oben und unten rum endlich ein bisschen runder geworden. Genau das wollte ich ja. Dafür ist mir in den letzten zwei Wochen was anderes aufgefallen, das ich so nicht bedacht habe. Ich meine, eigentlich ist es ja klar. Aber ich hatte mir darüber einfach keine Gedanken gemacht. Natürlich habe ich auch am Bauch zugenommen. Es ist zwar nicht so viel, dass ich jetzt gleich wieder eine Diät anfangen würde. Aber es ist ein komisches Gefühl zu sehen, dass vor allem meine Hosen oder Röcke jetzt auch eng sitzen, wenn ich mich nicht vollgetrunken oder viel gegessen habe.

Seitdem ich mein Projekt angefangen habe, habe ich regelmäßig überprüft, ob ich noch in meine engste Jeans hinein passe. Alle zwei Tage bin ich hinein geschlüpft und habe sie hochgezogen, Reissverschluß und Knopf zu gemacht und dann mein Spiegelbild betrachtet. Es hat eigentlich gar nicht so lange gedauert, bis ich zum ersten Mal eine kleine Speckrolle bemerkt habe, die sich an den Seiten der Jeans über den Bund geschoben hat. Kurze Zeit später hatte ich auch unter meinem Bauchnabel ein bisschen mehr, und mein Bauch drückte sich schon stärker gegen die Jeans. Ich brachte sie immer noch zu, aber ich konnte jetzt auch hier sehen, wie mein Bauch sich langsam über den Bund schob. Dann, wieder ein paar Wochen später, musste ich vor dem Schließen von Reissverschluß und Knopf meinen Bauch einziehen, damit ich die Jeans zu brachte.

Seit vier Tagen passt mir die Jeans nicht mehr. Ich glaube, die beiden letzten Kilos, die ich zugenommen habe, sind direkt auf meinen Bauch gewandert. Auf jeden Fall bekomme ich die Jeans nicht mehr zu. Ich meine, klar, wenn ich mit aller Kraft ziehe und zerre, dann geht es. Aber der Bund schneidet ziemlich ein und es tut sogar etwas weh. Ausserdem traue ich mich gar nicht, mich zu bewegen, wenn ich mich so in die Jeans gequetscht habe. Hernach reisst noch eine Naht oder so, und das muss ja auch nicht sein.

Eigentlich ging es viel schneller, als ich gedacht habe. Also dass ich mich aus meinen Klamotten "raus futtere". Bis jetzt ist es nur diese eine Jeans, aber wenn ich weitermache, dann wird es mir auch mit anderen Kleidungsstücken so gehen.

Wenn ich ehrlich sein soll: im Moment überlege ich, ob ich weitermachen oder aufhören soll. 66 Kilogramm sind doch eigentlich ganz ok. Ich habe ja jetzt ein paar Kurven mehr, so wie ich es von Anfang an wollte. Zu dick wollte ich andererseits auch nicht werden.

Auf der anderen Seite gefalle ich mir schon sehr gut, wenn ich mich im Spiegel anschaue. Die kleinen Speckröllchen finde ich ehrlich gesagt irgendwie süß. Sie fühlen sich richtig weich an. Manchmal nehme ich sie zwischen zwei Finger und massiere sie dann leicht. Das fühlt sich wirklich schön an.

Ich habe vor kurzem gelesen, dass man in England oder Amerika "love handles" zu diesen Speckröllchen sagt. Das Wort finde ich schön. Es klingt gut, gar nicht so, als wäre es etwas schlechtes. Und wie sagt man bei uns? Haben wir überhaupt ein Wort dafür? Also ein anderes als Speckröllchen? Schwabbel vielleicht. Aber das klingt eher negativ, finde ich.

Ich muss mir auf jeden Fall überlegen, wie es weitergehen soll.

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