Diverse Autoren – Der Selbstversuch

Auch wenn sie sich noch ein wenig unsicher war, was ihre Fähigkeiten als Autorin anging, so war sie sich doch in einer Sache vollkommen sicher. Es war überaus schwierig – wenn nicht unmöglich – über ein Thema zu schreiben, über das man so gut wie nichts wusste. Und so blieb ihr in diesem Fall eigentlich nur eine Sache übrig: einen Selbstversuchsuch starten.

Um die Wahrheit zu sagen, ihr Gewicht täuschte über die Mengen, die sie aß. Wenn man einerseits sah, daß sie in Größe 40 passte (wenn sie den Bauch ein wenig einzog) und andererseits, wie wenig sie tatsächlich aß, dann konnte man sich eigentlich nur wundern, warum sie es nicht schaffte, abzunehmen.. Sie selbst fühlte sich wohl. Wenn sie in den Spiegel sah, dann gefiel ihr, was sie sah – größtenteils zumindest. Lockiges, blondes Haar, glasblaue Augen. Vielleicht etwas zu kantige Gesichtskonturen, aber die gaben wenigstens Charakter.

Als ihr der Auftrag erteilt wurde, war sie zuerst ein wenig überrascht gewesen. Sie hatte nicht einmal gewusst, wie sie anfangen sollte. Völlerei. Was sollte sie nur darüber schreiben? Wenn sie und ihre Freundinnen ausgingen, dann ließen es sich ihre Freundinnen richtig gut gehen. Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise waren das mindeste, was sie verzehrten – und sie selbst hatte schon Probleme, nur eine ganz normale Portion aufzuessen. Am Anfang hatte sie versucht, ihre Freundinnen ein wenig zu dem Thema auszuhorchen, was allerdings nicht sehr ergibig gewesen war. Sie bemerkten nicht einmal, daß sie soviel aßen. So viel dazu. Sie würde es also wohl oder übel selbst herausfinden müssen.

Die erste Frage, die ihr daher in den Sinn kam, war, wovon sie überhaupt viel essen konnte. Es musste doch etwas geben, das sie so gern mochte, daß sie sogar dann, wenn sie bereits satt war, immer noch einen Nachschlag verlangte. Etwas, zu das sie sich leicht überreden konnte. "Käsekuchen!" schoß es ihr durch den Kopf und sie grinste. in der Tat, damit konnte es klappen. Sie wollte keine Zeit verlieren und machte sich gleich auf zum Supermarkt. Wenn sie sich beeilte, dann würde sie den ganzen Abend Zeit für ihr Experiment haben.

Kurze Zeit später kam sie wieder zu Hause an; im Einkaufskorb lag eine bunte Schachtel, in der sich ein 3000gr Käsekuchen verbarg und auf seinen Verzehr wartete. Sie war gespannt, ob sie das ganze Ding schaffen würde. Vorgenommen jedenfalls hatte sie es sich. Also griff sie sich eine Gabel und nahm die Schachtel mit auf ihr Zimmer.

Dort machte sie es sich bequem auf dem Bett, stützte den Rücken mit einigen Kissen und öffnete den Deckel der Schachtel. Der Kuchen duftete herrlich. Herrlich cremig. Sie hatte vor fast zwei Stunden zu Abend gegessen (eine kleine Portion Lasagne) und hoffte, daß sie damit jetzt genug Platz in ihrem Bauch hatte. Der erste Bissen war himmlisch. Ihr Geschmackssin rief ihr eindringlich in Erinnerung, wie gern sie doch Käsekuchen mochte. Er war süß, aber nicht zu süß. Sie liebte es, wie sich die cremige Masse in ihrem Mund anfühlte. Sie brauchte nicht einaml wirklich zu kauen. Nur mit der Zunge zerdrücken, herumrollen, es solange schmecken wie man wollte, und dann schlucken. Mmm, lecker. Mehr.

Sie ließ sich den Kuchen schmecken, gabelte jedesmal so viel wie möglich auf und hatte bald etwa ein viertel davon gegessen. Sie wurde langsamer. Etwa drei große Stücke waren das jetzt gewesen. Sie begann, sich allmählich satt zu fühlen. Wenn sie das vorher gewusst hätte, dann hätte sie sicher nicht zu Abend gegessen. Sie atmete tief durch, dann aß sie weiter. Sie schaufelte den Käsekuchen schnell in ihren Mund. Vielleicht, je schneller sie aß, desto mehr würde sie schaffen, bevor sie sich zu voll fühlen würde, um weiterzumachen. Sie versuchte zu zählen, wie viele Bissen sie für ein Stück brauchte, doch sie verzählte sich immer wieder.

Sie wischte sich mit den Fingern über die Lippen, und blickte auf den Käsekuchen. Sie war mittlerweile ziemlich geschafft. Was? Das konnte doch nicht sein. Sie hatte lange genug gegessen, um zwei ganze Käsekuchen zu verdrücken, aber das verdammte Ding vor ihr war nur knapp zu zwei dritteln gegessen. Beinahe hätte sie ihre Gabel weggeworfen, statt dessen schlug sie nur mit der Faust in die Matratze des Betts. Uff! Mann, war sie voll! Sie hatte es bisher nicht gemerkt, aber durch die schnelle Bewegung wurde ihr die Schwere in ihrem Magen schlagartig bewusst. Normalerweise war ihr Bauch recht weich, jetzt aber rundete sich ein ordentliches Bäuchlein nach vorne. Es funktionierte! Und es war gar nicht so unangenehm, wie sie befürchtet hatte. Sie machte das gleiche grinsende Gesicht, daß ihre Freundinnen als den Katze-die-den-Vogel-gefressen-hat-Ausdruck bezeichneten. Sie war wirklich zufrieden mit sich selbst. Zumindest solange, bis sie wieder auf den noch verbliebenen Käsekuchen in der Schachtel schaute. Noch vier Stücke. Uff. Wie sollte sie denn die noch schaffen?

Ihre erste Idee: einfach reinstopfen. Sie legte die Gabel beiseite, nahm ein Stück des Kuchens mit beiden Händen und drückte es sich geradezu in den Mund. Sie versuchte, es zu kauen und schnell zu schlucken, doch das funktionierte nicht richtig. Sie bekam fast keine Luft. So musste sie sich nach ein paar Bissen was anderes einfallen lassen. Am besten würde sie den Rest langsam essen, ganz langsam.

Wieder führte sie ein großes Stück an ihren Mund und biß so viel ab, wie sie auf einmal kauen konnte. Und das war viel. Die Creme verscmierte rund um ihren Mund, aber das störte sie nicht. Ihr Bauch gab ein protestierendes Gurgeln von sich. Sie aß trotzdem weiter. Vor ihrem geistigen Auge sah sie, wie die Kuchenstückchen, die sie schluckte, in ihren Magen wanderten und ihn füllten. Wie sie ihn dehnten und immer praller werden ließen. Ein weiteres, lauteres Gurgeln ihres Magens rief sie zurück in die Realität. Mit dem, was sie jetzt noch in der Hand hielt, waren nur noch eineinhalb Stücke des Kuchens übrig. Sie lehnte sich zurück in die Kissen; ihr Bauch wölbte sich deutlich nach aussen.

Jetzt war es soweit, sie musste sich selbst zum Weiteressen überreden. "Na los! Du hast früher schon oft zwei Stückchen Käsekuchen verdrückt!" sprach sie sich selbst Mut zu. "Ja, klar, aber nicht, nachdem ich den ganzen Rest vom Kuchen auch in mich reingestopft hatte…" Sie legte eine Hand auf ihren Bauch und begann, ihn sanft zu streicheln. Es war ein elektrisierendes Gefühl. Es war ihr beinahe peinlich, aber irgendwie erregte sie dieses unbekannte Gefühl. Während sie es auskostete, begann sie erneut zu essen, mit der einen Hand immer den Bauch (oder tiefere Regionen) streichelnd und massierend. Das machte das Essen leichter. Und sie merkte, wie sie feucht wurde. Ihre Hand machte sich nun vollends selbständig.

Sie drückte ihren Rücken durch, so daß ihr Bauch sich prall und voll nach vorne wölbte. Sie fühlte sich, als würde sie platzen! Und doch war sie eine Minute lang abgelenkt, so daß sie einfach weiteraß. Sie würde diesen Kuchen aufessen, und wenn sie platzen würde! Schließlich stopfte sie das letzte Stück in ihren Mund, und ohne ihre Finger abzuwischen, begann sie, ihre Brüste zu massieren. Sie verschmierte die Creme auf ihrem Oberkörper, kaute das letzte Stück, schluckte das letzte Stück hinunter und glaubte, zu platzen. Oh, sie platzte wirklich – sie kam so intensiv wie nie zuvor!

Danach war sie völlig geschafft. Sie warf einen letzten Blick auf ihren prallen, aufgeblähten Bauch, bevor sie die Erschöpfung übermannte und sie eindöste.

Sie hatte noch nicht lange geschlafen, als ihre Freundinnen leise hereinschlichen und zwei große, dunkle Papiertüten auf ihr Nachtkästchen stellten.

"Wow, schau dir mal diese Wampe an!" flüstere eine der beiden der anderen zu. Sie tippte den Bauch der Schlafenden leicht mit ihren Fingerspitzen an. "Ich glaube, sie hat schon gegessen. Meinst du wirklich, wir sollen das durchziehen?" Sie deutete auf auf das Nachtkästchen, wo sich in den Tüten die bei McDonalds besorgten Burger, Pommes und Softdrinks befanden. "Machst du Witze? Natürlich ziehen wir das durch. Ein paar Stückchen Käsekuchen haben doch nichts mit einer anstädnigen Völlerei zu tun. Wir haben abgemacht, ihr zu helfen, also tun wir das auch." Sie nahm einen der Burger aus einer der Tüten, wickelte ihn aus und setzte sich an die Seite des Betts.

Dann schob sie der Schlafenden den Burger an die Lippen und meinte kichernd: "Mund auf!"

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